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Salzträume Band II
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 11.01.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): Ju Honisch, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 608, Erschienen: 2010, Preis: 15,95 €


Um zu einem Urteil über Salzträume Band II zu kommen, lohnt ein Blick auf die Autorin Ju(liane) Honisch, die 2009 für Das Obsidianherz mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde. Die gebürtige Berlinerin war schon längst Songwriterin (seit Beginn der 90er Jahre im Bereich Filkmusik) und Lyrikerin, bevor sie 2009 ihren ersten Roman veröffentlichte. Wie fast jeder Autor hat sie aber schon einige Fingerübungen in Prosa hinter sich. Ihr Werdegang hat deutlich Einfluss auf ihren Schreibstil gehabt, wie auch eine Schreibprobe aus dem vorliegenden Roman zeigt:

Charly hatte den Rest des Nachmittags ausgeruht. Sie war zu entkräftet gewesen, um auch nur einen Schritt weiter zu gehen, war gestolpert, hatte die Verbindung zu dem geheimnisvollen Mann neben ihr verloren. Er war unglücklich über den Zeitverlust. Je länger sie im Berg blieben, desto mehr wurde er zur Gefahr. Er mußte ihr das nicht erläutern. Sie wußte es.

Hier finden sich Wortwiederholungen neben Wendungen, die die Dramatik schüren (Er mußte ihr das nicht erklären. Sie wußte es. statt einfacher: Das spürten beide deutlich.), gerne auch an weiteren Stellen des Romans mit Vorausdeutungen ergänzt, z.B. sinngemäß: Das sollte sich noch rächen. Am zitierten Absatz lässt sich auch gut die phasenweise eingesetzte Hauptsatzreihung veranschaulichen. Alle diese sprachlichen Eigenheiten könnten Ergebnis der intensiven Beschäftigung mit Lyrik und Songtexten sein. Dort sind sie besonders typisch.
Inhaltlich ist der Roman mit mehreren parallelen Erzählsträngen sehr gattungstypisch angelegt. Im Kern geht es zunächst um das Gerücht, eine mächtige Waffe werde heimlich in einem Berg gebaut. Betrieben werde sie mit den Energien der Fey-Kreaturen (übernatürliche humanoide Wesen). Ihre metaphysische Kraft soll ihnen genommen genommen und in physische Kraft umgewandelt werden. Soweit der Stand am Ende des ersten Bandes der zweibändigen Salzträume. Der zweite Band löst die Geschichte natürlich auf und greift auch auf die bewährte Mischung aus Action und Gefühl/Erotik zurück.
Das Ganze findet im mit Magie und Übernatürlichen angereicherten Umfeld des europäischen 19. Jahrhunderts statt. Der Definition nach entspricht das dem Genre Steampunk, wie es auch der Verlag auf das Cover druckt. Danach hätte ich vom Stil her formelhaft Jules Verne+Fantasy erwartet. Ju Honisch liefert aber - ebenso plakativ - ausgedrückt Rosamunde Pilcher+Jules Verne+Fantasy. Neben dem Schreibstil ist dafür die Charakter- und Erzählstrangvielfalt verantwortlich, denn Honisch versucht, ihre Figuren plastisch darzustellen. Deshalb beschreibt sie Gefühle und Gedanken sehr detailliert, teils am Rande zur Langatmigkeit.
Vorbildlich für den 600 Seiten Schmöker sind die vorangestellte Inhaltsangabe des ersten Teils von Salzträume und das Personenregister, mit dem man gut den Überblick halten kann. Niemand braucht also Angst zu haben, den Faden nicht zu finden, wenn ihm nur der zweite Band in die Hände fällt. Die äußere Gestaltung des Buchs ist zudem wie immer beim Verlag Feder und Schwert einfach prima.

Fazit: Salzträume Band II hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Empfehlenswert ist der Roman für alle, die einfach eine unterhaltsame Geschichte lesen wollen, deren Protagonisten zum Leben erweckt werden. Wer sich aber an getragen gefühlvollem, manchmal sogar schmalzigem Erzählstil stört, der wird mit Ju Honischs Buch nicht glücklich werden.




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