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Die Meister von Feuer und Stein
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 12.04.2010, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Gerd Hupperich, Verlag: Verlag für F&SF Spiele, Seiten: 274, Erschienen: 2010, Preis: 34,95 €


Die bärtigen Zwerge mit allen Klischees dazu finden sich bereits in Tolkiens Meisterwerk um den Ringkrieg Mittelerdes, das die Grundlage dessen bildet, was wir uns heute unter einer klassischen Fantasywelt vorstellen. Midgard stellt zudem auch noch das älteste deutsche Rollenspiel dar. Wir bewegen uns auf historischen Pfaden. Denn Die Meister von Feuer und Stein ist das Quellenbuch zu den Zwergen Midgards, das zusammen mit einem Ergänzungsband, der an anderer Stelle rezensiert werden soll, auf 274 Seiten eine umfassende Beschreibung der Kultur und Lebensweise dieses Volkes liefert.

Den Anfang macht der Anfang - den Anfang des Buchs der Anfang der Zwerge. Das erste Kapitel An den Wurzeln der Zeit beschreibt den Ursprung der Zwerge von der Schöpfung Midgards bis zur Jetztzeit dieser Welt. Beziehungsweise es beschreibt mehrere Wege dahin. Der Text legt deutlichen Wert darauf, keine sachliche Abhandlung zu liefern, die selbst die gelehrtesten Zwerge Midgards sowieso nicht kennen könnten. Im Gegenteil, je weiter das Beschriebene in der Vergangenheit liegt, um so wager und unbestimmter wird der Autor. Der Beginn der Welt und der Ursprung der Zwergenrassen werden gar mit mehreren Schöpfungsmythen umgeben, die sich gegenseitig widersprechen.

Zurzeit gehört auch der Raum - das weiß man nicht nur in der irdischen Physik, sondern auch in Midgard-Quellenbüchern. Passenderweise schließt sich an die zeitliche Abhandlung der Zwergenvölker ihre räumliche Differenzierung an. Die Unterschiede der verschiedenen Zwergenvölker, wie und wo sie leben, arbeiten (, trinken) und sterben, wird im zweiten Kapitel besprochen. Die Aufführung ist vollständig und informativ, auch wenn die meisten Zwerge Midgards scheinbar wirklich dem tolkienschen Klischee entsprechen, wird hier doch einige Vielfalt aufgezeigt, die diese Spezies aufweist.

Im nächsten Kapitel werden Die Götter der Zwerge beschrieben, in ihrer für Fremde scheinbar widersprüchlichen Art: Wie die Zwerge ihre Götter sowohl als Wesen des Guten als auch als die Großen Verführer ansehen, die einen Zwerg zum Dunkelzwerg verderben können.
Die Darstellung ist sehr informativ, aber stellenweise etwas unvollständig. Es wird das große Ganze beschrieben (die Götter mit ihren Eigenarten) und die kleinen Details (Aberglauben). Es fehlen ein wenig die Mythen der Zwerge, von denen sich nur die Schöpfungsmythen im ersten Kapitel finden. Vermutlich hätte es zu viel Platz verbraucht, weitere religiöse Mythen niederzuschreiben.
Nach den theologischen Überzeugungen der Zwerge werden die Tempel und Institutionen dieser Religion in allen wichtigen Details geschildert, die der Spielleiter benötigt, um sie innerhalb Midgards glaubwürdig beschreiben zu können.

Die nächsten drei Kapitel befassen sich mit dem täglichen Leben und denn alltäglichen Umständen der Zwerge. Ihre Bau-, Bergwerks- und Handwerkskunst, für die dieses Volk so berühmt ist, werde detailliert dargestellt. Die Beschreibung der Mineralogie und Metallurgie ist dabei (für eine Fantasywelt) extrem gut recherchiert und genügt in den nicht-fantastischen Aspekten dem Auge des rezensierenden Chemikers. Was irdische Metalle wie Gold, Eisen oder Kupfer angeht, liefert das Buch somit eine lesenswerte Beschreibung mittelalterlicher Metallbearbeitung.
Auch die Riten und Bräuche der Zwerge werden geschildert, sowie ihr Verhältnis zu den anderen Rassen Midgards. Zusammengenommen bilden diese Kapitel einen Grundstock, der das Volk der Zwerge mit Leben füllt. Der Spielleiter kann hier ganze Kampagnen gestalten, anstatt Zwerge bloß als Fremdlinge in einer nachvollziehbaren Menschenwelt auftreten zu lassen.

Die letzten drei Kapitel des Quellenbands Die Meister von Feuer und Stein widmen sich den eher regeltechnischen Aspekten der Zwergenvölker.
Zunächst wird die Magie der Zwerge beschrieben, die vor allem auf magischen Runen basiert.
Dann liefert eine Kreaturensammlung nicht nur Spielwerte, sondern auch Beschreibungen der Wesen, denen man in den Zwergenreichen so begegnen kann.
Im letzten Kapitel geht es dann um Berufe und Fertigkeiten, die ein Charakter erlernen kann. Somit liefert das Quellenbuch auch neue Entwicklungsmöglichkeiten für (Spieler-) Charaktere.

Das gesamte Quellenbuch ist in schwarzweiß gehalten und abgesehen von kleineren Fehlern mit hochwertigem Text versehen. Die Illustrationen in Graustufen sind optisch ansprechend aber sehr roh. Das Buch setzt deutlich eher auf Worte als auf Bilder.

Fazit:
Die Meister von Feuer und Stein liefert eine anschauliche und hochwertige Darstellung der Zwergenvölker. Zusammen mit dem Ergänzungsband, der eine eigene Rezension erhalten soll, liefert er einen lebendigen Einblick in die Welt der Zwerge.
Das einzige, was man dem Buch vorwerfen könnte, ist, dass es in vielen Aspekten doch sehr nahe der tolkienschen Vorlage ist. Andererseits: wenn man schon klaut, dann bei den Besten.




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