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Athanor - Geschichten des Nordens
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 22.02.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): Richard A. Jones, Verlag: Infinite Monkeys' Press KG, Seiten: 205, Erschienen: 2009, Preis: 14,90€ bzw. 18,90€


Athanor. Ein äußerst ehrgeiziges, von manchen auch schon im Vorfeld als möglicherweise ruinierend bezeichnetes Projekt dreier Freunde, Bernd, Jan-Marc und Richard. Athanor, das ist eigentlich ein Rollenspiel, das Fantasie und Mittelalter in einer Realität abbilden soll, die es, laut Aussage der Autoren, bisher so nicht gegeben hat. Mit Athanor, Geschichten des Nordens, dem hier vorliegenden Buch, bietet uns das Team eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Einblicke in den nördlichen Teil ihrer erdachten Welt geben sollen. In einer Auflage von 9000 Büchern für die normale Ausgabe und noch mal 1000 Büchern als Sammlerausgabe, taucht schnell wieder der Begriff ehrgeizig auf. Schaut man dann auch noch auf die Homepage des Verlages, tauchen wieder drei bereits bekannte Namen auf, Bernd, Jan-Marc und Richard. Jetzt versteht man sicher auch, wieso viele von einem möglichen Ruin sprechen.

Aber genug vom Hintergrund, es soll hier schließlich um das Buch Athanor, Geschichten des Nordens gehen. Mir lag eine der 9000 normalen Ausgaben des Buches vor und doch möchte ich eigentlich nicht von normal sprechen. Das Buch kommt in schicker Hardcover Lederoptik mit schlichtem silbernem Aufdruck sehr edel daher; Titel und das Markenzeichen der Welt, ein Athanor, ein Destillationsofen, mehr findet sich auf dem Einband nicht. Schlägt man das Buch auf, fällt einem die gute Verarbeitung auf und sogar an ein Lesebändchen wurde gedacht.

Nach dem Inhaltsverzeichnis, das uns 21 Kurzgeschichten mit Längen zwischen vier und 30 Seiten verspricht, steigt der Prolog direkt in die Hintergründe des Buches ein. Denn auch wenn Richard A. Jones als weltlicher Autor des Buches gilt, hat im Norden Athanors der Gnom Gemmar Glimmerstein die Geschichten gesammelt und das Buch geschrieben. Seine Sammlung beinhaltet im Anschluss an den Prolog Geschichten über Menschen, verschiedenster Herkunft und mit verschiedensten Lebensweisen, Zwerge, Elfen, Kobolde, Orks, Oger, Werwölfe, Vampire und natürlich Gnomen, auch wenn diese Geschichte, die den Abschluss bildet, erst nach dem Druck des Werkes spielt. Jede Kurzgeschichte hat einen Protagonisten und jeder dieser Protagonisten trifft Entscheidungen oder wird zu Entscheidungen gezwungen, die sein Leben ändern werden.

Alle Kurzgeschichten möchte ich natürlich nicht vorstellen aber einige möchte ich natürlich in knappen Worten wiedergeben. Wir haben die Geschichte eines Offiziers, der seinen Lebensretter hinrichten muss, eben weil dieser Lebensretter mit der Rettung einen Befehl verweigert hat. Wir haben einen Bauern, der bei einem Bogenschützenwettkampf starten will und dabei zum ersten Mal Hof und Dorf verlässt und dabei vieles erlebt, dass sein Weltbild ins Wanken bringt. Wir haben den Kobold, der in die Welt der Menschen geht, um Heldentaten zu vollbringen, Essen und Waffen stehlen, wo er doch schon Angst vor Kühen hat – im übrigen eine wirklich lustige Geschichte. Die Geschichte eines Werwolfs, der Vampire jagt und die Geschichte eines Vampirs, der vom Werwolf aus der Geschichte vorher gejagt wird, zwei Ansichten auf eine Sache, äußerst gelungen. Es gibt Geschichten über Kämpfe, über Massaker, über Hexenjagden und Schatzsuchen, Menschen die Wahnsinnig werden oder geworden sind und vieles mehr. Es ist also für alle etwas dabei und auch wenn man das eine oder andere so oder so ähnlich schon einmal gelesen hat, gibt es doch immer wieder erfrischende Inhalte und teilweise doch überraschende Enden. Im Epilog meldet sich dann der weltliche Autor noch mal zu Wort und verspricht weitere Geschichtsbände, wobei ich mich frage, was da noch Neues kommen kann, und natürlich das Rollenspiel. Auch ein Dank an all die, die an dem Buch in engerem und im weiteren Sinne beteiligt waren fehlt nicht.

Handwerklich sind die Geschichten gelungen, grobe Schnitzer gibt es nur in einer Geschichte, eben jener, die Vorweg als Vorstellung zu Athanor veröffentlich wurde, "Eine goldene Zukunft", in der ein Bauer eigentlich kein Geld hat, sich aber dann eine komplette Nacht hemmungslos betrinkt. Dazu wurde aber in den verschiedensten Foren schon viel geschrieben. Diese Geschichte darf aber nicht als Wegweiser für alle Geschichten gelten und da auch diese Geschichte ein überraschendes Ende hat, wird der Schnitzer sowieso wieder wettgemacht. Rechtschreibfehler habe ich keine gefunden, da hat ein Lektor vor Veröffentlichung gute Arbeit geleistet. Leider habe ich in den Kurzgeschichten nicht wirklich gefunden, wofür das Rollenspiel als solches stehen wird. Da es so viele unterschiedliche Geschichten und damit so viele Erlebnisse für die Protagonisten gibt, kann das Rollenspiel für alles stehen.

Fazit: Alles in allem ist Athanor, Geschichten des Nordens nicht nur ein edles Buch sondern auch noch handwerklich gut gemacht. Spannende, traurige, lustige und erschreckende Geschichten, Schicksale und Erlebnisse werden anschaulich beschrieben und der Norden Athanors bekommt mehrere Gesichter. Dass es für alle Himmelsrichtungen noch Bücher geben soll, ist einerseits erfreulich, andererseits stellt sich mir die Frage, was kommt denn da noch alles an Neuem. Für das kommende Rollenspiel bleiben viele Fragen offen und da wird man wohl erst nach einem Preview oder gar erst nach dem Erscheinen des Regelwerks genaueres sagen können.




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