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Hellboy 5: Die rechte Hand des Schicksals
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 15.12.2009, Serie: Comics, Autor(en): Mike Mignola, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 165, Erschienen: 2006, Preis: 19,80 €


Der fünfte Band der Serie um den roten Teufel ist erneut eine Sammlung von Kurzgeschichten, die drei Lebensabschnitte in Hellboys Leben darstellen. Abgeschlossen wird das Hardcoverbuch jedoch wieder mit einer längeren Geschichte, die deutlich in der Tradition Mignolas steht.

Der erste Teil des Buches widmet sich den jungen Jahren Hellboys: In "Pfannkuchen" erfährt der Leser auf nur zwei Seiten treffend, wie irdische Gaumenfreuden die Menschheit retten. In "Die Natur des Tieres" trifft Hellboy mal wieder auf eine alte Sagengestalt, die ein weiteres Rätsel um sein Wesen aufwirft. "König Void" ist eines der Highlights des Bandes, ja eigentlich der ganzen Serie um den Helden in rot. In dieser Geschichte verschmelzen diverse nordische Sagen zu einem Konglomerat aus Mystik, Pflicht und Gier – ganz ausgezeichnet!

Teil zwei behandelt die mittleren Jahre: In der ersten Geschichte dreht sich alles um "Köpfe" und Hellboy zeigt mal wieder, wie man Dämonen ganz unkonventionell zur Strecke bringt. "Leben Sie wohl, Mister Tod" dient erneut als kleiner Appetithappen. Hellboy wird auf ein Anwesen gerufen, in dem ein Medium ein wenig über sein Ziel hinaus geschossen ist. "Red" löst den Fall, tut es dem Medium aber gleich. "Der Vârcolac" dreht sich um ein Hirngespinst der besonderen Art. Auch diese Geschichte ist sehr knapp gehalten, dafür aber umso schneller gelöst.

Teil drei trägt den Namen des Bandes, "Die rechte Hand des Schicksals". Die einleitende Geschichte heißt genauso. Hellboy wird durch ein Schriftstück einen weiteren Schritt an seine wahre Bestimmung, die er eigentlich gar nicht erfahren möchte, herangeführt. Wie immer kümmert es ihn in keiner Weise.
Die letzte und abschließende Geschichte ist zugleich die längste. "Die Truhe des Bösen" ist ein Gefäß, in dem der Sage nach der Teufel selbst festgehalten wird. Als sie aus den Mauern eines alten Anwesens samt einem alten Artefakt verschwindet, sieht sich die B.U.A.P. zum Handeln gezwungen. Hellboy gelangt an die Abgründe seiner selbst und bekommt Hilfe ganz ungeahnter Natur. Die Geschichte hat einfach alles und erneut tritt das Genie Mignolas zu Tage. Nicht nur, dass der Plot sehr gut durchdacht ist, es wird auch sowohl durch die recht spärlichen Dialoge, als auch durch die graphische Gestaltung eine gar unheimliche Atmosphäre geschaffen. Die Art und Weise, wie es Hellboy gelingt sich aus seinem Dilemma zu befreien, stellt die Sahnehaube eines erzählerischen Kuchens dar, der ganz hervorragend mundet. Am Ende ist nichts wie es einmal war…

Dieser fünfte Band stellt einen gelungenen Mix aus sehr knappen und ausführlichen Geschichten dar. Viele der Erzählungen sind nicht mehr als kleine Häppchen, die den Leser aber stets mit einem Schmunzeln zurücklassen. Je weiter man ans Ende des Buches kommt, desto feingliedriger werden die Plots, bis die abschließende Geschichte den Leser bis ins Mark berührt. Passender kann der Abschluss einfach nicht sein. Hellboy muss über einiges nachdenken – der Leser auch. Da kommt der gestalterische Anhang mit Skizzen und einer knappen Abhandlung über die literarischen Einflüsse Mignolas sehr gelegen.

Graphisch spiel auch Die rechte Hand des Schicksals wieder in der ersten Liga. Mignolas Spiel aus Licht und Schatten sowie seiner Detailverliebtheit in Sachen Architektur weiß auf ganzer Linie zu begeistern. Dafür, dass man sich nicht völlig in der Träumerei verliert, sorgt aber Hellboy selbst, wenn er mal wieder im dramatisch unpassendsten Moment die Monologe der Bösewichte unterbricht und Sätze wie "Schwing keine Reden, Arschloch!" einwirft, nur um kurz danach auszuteilen, als gäbe es kein Morgen (was ja meistens auch nicht der Fall wäre, hätte er es gelassen).

Fazit: Was soll man noch zu Hellboy sagen? Mit jedem neuen Band überschlagen sich meine Lobeshymnen und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Serie überzeugt sowohl Liebhaber klassischer Sagen und Legenden, als auch Fans dreckiger Antihelden. Der rote Teufel verbindet so viele Elemente, dass Leserherzen höher schlagen, und hat dabei nicht den geringsten Respekt vor der buckligen Verwandtschaft, was in diesem Fall wirklich wörtlich zu verstehen ist. Ihr wollt eine neue Comic-Serie anfangen - be my guest, Hellboy wartet schon!




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