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The Arrival
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 30.10.2009, Serie: Comics, Autor(en): Shaun Tan, Verlag: Scholastic, Seiten: 128, Erschienen: 2007, Preis: 13,44 €


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – zweifelsohne. Und an dieser Stelle darf behauptet werden: Ein Buch sagt mehr als tausend Sätze. Wie das? Lest selbst – aber bitte ohne Worte.

Ausnahmeautor Shaun Tan hat mit The Arrival eine Graphic Novel geschaffen, die ihresgleichen sucht. Was sie so besonders macht, ist, dass sie völlig ohne Worte auskommt. Nun ja, das ist nicht ganz richtig: Der Leser kann sie nur nicht verstehen.
Die Geschichte behandelt eine Familie, die in ihrer Heimat nicht mehr sicher ist. So tritt der Vater eine Reise in eine ferne Welt an, um dort Arbeit zu finden und eine neue Existenz für die Familie aufzubauen. Das Buch beschreibt, wie er in einer völlig fremden Stadt ankommt, wie er die seltsam neuen Dinge um sich herum wahrnimmt und nach und nach begreift. Seine Suche nach Wohnung und Arbeit wird dadurch erschwert, dass er die fremde Sprache nicht versteht. So versucht er sich mit Händen und Füßen mitzuteilen. Der Weg des Mannes ist sehr beschwerlich, er wird missverstanden und ausgebeutet, während er in Sehnsucht nach seiner Familie fast vergeht…

The Arrival steht dabei stellvertretend für das Leben vieler Menschen, die gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen. Dies abstrahiert das Buch, indem es die für den Mann fremden Dinge auch für den Betrachter verfremdet. Die fremde Schrift, fremdes Essen und Tiere, fremde Transportmittel und fremdes Geld, alles wirkt dermaßen skurril, dass es dem Leser gelingt, sich ohne Mühe in die Situation des Mannes hineinzuversetzen.

Die Ausarbeitung des kompletten Buches ist von allerhöchstem Niveau. Der Einband wirkt wie abgegriffenes Leder, das Bild wurde separat aufgeklebt. Die Zeichnungen sind allesamt mit Bleistift angefertigt, wobei das Papier an manchen Stellen den Eindruck von Pergament macht. Dies verdeutlicht die lange Arbeitszeit des Autors von vier Jahren!

Fazit: Selten hat ein Buch den Autor dieser Zeilen so bewegt. Obwohl kein einziges Wort gesprochen wird, bewirken die Gesten und Geschehnisse, dass sich der Betrachter sofort in den Protagonisten hineinversetzen kann. Die Graphic Novel ist somit auch ein perfektes, originelles Geschenk für Personen, die eigentlich nichts mit dieser Art von Literatur anfangen können.

P.S. Das Buch gibt es unter dem Titel Ein neues Land auch auf Deutsch. Dabei darf man sich mit Recht die Frage stellen, warum man ein Buch übersetzt und zum doppelten Preis anbietet, in dem kein einziges Wort gesprochen wird.




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