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Wege des Meisters
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 20.11.2009, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Florian Don-Schauen et al., Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 204, Erschienen: 2009, Preis: 30,00 Euro


Die "Wege der/des"-Reihe der aktuellen Version von Das Schwarze Auge als komplettes Grundregelwerk, hat alles, was man regeltechnisch gesehen zum Spielen des beliebtesten Rollenspiels der Bundesrepublik benötigt. Doch mit diesen Regeln ist natürlich noch längst nicht alles abgedeckt, was das System erstrebenswert macht. Dazu gehören auch rollenspielerische Fähigkeiten und das betrifft besonders den Spielleiter.
Sozusagen als zusätzliches Grundregelbuch, das (beinahe) keine weiteren Regeln beinhaltet, ist deshalb nun Wege des Meisters erschienen. Dieses behandelt praktisch alle wichtigen Themen des Spielleitens, sowohl im Allgemeinen als auch speziell für Das Schwarze Auge. Dabei wendet es sich an Spielleitereinsteiger ebenso wie an bereits erfahrene Meister.

Den Anfang macht das Buch somit mit einer kurzen Abhandlung dazu, warum und wie man als unerfahrener Meister in die Rollenspielpraxis des Spielleitens einsteigen kann. Die Abhandlung ist eher kurz geraten, vermutlich um bereits erfahrene Meister nicht durch den Verbrauch vieler Seiten zu stören. Sie liefert aber eine brauchbare Grundlage, auf der man den Rest des Buches nutzen kann.
Direkt im Anschluss findet sich eine zusammenfassende Abhandlung über anerkannte Rollenspieltheorien (GNS-Modell) und die verschiedenen Spielertypen, sowie deren Vereinbarkeit um Spieltisch. Auch hier scheint die Idee zu sein, eine Grundlage zu liefern, die im Rest des Buches immer wieder aufgegriffen werden kann.

Nach dieser kurzen Grundsteinlegung geht Wege des Meisters direkt in medias res und beschäftigt sich als erstes mit der Frage, welche Helden eine Spielgruppe braucht, auf welche sie ganz gut verzichten kann und wie man als Meister damit umgehen sollte, ohne die Spieler zu sehr in ihrer Wahlfreiheit einzuschränken. Dabei werden verschiedene Sorten von Heldengruppe vorgestellt und auch Spannungen innerhalb der Gruppe behandelt. Besonders die Abhandlung über den Umgang mit Problemhelden könnte für Anfängermeister wichtig sein, geht sie doch sowohl auf allgemeinen Problemfiguren (z.B. Helden, die nicht mit dem Rest der Gruppe kooperieren) als auch auf DSA-spezifische Störenfriede (z.B. sozial unverträgliche Schelme) ein.

Das nächste Kapitel stellt das längste des gesamten Werks dar. Am Spieltisch - die Praxis der Spielleitung umfasst das gesamte Spektrum des Meistern. Sei es nun der richtige Umgang mit den Spielern, Darstellung der Spielwelt oder Improvisation während des Spiels, das Kapitel deckt alle praktischen Belange ab, die sich während des Spielgeschehens ergeben. Es ist dabei sehr ausführlich und gibt vor allem unerfahrenen Spielleitern hilfreiche Hinweise. Leider ist das sehr lange Kapitel, das wiederum in viele Unter- und Unterunterkapitel zerfällt, stellenweise recht unordentlich aufgebaut. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, den Inhalt auf mehrere Kapitel aufzuteilen.

Das nächste Kapitel beschäftigt sich damit, wie der Meister Abenteuer aus Kaufabenteuern einsetzt und wie er eigene schreiben kann. Neben generellen Anregungen dazu, wie man sich komplexe Handlungsstränge ausdenken kann, wird dem geneigten Spielleiter erklärt, wie er seinen Abenteuern mit der offiziellen Metahandlung Aventuriens im Einklang hält. Insofern liefert das Kapitel sowohl allgemeine Anhaltspunkte als auch spezielle Vorschläge zum Schwarzen Auge. In seiner Nützlichkeit ist das Kapitel dagegen recht durchwachsen. Während es einige wirklich sinnvolle Hinweise liefert, erklärt es an manchen Stellen auch absolute Offensichtlichkeiten.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich kurz und knapp mit den regeltechnischen Aspekten des Spiels. Darin wird zunächst ein optionales Schicksalspunktsystem vorgeschlagen, mit dem die Spieler Einfluss auf den Spielverlauf nehmen können. Anschließend wird die höhere Mathematik hinter dem Talentsystem angerissen, um dem Spielleiter zu ermöglichen, die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs abzuschätzen.

Den Abschluss des Buchs bildet eine Sammlung mit Zufallstabellen, mit denen der Spielleiter zufällige Elemente in sein Spiel einbauen kann. Diese sind dabei vor allem auf Spielbarkeit ausgelegt. Die Altersverteilung einer mittelalterlichen Gesellschaft wird zum Beispiel bewusst ignoriert, damit nicht die meisten Nichtspielercharaktere als Kinder ausgewürfelt werden.

Wege des Meisters ist sehr angenehm zu lesen und sympathisch geschrieben. Der Stil unterscheidet sich deutlich von anderen Publikationen zum Schwarzen Auge. So ist es nicht durchgehend geschrieben, sondern man kann jedes Kapitel und jeden Abschnitt gut für sich lesen. Da die Autoren sich nicht immer einig waren, sind oft Kästen eingebaut, in denen ein Autor eine andere Ansicht als die im Fließtext äußert. Dieser ist zudem recht oft mit Popkulturanspielungen durchsetzt. Hinzu kommen eingestreute Dork Tower-Comics, um geschilderte Aspekte humorvoll zu verdeutlichen.
Die übrigen Illustrationen des Buchs sind hochwertig und deutlich ernsthafter gehalten. Dabei handelt es sich immer um Motive innerhalb Aventuriens, was bei einer Abhandlung über das Meistern am Spieltisch nicht immer ganz passend ist.

Fazit: Wege des Meisters ist ein sehr untypisches DSA-Produkt, das sich deshalb sowohl für aventurische Meister als auch generell für Spielleiter eignet. Besonders Leute, die mit dem Spielleiten anfangen wollen, werden hier viele hilfreiche Anregungen finden.




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