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Artefakt #24
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 12.04.2010, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Joachim A. Hagen, Christoph Schubert, Lars Gawronski, Verlag: Förderkreis innovatives Spiel e.V., Seiten: 56, Erschienen: 2009, Preis: 4,00 Euro


Ich bin schon länger ein Fan des Artefakt. Es gibt leider nur noch wenige Fanzines der alten Schule, die weiterhin in Papierform erscheinen statt als digitales pdf-Dokument. Der Förderkreis innovatives Spiel e.V. nimmt aber die Mehrkosten offenbar weiterhin auf sich, um seinen Mitgliedern (und den außenstehenden Käufern) etwas Handfestes zu bieten.

Die vorliegende Ausgabe 24 bietet wieder einen bunten Themen-Querschnitt durch die Rollenspiel-Welt. Nach einigen Rezensionen und einem kurzen Interview mit dem Autor des direkt im Anschluss befindlichen Abenteuers geht es gleich mit spielbarem Material los: Das Tal der Schatten, Teil 2 der Kurz-Kampagne Blood Red Mountain für Deadlands.
Dieses Szenario zeigt bereits den Weg, den auch andere Artikel dieser Ausgabe gehen: die Grundideen sind solide und interessant, die Ausarbeitung lässt jedoch ein wenig zu wünschen übrig. Viele der enthaltenen Ideen hätten noch etwas besser ausgearbeitet werden können, auch das Lektorat hätte besser sein können.
Besonders unbefriedigend fand ich die Tatsache, dass der geplante dritte Teil der Kampagne laut Aussage im Abenteuer nicht erscheinen wird, weil die Spielercharaktere des Autors am Ende des Abenteuers die Welt zerstört haben. Für die eigene Kampagne zuhause mag das ausreichend sein, für einen Artikel in einem Magazin finde ich eine Aussage wie "Da muss sich der Spielleiter selbst etwas einfallenlassen." doch recht schwach.
Ein nun folgender Artikel über Superhelden-Rollenspiele ist mit einer Seite ganz klar zu kurz ausgefallen, um mehr als ein Zwischenruf zu sein.
Das folgende Abenteuer Der Rote Tod für Kult oder Cthulhu spielt im Wien der Jetztzeit, könnte aber über weite Strecken auch woanders spielen. Unangenehm fiel mir außerdem auf, dass die Namen der beteiligten Personen einander leider sehr ähneln, so dass ich ständig zurück blättern musste, um nachzusehen, wer denn nun wer war. Ansonsten aber ein gelungenes Abenteuer.
Nach einem kurzen Artikel über Comics (okay, aber nichts Besonderes) und einem Bericht über den vereinseigenen OST-Con 2009, folgt noch ein außergewöhnlicher Artikel: ein LARP-Szenario für Fans der Fernsehserie Firefly bzw. des Films Serenity.
Auf einer einsamen Raumstation, die in Kürze von der Allianz (den "Bösen" dieser Welt) geschlossen werden soll, haben sich eine Reihe mehr oder weniger zwielichtiger Gestalten versammelt, die nun versuchen müssen, von der Station zu entkommen, aber teilweise vorher noch andere Dinge zu erledigen haben.
Ein interessanter Artikel, mit gut aufeinander abgestimmten Charakteren und sogar einem kurzen Regelwerk, so dass man bei Bedarf alles nachspielen kann. Wenn man den angehängten Spielbericht als Maßstab nimmt, kann es dabei nett chaotisch zugehen.
Etwas bizarr wirkt bisweilen nur die Bebilderung des Szenarios, die offensichtlich aus Schnappschüssen der Veranstaltung besteht. Und bei einer "Raumstation", die das bauliche Flair einer Siebziger-Jahre-Jugendherberge verströmt, und Spielern, die teilweise in normalen Straßen-Klamotten herum laufen, wirken manche Bilder durchaus unfreiwillig komisch. Aber Schwamm drüber, davon abgesehen ist das Abenteuer wirklich gelungen!
Die letzten zwei Seiten dieser Ausgabe bestehen aus einem Artikel über das Entwerfen von Geschichten, der einige gute Grundgedanken aufwirft. Leider ist der Text für mehr als Basisinformationen zu kurz (soll aber wohl in den nächsten Ausgaben fortgesetzt werden), und an einigen Stellen würde ich ihm zudem vehement widersprechen (aber das ist wohl auch Geschmackssache).

Fazit: Die Ausgabe 24 des Artefakt ist kein poliertes Hochglanz-Heft wie beispielsweise Cthuloide Welten oder Mephisto, auch wenn es von den Artikeln her in ähnlichen Bereichen unterwegs ist. Das Fanzine hat aber bereits einen weiten Weg von seinen eher primitiven Anfängen bis heute hinter sich gebracht, und die schwarz-weiße Optik und das Layout genügen normalen Ansprüchen an Lesbarkeit und Aussehen.
Wer also sein Fanzine auch mal etwas rauer und ungeschliffener mag, der sollte sich diese Ausgabe des Artefakt ansehen und wird sicher auf die eine oder andere wirklich gelungene Idee stoßen.




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