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The Umbrella Academy Vol. 2: Dallas
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 16.10.2009, Serie: Comics, Autor(en): Gerard Way, Gabriel Bá, Verlag: Dark Horse Comics, Seiten: 192, Erschienen: 2009, Preis: 12,22 €


Eine außergewöhnliche, neue Serie geht in ihre zweite Runde. Mit Apokalypse Suite schlug Umbrella Acedemy ein wie eine Bombe. Sehnsüchtig erwarten Fans den zweiten Band. Hier ist er!

Und soviel darf vorab gesagt werden: Es geht noch besser. Nach dem Desaster um das schwarze Schaf der Familie, Vanya, hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, Spaceman wird im Keller des völlig zerstörten Anwesens fetter und fetter, Rumor kann immer noch nicht wieder sprechen und Kraken will das alles nicht mit ansehen. Während Seance dem Ruhm um seine Heldentat aus dem ersten Band genießt und in sein fahles Outfit tatsächlich etwas Farbe bringt, ist Number 5 auf der Flucht. Und noch immer fragt sich der Leser: Vor wem eigentlich? Band 1 hat uns mit einigen Fragen zurück gelassen; sie sollen nicht unbeantwortet bleiben.
Aber zurück auf Null. Wir finden uns in der Kindheit der Superhelden-Familie wieder. Und irgendwie haben sie es erneut geschafft, ein Nationalsymbol gegen sich aufzubringen. Als die Situation zu eskalieren droht, zeigt Rumor endlich, zu was sie fähig ist. Dieses kleine Mädchen hat es faustdick hinter den Ohren. Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie eine Schlacht entscheidet. Ganz woanders schlägt sich Number 5, der klein gebliebene Junge, mit einer Horde dubioser Gasmaskengesichter herum – was für eine Sauerei. Und je öfter sich das Mitglied versteckt, desto mehr erfährt der Leser über seine mysteriösen Gründe. Er ist ein Getriebener zwischen Raum und Zeit. Er flieht vor seinem Schicksal und vor sich selbst. Klar, dass sich seine Geschwister da einmischen müssen. Es entsteht eine wilde, blutige Jagd durch die Welt und durch die Zeit, bis in das Jahr 1968, als kein geringerer als J.F.K. erschossen wurde.

Es gibt wenige Comics, die man in einem Zug durchliest und sich wünscht, sie mögen niemals enden. Dieser hier ist eines dieser raren Fundstücke. Die sehr realen Zeichnungen in ihrer surrealen Umgebung bilden den perfekten Rahmen für einen Geschichte, die sich ständig dreht und dreht und dreht, wie ein Karussell. Wenn die Fahrt nicht so gut wäre, würde man kotzen.
Autor Gerard Way beweist ein Feingefühl für Tennenbaum’sche Absurditäten und gibt ordentlich Tarantino dazu. Gabriel Bá pinselt diese Teufelsmischung aufs Papier. Nur so kann man es sich erklären, dass Charaktere wie Hazel und Cha Cha entstehen: Von Fuß bis Kopf korrekt gekleidet, darüber Köpfe aus den Träumen eines drogensüchtigen Sponge-Bob Zeichners, lassen Autor und Zeichner die Geschichten von "Happy Tree Friends" wie Einschlaffilmchen für Minderjährige erscheinen.

Als Bonus gibt es wieder reichlich Material im Anhang. Zum einen wird eine weitere Kurzgeschichte geboten, die Kraken und Vanya in ihrer punkigen Zeit beschreiben. Zum anderen gibt es Sketches und alternative Cover.

Fazit: Für mich ist Umbrella Academy ohne Zweifel schlichtweg die beste neue Comic-Serie der vergangenen Jahre. Sie ist frisch, humorvoll, aber auch voller Tragik. Nichts ist zu absurd, als dass es nicht geschehen würde. Das Ende kommt nur allzu früh, aber es passt und hallt noch lange nach. Absoluter Kaufbefehl!

P.S. Wer Comics lieber in seiner Muttersprache liest, muss sich noch ein wenig gedulden. Cross Cult arbeitet, wie schon beim ersten Band, an einer Übersetzung.




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