Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Gesellschaftsspiele » Brettspiele » Pandemie

Pandemie
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 25.10.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Matt Leacock, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2009, Preis: 34,95 Euro


Bei der Entwicklung des Spieles hat der Autor sicherlich noch nicht daran gedacht, wie aktuell heute sein gewähltes Thema ist. Denn bei Pandemie geht es darum, dass die Spieler gemeinsam für vier auf der Welt ausgebrochene Seuchen Gegenmittel finden müssen, bevor sich diese zu weit ausbreiten – und das geschieht leider schneller als man denkt.

Der große Spielplan zeigt eine Karte der gesamten Welt mit einigen Städten und Verbindungen dazwischen. Interessant ist, dass von Deutschland nur die Stadt "Essen" vertreten ist. Zufall?
Jeder Spieler übernimmt eine bestimmt Rolle. Hierzu werden die fünf Rollenkarten gemischt und je eine an die teilnehmenden Spieler ausgeteilt. Jede Rolle hat im Spiel eine besondere Fähigkeit. Jeder Spieler erhält eine Spielfigur in der entsprechenden Farbe und stellt diese auf Atlanta. Dorthin kommt auch eines von den sechs Forschungslaboren. Die restlichen werden erst mal zur Seite gelegt. Die Spielerkarten zeigen eine Stadt in einer der vier Epidemiefarben. Nebenbei enthalten sie ein paar Informationen über den entsprechenden Ballungsraum. Diese Karten werden gemischt und je nach Spielerzahl an jeden Spieler zwei bis vier Karten verteilt. Anschließend werden nach einem festen System je nach gewünschter Schwierigkeit vier, fünf oder sechs Epidemiekarten darunter gemischt und als Zugstapel auf den Spielplan gelegt. Die Infektionskarten kommen ebenfalls gemischt auf den Spielplan. Dann werden davon neun Karten gezogen, welche die ersten Ausbrüche festlegen. Auf die entsprechenden Städte kommen ein bis drei Seuchenwürfel der angezeigten Farbe. Außerdem werden auf dem Spielplan noch diverse Marker verteilt.

Jeder Spielzug eines Spielers besteht aus:
- 4 Aktionen ausführen
- 2 Spielerkarten ziehen
- Den Überträger spielen

Bei "Aktionen ausführen" kann ein Spieler von einer Stadt zu einer angrenzenden ziehen oder zu einer Stadt fliegen, sofern er eine entsprechende Karte auf der Hand hat. Dabei darf der Spieler mit der Rolle "Logistiger" auch andere Spielfiguren bewegen. Als besondere Aktionen kann ein Forschungslabor in einer Stadt errichtet werden. Dazu benötigt der Spieler – bis auf den "Betriebsexperten - auch wieder die entsprechende Karte. Hat ein Spieler fünf Karten derselben Farbe auf der Hand und befindet sich bei einem Forschungslabor, kann er das entsprechende Gegenmittel entdecken. Der "Wissenschaftler" benötigt dafür nur vier Karten. Befindet sich ein Spieler in einer verseuchten Stadt, darf er pro Aktion einen Seuchenstein entfernen. Der "Arzt" entfernt alle Steine einer Farbe. Wurde für eine Seuche ein Gegenmittel entdeckt und der letzte Seuchenstein davon vom Spielplan entfernt, gilt diese Seuche als ausgerottet und kann nicht mehr auftauchen. Befinden sich zwei Spieler in einer Stadt und hat einer davon die entsprechende Karte, darf diese dem anderen übergeben werden. Die "Forscherin" darf jede beliebige Karte weitergeben. Alle Aktionen dürfen mehrmals und in beliebiger Reihenfolge ausgeführt werden.
Danach zieht der Spieler zwei Karten vom Spieler-Zugstapel nach und muss im Anschluss seine Handkarten auf sieben reduzieren. Unter den Spielerkarten gibt es auch Ereigniskarten, die besondere kostenlose Aktionen erlauben. Wird eine Epidemiekarte gezogen, erhöht sich die Infektionsrate, eine neue Stadt wird mit drei Seuchensteinen infiziert und der Infektions-Ablagestapel wird neu gemischt und auf den Infektions-Zugstapel gelegt.
Als letztes erfolgt die Übertragung von Seuchen. Hierzu zieht der Spieler entsprechend der Infektionsrate zwei bis vier Karten vom Infektionsstapel. Auf die abgebildete Stadt kommt jeweils ein Seuchenwürfel der entsprechenden Farbe. Befinden sich in dieser Stadt bereits drei Seuchenwürfel dieser Farbe, kommt es zu einem Ausbruch und es muss ein Stein in jede angrenzende Stadt gelegt werden, was zu einer Kettenreaktion führen kann, wenn sich dort auch bereits drei Steine dieser Farbe befinden.

Das Spiel endet entweder mit dem Sieg für alle Spieler, wenn alle vier Gegenmittel entdeckt wurden oder mit einer Niederlage für alle, wenn von einer Farbe alle Steine auf dem Spielbrett liegen, acht Ausbrüche stattgefunden haben oder Spieler-Zugstapel aufgebraucht ist.

An dem Spielmaterial gibt es nichts auszusetzen. Es ist alles von guter Qualität und funktionell gestaltet. Einzig, dass die Spielerfiguren normale Pöppel sind, ist etwas schade. Da gibt es heutzutage schönere Figuren.
Schön ist, dass das Spiel mit jeder Spielerzahl von zwei bis vier spielbar ist, ohne dass bei der Spielvorbereitung besondere Anpassungen notwendig sind. Trotzdem wird es weder leichter noch schwerer. Bei zwei Spielern braucht man vielleicht etwas länger, bis man fünf Karten einer Farbe zusammen hat, dafür hat man aber auch länger Zeit.
Abwechslung von Spiel zu Spiel entsteht durch die immer wieder neu zusammengestellten "Rollen" im Spiel. Ansonsten läuft das Spiel immer gleich ab. Rücken, Seuche behandeln, Gegenmittel entdecken und Seuche auslöschen. Dabei müssen die Spieler ab und zu mal Karten tauschen und sich natürlich absprechen. Auch ist das Spiel dadurch vom Zufall gesteuert, wann und wo sich eine Seuche vermehrt und wie heftig die Kettenreaktion darauf ist. Somit reduziert sich Pandemie etwas auf ein Zug-Optimierungsspiel bei dem nicht so recht eine themenbezogene Atmosphäre aufkommen will.
Das Besondere an Pandemie ist die Ausbreitung der Seuchen. Dadurch, dass bei einer Epidemie die bereits gezogenen Infektionskarten gemischt und wieder oben auf den Nachziehstapel kommen, verbreiten sich die Seuchen hauptsächlich in den bereits infizierten Gebieten.

Fazit:
Pandemie ist ein kooperatives, handwerklich einwandfreies Spiel mit einem originellen Kartenmechanismus zur Ausbreitung der Seuchen. Ansonsten gilt es die Züge der Spieler zu optimieren und Karten zu sammeln bis alle Gegenmittel gefunden sind, worunter leider etwas die Atmosphäre leidet.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.