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Modern Art
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 29.10.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Reiner Knizia, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2009, Preis: 29,95 Euro


Modern Art, aus der Schmiede des geflügelten Pferdes, kommt optisch wie ein Brettspiel daher, ist aber faktisch ein Kartenspiel. Die Spieler schlüpfen in die Rolle exzentrischer Kunsthändler, die auf Auktionen Bilder kaufen und verkaufen.

Wenn wir die große, grüne Box öffnen, fallen uns erst einmal 70 Gemäldekarten auf, die sich neben 93 Geldchips, fünf Sichtschirmen, 12 Wertungsplättchen und einem "Spielplan" gruppieren. Ein Wort soll gleich zu Anfang noch zur Box gesagt werden: Sie sieht wirklich aus, wie ein Kunstmuseum. Den Boden zieren kleine, grüne Kacheln und an den "Wänden" hängen Bilder. Ein zweiter "Raum" ist separat abgetrennt. Leider ist dieser Platz um einen Zentimeter zu klein, sonst würden die Karten zur Aufbewahrung exakt hineinpassen. Aber nun zum Spiel.

Das Prinzip ist einfach und schnell erklärt. Jeder der drei bis fünf Spieler bekommt eine vorbestimmte Anzahl an Karten. Auf diesen sind Bilder, die den fünf Künstlern Nex, Bahut, Barmoir, Sadland, Koriko zugeordnet werden können. Diese Maler sind fiktiv, widmen sich in ihrem Werken aber unterschiedlichen, bekannten Stilrichtungen. Ein Symbol in den Ecken der Karten bestimmt die Art der Auktion.

Und diese geht so: Reihum werden Gemälde verhökert. Dazu legt ein Spieler eine Karte aus seiner Hand in die Mitte. Das Symbol zeigt an, wie weiter verfahren wird:
- Kreuz und quer: Jeder darf bieten, wann er will.
- Einmal reihum: Es wird einmal im Uhrzeigersinn geboten.
- In die Faust: Die Spieler nehmen einen Betrag in die Faust und decken ihn gemeinsam auf.
- Preis ansagen: Der Auktionator bestimmt einen Preis – reihum müssen die Spieler entscheiden, ob sie das Bild zu diesem Preis kaufen wollen, oder nicht. Kauft keiner, muss es der Auktionator nehmen.
- Noch eine Karte: Ein weiteres Gemälde des Künstlers wird zusätzlich versteigert. Dieses zeigt die Art der Auktion an.

Das Geld, das man während des Spiels hinter seinem Sichtschirm verbirgt, geht dabei immer an den Auktionator, also an den Spieler, der die Karte in die Mitte gelegt hat. Kauft dieser selbst das Bild, geht das Geld an die Bank. Gibt keiner ein Gebot ab, bekommt der Auktionator das Bild umsonst (außer bei Preis ansagen).

Wenn das fünfte Bild eines Künstlers ausgespielt wird, endet die Runde sofort und es kommt zur Abrechnung:
Auf dem Spielplan sind von links nach rechts alle fünf Künstler noch einmal mit ihren Werken abgebildet. Von oben nach unten ist das Brett in vier Runden eingeteilt. Der Künstler, dessen Bilder am meisten verkauft worden sind, bekommt ein 30er-Wertungsplättchen für die erste Runde. Der dahinter die Nummer 20 und der dritte die 10. Alle Bilder der Spieler werden verkauft und sie bekommen den Betrag pro Karte, wie auf dem Spielbrett angezeigt. Dann geht der Spaß von neuem los. Nach der zweiten Runde addieren sich die Werte auf dem Spielplan, aber nur, wenn auch dieselben Künstler erneut vorhanden sind.
Erreichte Nex z.B. in der ersten Runde 30 Punkte und in der zweiten 10, sind seine Bildern nun je 40 Punkte wert. Kam er in der zweiten Runde aber nicht zum Zug, bleibt es bei den 30 Punkten, die aber diesmal nicht ausgezahlt werden. Das heißt, bekommt ein Künstler in der Runde kein Wertungsplättchen, da seine Bilder einfach nicht begehrt genug waren, werden sie kostenlos an die Bank gegeben. Bekäme Nex in der dritten Runde aber wieder eine Wertung, könnte man diese mit dem ersten Wert verrechnen.

Was kompliziert klingen mag, ist es mitnichten. Prinzipiell werden einfach nur jede Runde Karten in die Mitte gespielt, diese dann versteigert, am Ende gezählt, welcher Künstler die meisten Gemälde auf dem Tisch hat, und diese dann wieder zu Geld gemacht. In der Dreispielervariante tritt als vierter Spieler ein anonymer Kunsthändler auf, der durch einen Kartenstapel repräsentiert wird. Von diesem wird einfach jede Runde eine Karte aufgedeckt, die zum Fünf-Bilder-Limit zählt. An den Auktionen nimmt er nicht teil.

Das Spiel kann klar durch seine optische Gestaltung überzeugen. Kunstfans werden ihre wahre Freude haben. Nicht nur, dass die Namen der Maler sehr feinfühlig gewählt wurden, auch die Bilder sind nach gängigen Stilrichtungen gestaltet. Spielbrett, Box, Karten, Geld und Sichtschirme gehen eine wundervolle, graphische Symbiose ein. Dies trägt wesentlich zum Flair bei.
Obwohl man für sich selbst diverse Taktiken festlegen kann und besonders bei Preis festlegen dem handelnden Spieler eine reinwürgen kann, ist das Spiel relativ berechenbar. So kann sich schnell abzeichnen, welcher Künstler in der Runde die Oberhand gewinnen wird. Außer den Aktionen gibt es eigentlich keine weiteren Elemente: Karten spielen – bieten – verkaufen, am Ende folgt die Abrechnung. Eine Zweispielervariante würde das Spiel ebenfalls aufwerten.

Fazit: Modern Art richtet sich deutlich an Familien und Kunstliebhabern. Das Spielprinzip ist einfach und so auch für Kinder schnell zu verstehen, die graphische Gestaltung ist mehr als ansprechend. Vielspieler werden leider schnell den Spaß verlieren, da es einfach zu wenige Variationen im Spielverlauf gibt.




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