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Zum roten Drachen
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 22.09.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Geoff Bottone, Colleen Skadl, Cliff Bohm, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2009, Preis: 14,95 Euro


Vermutlich kennt jeder Spielleiter das Problem (wenn nicht, herzlichen Glückwunsch!): Man hat den Spielercharakteren die Belohnung für das Abenteuer in Form magischer Gegenstände gegeben oder auch nur in Form einer Geldmenge, die nicht durch die Anzahl an Charakteren geteilt werden kann. Schon entbricht eine Materialschlacht, wie sie seit dem Sieg der Roten Armee in Stalingrad nicht mehr dokumentiert wurde. Schließlich will man sich nicht mit 3500 Goldmünzen zufrieden geben, wenn man auch 3501 Goldmünzen haben könnte.
Genau hier setzt die Handlung hinter dem humorvollen Kartenspiel zum roten Drachen ein. Die Spielercharaktere haben gerade das Verlies ausgeräumt und sitzen nun in der Kneipe zu einem Umtrunk. Jetzt geht es für jeden darum, die Anderen in Alkoholleichen zu verwandeln, bevor das eigene Geld aus ist. Wer am Ende noch am Tisch sitzt und bezahlen kann, der hat gewonnen.

Das Spiel verwendet zwei Arten von Karten: die Trink-Mich-Karten und die eigenen Karten. Die Trink-Mich-Karten sind für alle Spieler da und stellen eine Bandbreite gewöhnlicher und weniger gewöhnlicher Getränke dar. Damit kann man sich den Abend versüßen. Das Besondere an dem Spiel zum roten Drachen sind jedoch die Karten, aus denen die Spieler ihre Handkarten ziehen. Jeder der Spieler hat nämlich ein eigenes Kartendeck, das die Möglichkeiten des Charakters widerspiegelt, den er in dem Spiel übernimmt.

Am Tisch sitzen, trinken und zocken zusammen:
Die elfische Priesterin heißt Deirde, die Hilfe von ihrer Göttin bekommt, aber leider wenig verträgt. Die launische Kriegerin Fiona, die vor allem körperlich trumpft, jedoch wenig Raffinesse aufweißt. Der Halblingschurke Gerki setzt da doch eher auf Mogeln, wobei er sich besser nicht erwischen lassen sollte. Als letztes Mitglied der Runde findet sich der Zauberer Zot mit seinem psychotischen, saufenden Kanninchenvertrauten namens Pooky, der der nur unwesendlich ungefährlichere kleine Bruder des Killerkanninchens aus die Ritter der Kokosnus zu sein scheint.
Die Fähigkeiten der einzelnen Figuren sind durch die jeweils individuelle Zusammenstellung der Aktionskarten dargestellt. Damit kann man dann um Geld zocken, oder viele andere nützliche Effekte können nutzen, die beispielsweise den Alkoholgehalt oder die Trinkfestigkeit verschieben können. Dabei sind die Decks der verschiedenen Spielercharaktere relativ gut ausgewogen, was auch an dem klaren Glücksfaktor in dem Spiel liegt.
So können problemlos alle Figuren gewählt werden. Die Decks ergänzen sich teilweise sogar sehr sinnvoll, weshalb zum roten Drachen am besten zu viert gespeilt wird, wenn es auch mit zwei oder drei Personen spielbar ist.

Im Verlauf des Spiels verschieben sich im Endeffekt drei Werte: die Anzahl an Goldmünzen, die man noch hat, der eigene Alkoholpegel und die eigene Trinkfestigkeit.
Gold bekommt man vor allem durch das Abzocken von anderen Spielern, verlieren kann man es aber auch, indem man eine neue Runde Getränke kauft. So muss die Runde irgendwann enden, weil alles Gold ausgegeben wurde.
Den Alkoholpegel trinkt man sich an, er kann aber auch durch Aktionskarten verschoben werden. Letzteres gilt auch für die Trinkfestigkeit.
Wenn jemand kein Gold mehr hat oder sein Alkoholpegel seine Trinkfestigkeit erreicht hat, so scheidet er aus der Runde aus. Der Letzte, der noch steht/sitzt, hat gewonnen.

Das Spielmaterial ist größtenteils hochwertig gefertigt. Nur die Pappmünzen wirken etwas seltsam, können aber natürlich leicht gegen 10-Cent-Münzen oder Ähnliches ausgetauscht werden. Die Karten sind gut und oft auch komisch illustriert. Die oft zwanghaft lustigen Namen der Karten sind leider nur dann wirklich zum lachen, wenn die Spielrunde mit der Spielercharakterrunde mitsäuft.

Fazit: Das Kartenspiel zum roten Drachen beantwortet nicht nur die Frage, was eigentlich nach einem Dungeon Crawl passiert, sondern macht auch Freude und liefert Spielspaß über die witzige Anfangsidee hinaus. So richtig lohnt es sich allerdings erst, wenn man es auch zu viert spielt.




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