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Atlan - Ceres am Abgrund
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 02.11.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Manfred H. Rückert, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 343, Erschienen: 2009, Preis: 9,00 Euro


"Im Weltall nichts Neues!"

Raumalarm im Solsystem! Ungewöhnliche Hyperimpulse aus der Tiefe des Alls treffen auf den eigentlich unbedeutenden und eisigen Zwergplaneten Ceres. Eine potentielle Gefahr in unmittelbarere Nachbarschaft zur Erde, das beunruhigt natürlich die Unsterblichen im Sonnensystem, allen voran Perry-Rhodan. Noch scheint unklar, ob dies mit den exotischen Hyperkristallen oder den uralten und noch weitgehend unerforschten lemurischen Anlagen im Inneren von Ceres zusammenhängt. Doch als Lordadmiral Atlan sein baldiges Eintreffen im Solsystem ankündigt wird klar, dass sich hier eine Krise galaktischen Ausmaßes anbahnt.

Mit Cerers am Abgrund ist nun der fünfte und vorletzte Band des Monolith-Zyklus erschienen. Nachdem die Serie durch Höhen und Tiefen gegangen ist und noch viele Fragen offen stehen, liegen die Erwartungen der Leser entsprechend hoch. So bleibt auch nach vier Bänden die Funktion der Monolithe weitgehend im Dunkeln. Wer hat sie aktiviert und zu welchem Zweck? Sind dies nur die Machenschaften der sogenannten Silberherren oder verbirgt sich hier noch ein bislang unbekannter Gegenspieler? Ein weiterer Spannungsbogen entwickelte sich aus den unerklärlichen Wechselwirkungen zwischen Atlans Zellaktivator und Santjuns Silberschmuck, mit möglicherweise fatalem Ausgang für einen der beiden. Diese Handlungsfäden weiterzuspinnen und ein furioses Final vorzubereiten, das war die nicht ganz leichte Aufgabe, mit der sich der Autor Manfred Rückert konfrontiert sah. Immerhin verfügt er als langjähriger Kenner und Leser der Perry-Rhodan-Serie über viel Hintergrundwissen, auch wenn es bislang noch zu keinen offiziellen Publikationen im "Perryversum" gekommen ist.

Leider ist aber mit Ceres am Abgrund kein Meisterstück entstanden. Zunächst verschenkt der Autor gut 77 Seiten an eine langatmige Einleitung, die geprägt ist von banalen Dialogen und kindisch anmutenden Streitigkeiten zwischen zwei im Inneren von Ceres arbeitenden Gruppen. Der nun folgende Abschnitt lahmt gewaltig, denn man muss auf das Eintreffen von Atlan warten, damit es entscheidend vorangeht. Dies mag zwar aus der Perspektive eines Atlan-Romans per se nötig sein, ist aber reichlich unlogisch. Apropos mangelnde Logik. Die vielen kleinen und großen Unstimmigkeiten fallen auf und lassen auf ein schlechtes Lektorat schließen. Da wird beispielsweise auf Seite 84 erklärt, dass ein Schutzanzugshelm durch einen simple Sturz zerbrechen kann oder auf Seite 123, dass auf Anraten von Rhodan die USO ihre Raumschiff zurückbeordert hat und deswegen Atlan, immerhin Chef der Organisation, auf deren Unterstützung verzichten musste. Unfreiwillig humoristisch wird das Ganze wenn Reginal Bull als "der Dick" bezeichnet wird.

Auch in wichtigeren Bereichen kann der Roman nicht punkten. Ein echtes Gefühl für die eisigen Kavernen von Ceres kommt nicht auf und oft weiß der Leser nicht, ob sich die Handelnden nun in einer lemurischen Anlage oder in den gegrabenen Eisstollen befinden. Das größte Manko jedoch liegt in der Charakterdarstellung. Ein blasser Atlan mit launigem Extrasinn überzeugt ebenso wenig wie Fortführung des Problemfalls Santjun, dessen ungebremsten Eskapaden immer ausufernder werden. Neben den schon erwähnten pubertierenden Figuren der Einleitung bleibt ein eindimensionaler Antagonist, ein wenig Mutantenklischee und eine mehr als aufgesetzt wirkende Fortführung des Calipher-Themas, welches zudem noch als Deus-Ex-Machina fungieren muss. Am Schluss ist nach einigen ganz passablen Actionszenen alles wie gehabt. Die niemals wirklich bedrohlich wirkende Monolithengefahr erledigt sich fast von selbst und die Bösen verschwinden durch den Transmitter. Dieses Ende wurde jetzt wirklich zu oft bemüht und zeigt einen peinlichen Mangel an Kreativität. Unter dem Strich bleibt dem Leser zumindest ein kleiner Wissensgewinn bezüglich der Monolithe und der Silberherren. Doch nach 343 uninspiriert wirkenden Seiten ist dies deutlich zu wenig.
Dazu passend auch das Titelbild mit drei grünlichen Kugelraumern vor bläulichem Planeten- bzw. Planetoidenhintergrund, ein ziemlicher Einheitsbrei eben.

Fazit:
Ceres am Abgrund bietet ein Niveau, dass man mit dem Vorgängerband Der Silbermann überwunden zu haben glaubte. Hier wird eine wenig plausible, langatmige Geschichte voller Klischees und wieder aufgewärmter Ideen geboten. Hier ist also der echte Fan gefragt. Daher mein Tipp: Zähne zusammenbeißen und durch! Hoffen wir auf einen furiosen finalen Band.




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