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M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 09.08.2009, Serie: Comics, Autor(en): Jon J. Muth, nach einem Film von Fritz Lang, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 192, Erschienen: 2009, Preis: 25,00 EUR


Graphic Novels erleben gerade ihre goldene Zeit. John J. Muth hat sich dafür entschieden, einen Film-Klassiker von keinem geringeren als Fritz Lang umzusetzen. Herausgekommen ist ein Buch, welches sich sowohl inhaltlich als auch grafisch von allem abhebt, was der Autor dieser Zeilen bisher zu lesen bekam.

"Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt der Schwarze Mann zu dir, mit dem Hackebeilchen macht er Schabefleisch aus dir" - ein Kinderlied auf den Straßen Berlins.
Nur ein Kinderlied? Mitnichten, denn eine perfidere Mordserie geht um im Deutschland der frühen 1930er. Der Mörder lockt Kinder mit kleinen Geschenken in seine Fänge, vergewaltigt sie und bringt sie um. Die Bevölkerung ist alarmiert, die Polizei wird dem Täter aber nicht habhaft. Mit wirkungslosen Methoden versuchen die Behörden den Kriminellen der Stadt das Wasser abzuschneiden, ohne zu erkennen, dass sie die Nadel im falschen Heuhaufen suchen. Dies wiederum lässt Gauner und Verbrecher ein Bündnis schließen, ein Bündnis gegen einen Täter, welcher Schande über ihr "Gewerbe" bringt. Denn mit Kinderschändern wollen selbst die Skrupellosesten unter ihnen nichts zu tun haben.
Eine Stadt sucht einen Mörder, Polizei, Verbrechersyndikate und auch die Bevölkerung. Und je mehr Morde geschehen, desto paranoider wird der Mann auf der Straße. Nicht selten formt sich ein Lynchmob gegen Unschuldige, welche einem Kind einfach nur helfen wollten. Der eigentliche Täter geht im Strudel unter und kann weiter agieren. Doch er ist ein Getriebener seiner selbst und sein Schicksal unabwendbar…

Harter Tobak für eine Graphic Novel. Diesem Buch Lesevergnügen zuzuschreiben erscheint da beinahe schon perfide. Kann ein solches Thema "begeistern"? Schwer zu sagen. Was man sagen kann ist, dass die Umsetzung des Filmes gelungen ist. Das Thema wird gut transportiert, und die Geschichte wirkt durch die sehr realen Bilder, welche oft wie unscharfe Fotos aussehen, noch dichter. Das Buch hinterlässt einen sehr starken Eindruck, welcher noch sehr lange nachwirkt.
Muth hat sich sogar die Freiheit genommen, die Geschichte ein wenig zu erweitern und wenige neue Szenen einzuflechten. So wird dem Leser deutlicher, wie der Mörder mit seiner Krankheit ringt, als ihn im Traum ein Opfer mit durchgeschnittener Kehle aufsucht: Durch die Schatten des Bildes leuchtet scharf das Blut am Hals. Es sind eben jene Feinheiten, welche heftige Akzente setzen und den Band wirken lassen.

Muth hat sich für dieses Thema bewusst für eine besondere, aufwendige Technik der Darstellung entschieden. Er machte Fotos mit Freunden, welche er wiederum abmalte und bewusst in Teilen oder gänzlich unscharf umsetzte. Farbe wird nur sehr spärlich angewandt, doch wo sie ist, wirkt sie wie ein Blutfleck auf einem weißen Hemd – als schockierender, verstörender Akzent.

Umrahmt wird die Graphic Novel von reichlich Text. In "Bilder für den Mörder" berichtet Georg Seeßlen über den Film, sowie Fritz Lang und seinen Elementen. An die Geschichte anschließend runden ein Nachwort, sowie eine Diskussion über Sinn und Zweck der graphischen Umsetzung Muths den Band ab. Handwerklich ist Cross Cult mal wieder allen Zweifeln erhaben. Material der Seiten, sowie Hardcoverumschlag rechtfertigen alleine schon den Preis, der Inhalt sowieso.

Fazit: Es fiel mit zugegebenermaßen nicht einfach M zu rezensieren. Wem ernstere Themen liegen und den Film kennt, darf ohne Zweifel zugreifen. Muth hat sich hier auf einen Klassiker eingelassen und ein Meisterstück hervorgebracht. Mit viel Respekt zur Vorlage bringt er eigene Elemente ein und beweist Fingerspitzengefühl bei einem ernsten Thema, welches wohl leider immer aktuell sein wird. Diese Graphic Novel darf man mit Recht neben der Reklamsammlung platzieren, denn einen Vergleich mit den Klassikern muss sie wirklich nicht scheuen.




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