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The Life Eaters
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 23.07.2009, Serie: Comics, Autor(en): David Brin und Scott Hampton, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 160, Erschienen: 2009, Preis: 25,00 EUR


Bücher über den hypothetischen Sieg der Nazis gibt es reichlich. The Life Eaters versucht eine neue Herangehensweise im Mantel einer Grafic Novel. Kann dies gelingen oder verstrickt man sich in alten Stereotypen?

Irgendwie war alles schon gelaufen. Niemand dachte 1944 ernsthaft noch daran, dass den Alliierten noch jemand etwas entgegensetzen könnte, als die größte Schiffsflotte, die die Menschheit je gesehen hatte, und ein Himmel voller Flugzeuge Nazideutschland den Todesstoß versetzen sollten. Doch alles kam anders. Irgendwie hatten Hitler und seine okkulten Schergen einen Weg gefunden, ihre kühnsten Träume wahr zu machen, ja sie sogar um ein Weites zu übertreffen.
Eingebunden in ein System obskurer Praktiken und bürokratisiertem Horror gelang es den Nationalsozialisten,das nordische Pantheon zu erwecken und sich zunutze zu machen. Das war vor über 20 Jahren, und seitdem lässt sich schwer noch unterscheiden, wer hier wen benutzt. Fakt ist, dass sich die Nazis die nördliche Hemisphäre Untertan gemacht haben, der Rest der Welt soll folgen. Wir erleben dieses Vorhaben aus der Sicht von Thors Mundschenk, welcher einer der wenigen ist, den die neuen "Götter" so nahe an sich heran lassen.
Doch obwohl die Naziweltherrschaft nur noch Formsache darstellt, regt sich Widerstand. Und das nicht nur unter den unterjochten Amerikanern, sondern auch in der südlichen Hemisphäre. Und Letztere birgt Geheimnisse, welche jene der Nazis fast noch übertreffen mögen …

The Life Eaters ist in der Tat Science-Fiction der anderen Art. Zum einen stellt die Grafic Novel die effiziente Bürokratisierung der Nazis in den Fordergrund und bringt so den historischen Horror sehr gut in Verbindung mit dem fiktiven. Zum anderen birgt das Buch eine generelle Sicht auf den Krieg und seine Parteien, welche sehr zum Nachdenken anregt, aber den Schrecken auch fürchterlich beleuchtet, wobei die ordentliche Portion Horror den Effekt noch verstärkt.

Die grafische Umsetzung der Geschichte ist einfach gigantisch. Ein großer Teil der Panels wurde mit Pinsel und Farbe gemalt, was vor allem bei großflächigen Bildern mit Feuer oder Wolken wirklich gut wirkt. Die Technik geht mit dem realistischen Comicstil eine perfekte Symbiose ein. So manches Panel könnte man sich ohne weiteres einrahmen und an die Wand hängen.
Anfangs erschwert der Text den Lesefluss ein wenig, da zum einen Blocktext in den Panels auftaucht, aber auch die klassischen Sprechblasen zu finden sind. Mit der Zeit gewöhnt man sich an diesen Stil und erhält dadurch unterschiedliche Betrachtungsweisen der Geschichte.
Kenner der skandinavischen Sprachen wird allerdings auffallen, dass hier ein wenig gepatzt wurde. Immer wenn die nordischen Gottheiten sprechen, wird eine nordisch anhauchende Schriftart verwendet, leider aber auch jedes deutsche "o" als norwegisch/dänisches "ø" dargestellt. Hier hätte man sauberer arbeiten und die Vokale anders einarbeiten können. Dies stört aber nur Detailverliebte.

Das Drumherum, für welches man Cross Cult kennt und schätzt, ist wie immer erste Klasse. Der im Vergleich zum englischen Pendant höhere Preis wird voll und ganz gerechtfertigt. Das Buch kommt im etwas größeren DinA5 Format samt Hardcover und ordentlicher Bindung. So hat man auch nach Jahren noch Spaß am Lesen.

Fazit: Geschichten, welche große historische Ereignisse anders ausgehen lassen, sind immer etwas Besonderes. Nicht immer klappt es jene aber auch zur Zufriedenheit des Lesers umzusetzen, denn ein solches Vorhaben ist doch meist mit einem moralischen Auftrag verbunden, welcher allerdings auch nicht zu polemisch herüberkommen darf. Um dies zu vermeiden bedient sich The Life Eaters dem Horror und dem Mystizismus, welcher die Moral anders verpackt, so aber auch kräftiger hervortreten lässt.
Besonders gut gefällt die Hervorhebung des bürokratisierten Horrors des Naziregimes, welcher das Fiktive noch besser zur Geltung kommen lässt. Geschichtsstunde mal anders? Vielleicht, aber auch ohne dies ein exzellentes Stück fiktivem Geschichts-Horrors.




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