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yvio - Freibeuter der Karibik
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 28.07.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: PublicSolution GmbH, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 99,95 €


Public Solutions versucht mit einem völlig neuen System die Herzen von Brett- und Computerspielern und irgendwie auch der ganzen Familie gleichzeitig höher schlagen zu lassen. Das klingt nach einer respektablen Aufgabe, aber kann so etwas denn überhaupt funktionieren?

Kernstück um des so genannten yvio Systems ist eine Konsole, welche universell als Modul für alle weiteren Spiele gilt. Die Konsole wird mit Strom betrieben (Batterien oder Netzteil) und dient als "Spielleiter". An der Seite findet sich ein SD-Kartenschlitz, zudem gibt es natürlich einen An/Aus Knopf, Lautstärkeregler, Lautsprecher und einen Optionsknopf, mit dem man in das Basismenü kommt. Auf der glatten Oberfläche der Konsole können Lichtpunkte diverse Symbole darstellen bzw. auch Wörter auftauchen lassen. Weiterhin liegen der Konsole so genannte, "intelligente" Spielsteine bei, auf deren Position auf dem Spielbrett die Konsole reagiert.
Für sich selbst ist diese Konsole aber gänzlich unbrauchbar, erst durch die verschiedenen Spiele, welche mit ihren eigenen SD-Karten und "Spiel-Skins" daher kommen funktioniert das System. "Spiel-Skins" sind runde Folien, welche man auf die Konsole legt. Auf dieser Folie sind Symbole, welche von der Konsole von unten beleuchtet werden können. Somit wird dieses Modul auch gleichzeitig zu einer Art Würfel im weitesten Sinne.

Jetzt aber zum Spiel: Freibeuter der Karibik beinhaltet neben zahlreichen Pöppeln eben einen "Spiel-Skin", eine SD-Karte, vier wunderbar gestaltete Plastik Schiffe, vier Schiffs-Statusbrettchen, sowie einen Spielplan. Dieser zeigt an der linken Seite die vier Handelswaren Getreide, Holz, Tabak und Rum, sowie die unterschiedlichen Inseln der Karibik.
Die intelligenten Spielsteine werden in den Boden der Schiffe gesteckt und dann kann es auch schon losgehen. Keine Regeln? Nun ja, es gibt eine ganz grobe Übersicht über den Spielaufbau und diverse andere Sachen, aber der Clou des yvio Systems ist es eben auch, dass die Regeln durch die Konsole während des Spiels erklärt werden. Somit ist der Vergleich mit einer Spielleitung in der Tat kein schlechter.

Generell geht es im Spiel darum, dass die Spieler in die Rollen von Händlern der Karibik schlüpfen und den Freibeutern entkommen bzw. jene besiegen müssen. Nebenbei gilt es Punkte durch den Kauf von Schiffsausrüstung (Soldaten, Kanonen, Segel, Lager) oder Residenzen zu sammeln. Wer als erstes fünf bzw. zehn Punkte hat gewinnt. Sind fünf Inseln durch Piraten besetzt, verlieren alle Spieler.

Nun aber rein ins Spiel: Die Konsole lässt einen Lichttest laufen und schon dröhnt Freibeutermusik aus dem Lautsprecher. Der Titel flackert über die Anzeigefläche der Konsole und eine männliche Stimme verkündet um was es geht und fragt welche Variante des Spiels man wählen möchte: Einsteigervariante mit langen Texten und Erklärungen, oder die Profivariante, welche knapper gehalten, aber dafür schwieriger zu spielen ist.
Hiernach wählt jeder Spieler eine Farbe und stellt sein Schiff auf eines der Handelsgüter. Die Konsole erkennt das Schiff und nennt den Namen. Danach wird man aufgefordert seine Schiffe auf einen bestimmten Hafen zu stellen und los geht’s. In jedem Hafen hat man die Wahl eines von zwei Gütern zu laden. Dies geschieht, indem man sein Schiff auf das jeweilige Gut am Rand stellt. Danach platziert man das Schiff auf den Steg des Zielhafens, welcher dieses Gut nicht selbst produziert, und die Reise beginnt. Je nachdem wie weit der Hafen entfernt ist, desto kürzer oder länger dauert die Reise. Die eigentliche Zeit berechnet die Konsole. Je begehrter das Gut und je weiter die Reise, desto besser der Ertrag. Lager können diesen zusätzlich noch einmal steigern, da man mehr laden kann.
Hat man Rum oder Tabak geladen besteht die Gefahr auf See von Freibeutern angegriffen zu werden. Dies wird natürlich wieder stimmungsvoll von der Konsole angekündigt und Lichter in der Mitte der Konsole zeigen die Stärke des gegnerischen Schiffes an (Segel, Messer und Kanone). Man kann dem Schiff ausweichen (Segel), es versuchen zu entern (Messer) oder auf das Schiff schießen (Kanone). Zum Wählen tippt man einfach auf das Symbol auf dem Spiel-Skin. Je nachdem ob man ausreichend Segel, Matrosen oder Kanonen in den dafür vorgesehenen Häfen gekauft hat, steigt oder sinkt die Chance, dass man die Piraten in die Flucht schlägt. Wieder berechnet die Konsole den Ausgang. Verliert man, kostet das Zeit und Ertrag.
Am Zielhafen angekommen gibt es für die Ladung Gulden (je gefährlicher die Ladnung, desto mehr Geld), welche man wiederum in Ausrüstung investieren kann, so sie denn im Hafen angeboten wird. Der Clou hierbei ist, dass man mit den Händler um den Preis der Ausrüstung feilschen kann, bis der Händler gegebenenfalls enttäuscht abbricht. Weiterhin gibt es zufällige Ereignisse in den Häfen, welche den Spielreiz noch etwas erhöhen. So wird einem ein Teil einer Schatzkarte angeboten, wenn man einen Mann in einen bestimmten Hafen bringt, oder man kann einen Brief oder eine wichtige Person durch die Karibik kutschieren und dafür reich belohnt werden.
Während man auf See ist, werden von der Konsole immer wieder Nachrichten "vorgelesen". Darin erfährt man, welche Häfen gerade von Piraten belagert werden. So muss man sich früher oder später auch bewusst der Gefahr stellen, denn wenn die Häfen nicht befreit werden, gewinnen die Piraten auf kurz oder lang. Zudem gewinnt man durch Entern oder Versenken Ansehen bei der Bevölkerung, bekommt Titel verliehen und somit wieder Geld.
Dies ist auch im Wesentlichen der Spielverlauf - Waren laden, Häfen ansteuern, Ausrüstung kaufen, Geld einsacken oder ausgeben, Piraten plätten und dabei Ruhm ernten. Gewinnt ein Spieler, gibt es die Möglichkeit bis zur nächsten Punktehürde weiter zu spielen, verlieren die Spieler ist das Spiel vorbei.

Man muss deutlich sagen, dass es dem Spiel ein wenig an Komplexität fehlt. Wenn man es ein paar Mal gespielt hat, weiß man in etwa was man wo zu welchem Preis kaufen kann und welche Chancen man hat, ein Schiff zu versenken (auch wenn es immer einen Zufallsfaktor gibt). Einen Pluspunkt gibt es dafür, dass man das Spiel auch alleine spielen kann und der Schwierigkeitsgrad je nach Spieleranzahl variiert.
Das Herz des Spiels ist allerdings der Grund, warum Freibeuter der Karibik trotzdem begeistern kann. Man kann sich ein Grinsen kaum verkneifen, wenn die Konsole dröhnt, Kanonen ballern, oder eine Mannschaft im Hintergrund zum Entern schreit. Jedes Schiff hat zudem einen eigenen Namen (Reg Dragon, Blue Pearl, Green Dolphin, Yellow Star) und eine eigene "Stimme", das heißt Befehle beim Entladen oder beim Segel setzen werden immer von unterschiedlichen Stimmen gegeben. Weiterhin sprechen die Händler auf den Inseln beim Feilschen landestypisch ("Mabu mag Dich, kaufst Du für 1000!").
Leider gehen diese atmosphärischen Feinheiten im Profispiel verloren. Hier wird zum Beschleunigen des Spiels nur mit einer Stimme und knappen Kommentaren gearbeitet, wo im Einsteigerspiel auf Prinzapolca die nette Händlerin einem noch "immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" wünscht. Hier wäre eine Variante ohne viel Erklären, höherem Schwierigkeitsgrad und trotzdem atmosphärischen Untermalungen wünschenswert.
Feinheiten sind zudem Probleme beim Sound, welcher manchmal metallisch klingt, oder kratzt. Zudem hakt es hier und da mit der Lautstärkeregelung, was bei dem stattlichen Preis leider negativ auffällt.

Fazit: yvio wirbt mit dem Slogan "next level gaming", und den Anspruch erfüllt das System voll und ganz, stellt es doch eine Symbiose eines Computerspiels mit einem Brettspiel dar. Als Familienspiel bietet Freibeuter der Karibik herrlichen Spaß, Vielspieler werden Komplexität vermissen, der Atmosphäre aber dennoch etwas abgewinnen können. Wer die recht hohe Basisinvestition nicht scheut, wird sicher auch mit den weiteren Modulen seinen Spaß haben.

(Anmerkung: Der obige Preise bezieht sich auf den Bundel Spiel mit Konsole.)




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