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Schattenjäger - Mit Feuer und Schwert
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 23.08.2009, Serie: Rollenspiel, Autor(en): T. S. Luikart, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 143, Erschienen: 2009, Preis: 34,95 €


Der heilige Dienst für den Imperator ist gefordert. Los, Adepten, lasst uns die Ketzer und Xenos, das Chaos und den Frevel bekämpfen. Stürzen wir uns voller erleuchteter Rechtschaffenheit in die Schlachten, die uns Schattenjäger - Mit Feuer und Schwert bietet!
Doch halt, zuvor eine Warnung. Auch wenn ich immer versuche, es möglichst zu vermeiden, ist es kaum machbar, eine Rezension über ein Abenteuerband zu schreiben, ohne auf den Inhalt einzugehen. Deshalb sollte keine Spieler diese Rezension lesen! Er verdürbe sich damit bloß den Spaß und verübte einen furchtbaren Frevel, der ihm die Inquisition an den Hals hetzen würde. Zu Recht!

Der Abenteuerband Mit Feuer und Schwert enthält drei Abenteuer, die allesamt aus der Feder von T. S. Luikart stammen. Sie spielen alle im Calixis-Sektor und können sowohl einzeln als auch als Kampagne gespielt werden können. Thematisch sind die Abenteuer jedoch nicht miteinander verbunden, sie spielen nur im gleichen Sektor unter den gleichen Begleitumständen (die Charaktere sind immer als Adepten der Inquisition unterwegs - soweit alles normal). Dafür setzt das erste Abenteuer das Einstiegsabenteuer im Grundregelwerk fort.

Freue dich, denn du bist wahrhaftig heißt das erste Abenteuer des Bandes. Darin müssen die Adepten herausfinden, wie eine neue imperiale Religion mit einem Stück Xenostechnologie in Verbindung steht, wie sie für das Verschwinden einer jungen Adeligen verantwortlich sind und was generell das dunkle Geheimnis hinter dieser Organisation ist.
Dazu werden sie zunächst mit der Tarnidentität von jungen Adeligen versehen aus jenem Haus, dessen Tochter entführt wurde. Ausgestattet mit dieser doppelten Autorität aus scheinbarem Adel und wirklicher Inquisition infiltrieren die Adepten den Freudvollen Chor, wie sich die neue Religion nennt. Von da an müssen die Adepten im Sumpf aus Dekadenz und Intrige den scheinbaren Drahtzieher des Übels verfolgen. Wer weiß, wohin es sie führen wird?
Das erste Abenteuer bietet einen interessanten Handlungsbogen und einen guten Einblick in die Welt des imperialen Adels. Der Freudvolle Chor erinnert mit seinem Streben nach mentaler Reinheit, seinen obskuren Messgeräten für die Wahrhaftigkeit einer Person und den beschriebenen finsteren Motiven und Unterwanderungstechniken schon sehr an eine beißende Satire der Scientology-Sekte. Ob diese berechtigt ist, ist eine ganz andere Frage, aber sie wirkt teilweise nicht gerade subtil, was der sonst sehr atmosphärischen Stimmung des Abenteuers schaden könnte.

Das nächste Abenteuer Schatten im Zwielicht beschreibt die Erkundung eines so genannten Space Hulks. Dabei handelt es sich um eine rätselhafte Ansammlung miteinander verschmolzener Raumschiffe, die immer wieder unvorhersehbar im Raum des Imperiums auftaucht. Normalerweise sollte man einen solchen Space Hulk besser großräumig umgehen, aber wenn Signale eines verschollenen Helden des Imperiums mit einer mächtigen Waffe aus diesem Monstrum kommen, muss jemand hineingeschickt werden, um sich dort etwas umzusehen. Und jetzt raten Sie mal, an wem diese Aufgabe hängen bleibt!
Schatten im Zwielicht ist ein interessantes Abenteuer, das die Adepten durch ein gruseliges, geradezu absurdes Territorium führt. In gewisser Weise ist es ein klassisches Verliesabenteuer - ein Dungeon Crawl im Weltraum mit Projektilwaffen. Dieser Ansatz ist zwar nicht gerade innovativ, wird aber von einer interessanten Rahmenhandlung umschrieben und sorgt mit überraschenden Entdeckungen (was man in so einem Space Hulk alles finden kann...) für einigen Spielspaß. Natürlich nur, wenn man auf solche Abenteuer steht. Nachdem das erste Abenteuer mit viel Charakterinteraktion und Intrige vorlegte, geht es im zweiten also eher in den Bereich klassischer Erkundungs- und Kampfabenteuer.

Das dritte Abenteuer Die Hoffnung des Barons geht dann wieder in Richtung der inquisitorischen Nachforschung. Auf dem Planeten Sepheris Secundus herrschen für die Leibeigenen selbst für die Verhältnisse des Imperiums grausame Verhältnisse. Vom Adel ausgebeutet und unterdrückt war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis sich eine Widerstandorganisation gründete. Die Gruppe Gesprengte Ketten übt sich im bewaffneten Widerstand, der bereits viele Opfer gefordert hat. Außerdem schreckt sie auch nicht davor zurück, sich mit Mutanten zu verbünden.
Das Interessante an diesem Abenteuer ist der unvorsehbare Handlungsbogen und vor allem Stimmungsverlauf. Zunächst wirkt es wie ein typisch detektivisches Inquisitionsabenteuer, in dem die Adepten bloß die Ketzer finden und dann überwältigen müssen. Doch je weiter sich die Handlung entwickelt, desto mehr geht die Stimmung in Richtung Horror. Bis sich die Adepten in großer Gefahr sehen, ohne der Bedrohung so richtig begegnen zu können. Dieser Ansatz ist definitiv interessant, weil so unerwartet. Ob eine typische Schattenjägerrunde wirklich Horror spielen möchte oder ob das eher von Cthulhu erwartet wird, sollte jeder Spielleiter selbst entscheiden können.
Außerdem könnte es zu interessanten Diskrepanzen zwischen der Einstellung der Spieler und denen ihrer Adepten. Das extreme Elend der unteren Schichten des Planeten sollte die Charaktere in keiner Form beeindrucken. Mal sehen, wie die Spieler dazu stehen...

Dass die drei Abenteuer alle aus der gleichen Feder stammen, hat den Vorteil, dass sie wie aus einem Guss wirken und dass der Autor auch darauf achten konnte, mit diesen drei Abenteuern genügend Abwechslung zu bieten. Generell sind vor allem die Hintergründe gut beschrieben und zusammen mit zusätzlichen erklärenden Seitenkästen machen sie es den Spielleiter leicht, die Handlung konsequent darzustellen.
Nur ein Autor bedeutet aber auch, dass die Abenteuer sich alle die gleichen Schwächen teilen. So sind die Handlungsstränge sehr linear gehalten. Es werden zwar viele Hinweise gegeben, wie man die Adepten immer wieder zu nächsten Punkt bringen könnte, aber prinzipiell ist die Handlung an vielen Stellen so aufgebaut, dass das ganze Abenteuer scheitern könnte, wenn die Spieler sich nicht gängeln lassen. Außerdem schafft es der Abenteuerband irgendwie trotz eines sehr ausführlichen und guten Inhaltsverzeichnisses stellenweise sehr unübersichtlich präsentiert zu sein. Man muss die Abenteuer ausdrücklich nicht als Kampagne spielen, da sie sich thematisch ja auch sehr unterscheiden. Dennoch finden sich einige Folgen eines Abenteuers manchmal erst am Anfang des nächsten (dass einem ein Inquisitor jetzt einen Gefallen schuldet, wäre auch am Ende des vorherigen Abenteuers durchaus erwähnenswert gewesen).
Diese beiden Mängel fallen aber nicht sonderlich ins Gewicht, wenn der Spielleiter gewillt ist, sich bei der Vorbereitung einige nützliche Notizen zu machen, so dass er die Abenteuer störungsfrei leiten kann.

Schattenjäger - Mit Feuer und Schwert ist ein gebundenes Werk, das aus 143 Hochglanzseiten besteht. Die Illustrationen sind in stilvollem Schwarzweiß gehalten und wirklich sehenswert. Rahmen und Verzierungen in dem Werk sind dagegen farbig. Das sieht zwar toll aus und wäre in einem Quellenbuch auch lobenswert, aber bei einem Abenteuerband muss man sich doch fragen, ob man den nicht viel günstiger hätte verkaufen können, wenn man auf diese nicht unbedingt nötigen Stilelemente verzichtet hätte.

Fazit: Der Abenteuerband Schattenjäger - Mit Feuer und Schwert liefert drei gute Abenteuer, die die verschiedenen Facetten der Hintergrundwelt zumindest im Calixis-Sektor gut beleuchten. Für viele Spielgruppen empfiehlt sich der Kauf somit. Die Abenteuer sind jedoch sehr linear gehalten, was manchen Spielgruppen missfallen mag. Allgemein gesprochen bieten sie aber dennoch viele Anregungen, die der Schattenjägerspielleiter nützlich finden mag.




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