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Greifenklaue #7
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 13.08.2009, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Ingo Schulze u.a., Verlag: Ingo Schulze, Seiten: 46, Erschienen: 2009, Preis: 3,00 Euro

Lange musste die FanZine-Szene auf eine neue Greifenklaue warten. Dem Rezensenten liegt zudem auch nur ein Preview vor, welches sich aber von der letztendlichen Ausgabe nicht besonders unterscheiden soll. Das Thema ist diesmal die Endzeit.

Nach dem Vorwort müssen wir erst einmal in "Gottes Zorn und schlechter Geschmack" (vier Seiten) von Oliver Fedtke erfahren, dass jene Endzeit, so wie wir sie kennen, eigentlich gar keine Endzeit ist. In seinem Artikel sinniert er über jene Zeit und über die Umsetzung im Rollenspiel. Der Artikel ist fundiert und recht amüsant geschrieben, eben so wie wir es von Oliver Fedtke gewohnt sind.
Es folgt das alternative Endzeitabenteuer "Flutopfer" von Christoph Schubert in der Welt von H.P.Lovecraft’s Cthulhu (18 Seiten). Die Charaktere sind Überlebende nach dem großen Erwachen und müssen sich von der ehemaligen Halbinsel Nordstrand aufmachen, um das Festland zu erreichen. Unterwegs werden sie mit zahlreichen Ungereimtheiten konfrontiert und erfahren mehr über den Untergang der Welt, so wie wir sie kennen. Dabei werden sie in den Strudel von keinem geringeren als dem König in Gelb gesogen. Das Abenteuer orientiert sich an Robert W. Chambers "Der König in Gelb" und nimmt immer wieder Bezug auf das Buch. Es schadet nicht, das Buch selbst vorher einmal gelesen zu haben, es ist aber kein Muss. Die Handouts wurden von den Profis Uwe und Annette Matthes gestaltet. Da aber leider nur eines davon den Weg in die gedruckte Version fand, werden die restlichen online zur Verfügung gestellt.
Hiernach folgt ein kleines Mutant Future-Spezial mit einer Seite Kurzvorstellung des Systems, welche jenes aber leider nur grob umreißen. Danach kommen zu selbigem System fünf Seiten Hintergrund, welcher "Noordtyskland", also dem Norden Deutschlands behandelt. Dieser Artikel hat es in sich und stellt nicht nur humoristisch einen der Höhepunkte des Heftes dar. Nach der Idee des Autors hat es der derzeitige Trainer Werder Bremens tatsächlich geschafft seinen eigenen Kult zu bekommen – Respekt! Insgesamt werden zahlreiche Städte des Nordens mit neuen, durchaus passenden Namen versehen und vorgestellt. Das Ende bildet eine Liste mit Gegenständen und eine Karte, welche aus zahlreichen Hexfeldern besteht und wohl mit einem Kartenprogramm angefertigt wurde. Dementsprechend mager ist die Qualität, eine Legende fehlt zudem.
Moritz Mehlen hat des Weiteren das darauf folgende Szenario "Die Entführung" (6 Seiten) geschrieben und es gleich in Noordtyskland angesiedelt. Die Charaktere werden von einem verheulten Hardcorebiker in einer Kneipe angesprochen. Sein Bruder Klaus, von Beruf Archäologe, ist verschwunden, und seine Mutter mache sich schon Sorgen. Sollten die Spieler auf das Angebot der Erziehungsberechtigten eingehen, erwarten sie ein Höllenritt auf dem Gefährt des Bikers, sowie das Problem in einen abgesicherten Außenposten eindringen zu müssen.
Das Abenteuer scheint für Einsteiger gut geeignet, vor allem weil es sehr geradlinig und mit Zufallsbegegnungen versehen ist. Mehlens Humor ist auch hier nicht zu übersehen und wertet das Szenario durchaus auf. Absolut klasse ist eine DinA4 Karte des Lagers am Ende des Bandes – Hut ab!
Den Abschluss des Heftes bildet die Stadtbeschreibung "Immerschwinge – Stadt der gläsernen Gesänge" für das System D&D und dessen "Vergessene Reiche" von Sarah Isabelle Ress und Mario Schmiedel (7 Seiten). Der Artikel stellt im Großen und Ganzen eher eine architektonische Beschreibung der Stadt dar, welche gar nicht so recht an die Endzeit erinnern will. Schon eher gleicht sie mit ihren Stuckbrunnen einem verspielten Kristalltraum romantisch-liebestrunkener Elfen. Aber vielleicht stellt sie deswegen ein begehrtes Refugium in der düsteren Umgebung dar. Weiterhin liefern die Autoren unter anderem eine Beschreibung der Klingensängerschule, sowie Hintergründe zur herrschenden Monarchie.

Gestalterisch liegt die Greifenklaue auf dem Level eines typischen FanZines mit einigen deutlichen Highlights. Aller erste Sahne sind die Zeichnungen im Abenteuer "Flutopfer", im Artikel "Gottes Zorn und schlechter Geschmack" die Karte im Szenario "Die Entführung", sowie die Illustrationen des Umschlags. Respekt, so manches Bild könnte ich mir auch an der Decke einer Kapelle vorstellen.
Trotz teilweise recht kleiner Handouts und Karten sind diese immer noch gut zu lesen, die Druckqualität stimmt somit. Das Heft kommt wie gewohnt in eine Klemmleiste gebunden, welche Mittlerweile ja schon als Markenzeichen der GK bezeichnet werden kann. Die drei Euro Kaufpreis gehen voll und ganz in Ordnung, vor allem wenn man bedenkt, dass Chefredakteur Ingo Schulze das Heft privat finanziert und immer wieder eigenständig Autoren und Zeichner akquirieren muss.

Fazit: Die neue Greifenklaue kommt in gewohnt hoher FanZine-Qualität. Wo man beim Layout vielleicht Abstriche hinnehmen muss, überzeugen hervorragende Zeichnungen, sowie wertiger Inhalt, welcher wirklich auch zu gebrauchen ist. So manch einer wird sicher auf das System Mutant Futur aufmerksam werden. Weiter so, Ingo, wir hoffen Du und Dein Heft bleiben und noch lange erhalten. Da warten wir doch gern ein wenig länger.




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