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Die Stadt am Ende der Zeit
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 18.09.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Greg Baer, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 895, Erschienen: 2009, Preis: 16,00


Greg Bear ist erfolgreicher Autor vieler wissenschaftlicher Science-Fiction Romane, und Die Stadt am Ende der Zeit ist die Übersetzung seines Buchs City at the end of the time. Den Leser erwartet ein in drei Teile aufgespalteter Roman auf 861 Seiten, gefolgt von einem wissenschaftlich-philosophischen Anhang zu Entropie- und Universalbibliothekstheorie und einem Glossar, das unbedingt vorher gelesen werden sollte.

Der erste Teil des Romans führt sowohl Hauptcharaktere, deren Geschichte und die Geschichte der Zukunft ein. Die Hauptakteure des Buches sind die Träumer und Schicksalswandler Jack und Ginny, Bewohner Seattles in unserer Zeit, die in ihren Träumen Jebrassy und Tiadba, beiden Leben in einer weit entfernten Zukunft in einer Stadt am Ende der Zeit, besuchen. Als Fünfter im Bunde ist da noch der undurchsichtige Daniel, der auch Schicksalswandler ist, aber nicht träumt. Die Schicksalswandler, die das Schicksal manipulieren können, werden im Auftrag einer höheren bösen Macht, dem Chaos, von den so genannten Glücksjägern durch Zeitungsannoncen und durch Detektivarbeit gejagt. Im ersten Teil erleben wir den langsamen und doch rasanten Anstieg der Gefahr in den verschiedenen Zeitlinien, bei denen die Protagonisten in unserer Zeit neue Freunde finden aber auch von Feinden gefunden werden, während die Protagonisten der Zukunft sich nur selbst finden. Allumfassend stehen aber Bücher im Vordergrund.
Im zweiten, kürzeren Teil treffen Jack und Ginny aufeinander, und das Chaos gelangt in unsere Zeit. Während - oder besser: im Anschluss daran - werden Jebrassy und Tiadba auf eine Reise ins Chaos vorbereitet. In beiden Fällen zeigt sich, dass der wahre Schutz in der Schrift liegt.
Im dritten und letzten Teil steigert sich schließlich die gesamte Aktion zu einem fulminanten Höhepunkt, in dem sich nicht nur die Protagonisten vereinigen, sondern auch noch ganz andere Personen und Wesen auftauchen und eine Rolle spielen.

Der Anhang des Buches, sowohl zum Thema Entropie als auch zum Thema Universalbibliothek, ist reichlich philosophisch-wissenschaftlich angehaucht. Die Lektüre ist aber für das Verständnis des Buches sehr von Vorteil, weil dort verschiedene Ansichten und Ideen des Autors erklärt und vorgestellt werden. Das Glossar selbst beinhaltet dann Erklärungen zu Phänomenen wie Bigfoot, Brahma, Higgs-Feld und Mulitversum, und sollte wirklich - ich weiß, dass ich mich wiederhole - vorher gelesen werden.

Ich kannte Greg Bear überhaupt nicht, irgendwie sind der Mann und seine Romane bisher an mir vorübergegangen, und ich weiß gar nicht wieso. Sicherlich ist der Roman keine leichte Lektüre, aber er bietet eine perfekte Kombination aus Religion, Existentialismus, Büchern und einer großen Portion wissenschaftlicher Theorie, der viele Überraschungen und Wendungen beinhalten und dabei, trotz der anfangs längeren Kapitel, durch spätere kürzere Kapitel unglaublich an Fahrt aufnimmt, bevor das Ende des Buches erreicht wird. Der Einstieg mit den Vorstellungen der wichtigen Charaktere und die Geschichte der futuristischen Welt gepaart mit unserer eigenen Geschichte lassen einen H.G. Wells als Vorgänger und Hawking als Ideengeber erkennen.
Die Charaktere haben dabei alles was Charaktere benötigen, Weite, Tiefe und Länge.
Durch die vielen Fachbegriffe ist das Buch anfangs allerdings nicht ganz so flüssig zu lesen. Erst nach einer Weile, wenn die Begriffe verdaut und verstanden sind, weiß der Leser, wovon gesprochen wird und kann das Buch flüssig zu Ende lesen.

Fazit: Ein dickes Buch ist Die Stadt am Ende der Zeit mit einem religiös-wissenschaftlich-philosophischen Inhalt, der die Leser fordert, ihnen aber auch gleichzeitig Dinge auf unterhaltende Weise näher bringt, die Hawking so nicht erklären kann und H.G. Wells noch nicht kannte. Dies gepaart mit einem spannenden Kampf ums Überleben gegen das Chaos, was will der interessierte und für alles offene Leser mehr?




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