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Das Schwarze Auge #106 - Todesstille
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 18.07.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Bernhard Craw, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 384, Erschienen: 2009, Preis: 9,00 Euro


"Reden ist Silber, schweigen ist Gold"
Kleine Weisheit des Boronkultes


"Knecht, bring mehr von dem guten Schnaps!"
"Aber Herr, es ist keiner mehr da..."
"Sollen meine Gäste nun verdursten, du Hund? Wo ist mein gutes Silber geblieben?"
Herr, die hohen Preise...es reichte nicht für mehr..."
"Was? Du wagst es das Wort gegen deinen Herrn zu richten? Ein Dieb bist du und als solcher werd’ ich dich richten - her mit dem Arm!"
"Gnade Herr... "

Ja, hart ist das Los der vielen Unfreien im Bornland, wo die Bronnjaren selbstherrlich über Leben und Tod richten. In seinem Roman Todesstille widmet sich der Autor Bernard Craw in seinem DSA-Erstlingswerk dieser abgelegen und offenkundig wenig zivilisierten Region.
Die Geschichte verknüpft die Schicksale ganz unterschiedlicher Menschen und führt sie im Laufe der Handlung auf der Bühne der Burg Dornblut zum dramatischen Höhepunkt zusammen. Zuvorderst ist sicher Wulfjew zu nennen, der als drittes Kind eines Bronnjaren das Leben eines Geweihten ergreifen muss. Der Weg zur verlassenen und beinahe göttervergessenen, ehemaligen Burg der Theaterritter, kommt einer Verbannung sehr nahe. Wie passend scheinen da seine neuen Mitbrüdern und -schwestern der Boronkirche zu sein die, ebenso wie Wulfjew selbst, eine dunkle Vergangenheit in sich tragen. Neben vielen anderen sind da Swetjana und Lonnet, zwei junge Liebende, die aus der Knechtschaft der Bronnjaren fliehen, ganz in der Hoffnung in Freiheit ein neues Leben beginnen zu können.

Doch der Autor ist ebenfalls kein gnädiger Herr und so geht es düster, hoffnungslos und gewaltsam in seinem Buch zu. Um es in den Worten des Klappentextes des Romans zu sagen: "Craw schätzt stimmige Gesellschaftsentwürfe, selbstbewusste Charaktere und konsequente Handlungsführungen, bei denen Sympathieträger nicht unter Naturschutz gestellt werden."

Wohl wahr, doch der gelungene morbide Charme der Geschichte geht leider auf Kosten der Spannung. Burg Dornblut mit ihrer düsteren sowie blutigen Vergangenheit und einem Schrecken, der nun nach den Lebenden greift, birgt ein starkes Motiv, das zu einem bedrückenden Kampf auf Leben und Tod hätte reifen können. Doch diese Chance wurde vertan, denn die ständigen Perspektivwechsel stören den Spannungsbogen ebenso wie den Erzählfluss. So passiert es oft, dass eine Figur einen Teil des Geheimnisses aufdeckt, dann aber ein Perspektivwechsel erfolgt und die zuvor gewonnenen Erkenntnisse in der fortgeführten Handlung nicht weiter thematisiert werden.
Zudem gibt der Autor seinem Bösen sehr früh Gestalt, macht dann aber zu wenig Gebrauch von ihr. Auch sind dann einige "überraschende" Wendungen ziemlich vorhersehbar, was allerdings nicht für das Ende gilt, welches jedoch etwas konstruiert und banal wirkt

Schade eigentlich, denn Craws Aventurien und Charaktere sind von ungewöhnlicher Tiefe, sehr plastisch und atmosphärisch. So überzeugt der Roman über weite Strecken und motiviert zum Weiterlesen, schließlich wird hier eine interessante Mischung aus Bronnjarenkultur und Boronkult sowie Klerikern, Bauern, Goblins und Norbarden geboten.

Zum Schluss noch ein Kommentar zur Attraktivität des Titelbilds des Romans: "Wo es keine Worte gibt, bleibt das Schweigen".


Fazit:
Todesstille ist ein düsteres, eindrucksvolles Buch mit kleineren Mängeln. Diese betreffen hauptsächlich den Spannungsbogen auf Burg Dornblut und das etwas dünne Ende. Dem gegenüber steht aber eine stimmungsvolle und authentische aventurische Erzählung, die ebenso vielseitig wie vielschichtig ist. Wer nicht vor detaillierten Gewaltbeschreibungen zurückschreckt, kann diesen guten, aber nicht überragenden Roman leichten Herzens erstehen.




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