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Roter November
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 14.08.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Bruno Faidutti, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 19,95 Euro


Acht volltrunkene Gnome in einem defekten U-Boot - was könnte schöner sein? Die Zeit verrinnt und man weiß selbst nicht, welche Katastrophe man als erstes beheben soll. Feuer löschen, Wasser abpumpen, die Krake bekämpfen oder vielleicht lieber gleich die Kameraden ihrem Schicksal überlassen und mit dem Tauchanzug von Bord gehen?
Denn genau darum geht es: Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Gnomen, welche auf dem Unterseeboot "Roter November" angeheuert haben. Dumm nur, dass die Nussschale an allen Ecken und Enden aus dem Leim geht. Und ehe man sich versieht, brennt das ganze Schiff, der Reaktor überhitzt oder die Raketen werden abgefeuert. Arten zu sterben gibt es viele, um zu überleben muss man aber entscheiden, welche Not gerade am schlimmsten ist. Danach gilt es jene möglichst zügig zu beheben.

Das Ganze passiert in festgelegten Runden. Erst wird bewegt, dann eine Aktion ausgeführt, dann geprüft, ob man in Ohnmacht fällt, und am Ende wird aktualisiert. Abgerechnet wird in einem Minutensystem, das heißt je weiter man sich bewegt und je länger man sich für seine Aktion Zeit lässt, desto weiter bewegt sich der Zeitcounter auf der Leiste, die um das Spielfeld führt. Und je weiter sich der Counter bewegt, desto mehr Sachen passieren im Schiff, welche laut Regelwerk "nie gut und meist schlecht" sind.
Um sich durch das Boot zu bewegen, muss man Luken zwischen den Räumen öffnen. Je nachdem, ob schon Wasser im angrenzenden Raum ist oder nicht, kostet es mehr oder weniger Zeit, sich weiter zu bewegen. Und je Luke wird natürlich auch abgerechnet. Danach gilt es akute Probleme zu lösen, indem man Wasser abpumpt, Feuer löscht, blockierte Luke löst, Fehlfunktionen behebt oder diverse Sachen repariert. Dafür kann man sich bis zu zehn Minuten Zeit lassen. Danach wird mit einem W10 gewürfelt und unterbietet man seine Zeit, so hat man seine Aktion geschafft. Wahlweise kann man sich in seiner Aktionsphase in diversen Räumen mit Gegenständen versorgen, welche wiederum diverse Boni auf Aktionen geben (so bringt ein Feuerlöscher +3 auf Feuer löschen). Außerdem hat man die Möglichkeit Grog aufzusammeln. Dieser bringt ebenfalls Boni und Mut (so kann man ohne Feuerlöscher in einen brennenden Raum), dafür wird der Gnom betrunken.

Nach der Aktionsphase wird geprüft, ob der betrunkene Gnom in Ohnmacht fällt, indem man eine Karte zieht und die angegebene Zahl mit seinem Trunkenheitswert vergleicht. Ist die kleiner oder gleich, schläft er ein und vergeudet wichtige Zeit (Kaffee hebt den Effekt wieder auf). Zeit ist sowieso der bestimmende Faktor. Um die vergangene Zeit in der Runde des aktiven Spielers anzuzeigen, wandert ein "Geisterstein" an der Zeitleiste entlang. Auf jener Leiste sind kleine Symbole. Kommt der Stein an einem Stern vorbei, wird eine Katastrophenkarte gezogen und ausgeführt. Bei einem Zahnrad bekommt der aktive Spieler einen Gegenstand. Das Problem ist nur, dass man in seiner Runde meist nur ein Problem beheben kann, aber meist danach mehrere entstehen. Man muss also zusammen im Team wohl überlegen, welche Baustelle gerade am wichtigsten ist.
Das Spiel wird zudem noch durch "akute Gefahren" erschwert. Das sind Bedrohungen, die in einer festgelegten Zeit behoben werden müssen. Denn passiert der letzte Stein die Gefahr auf der Zeitleiste, ist das Spiel zu Ende. Es ist weiterhin zu Ende, wenn alle Gnome durch einen erhöhten, Sauerstoffmangel oder Überhitzung sterben. Für diese drei Gefahren gibt es Statusleisten, die sich ständig verändern. Jene Leisten lassen sich ebenfalls durch eine Aktion zurücksetzen.

Der Clou am Spiel ist sicherlich das zeitbasierende Rundensystem. Es kommt immer der Spieler als nächstes dran, der noch die meiste Zeit zur Verfügung hat, also auf der Zeitleiste am weitesten hinten steht. Bei jeder Aktion muss man sich zudem überlegen, ob man lieber Zeit spart, um weitere Katastrophen so gering wie möglich zu halten, oder besser auf Nummer sicher geht und eine Gefahr beseitigt. Denn nur allzu oft geht das in die Hose, weil man mal wieder einen Punkt zu hoch gewürfelt hat.

Optisch liegt das Spiel auf hohem Niveau. Der recht kleine Spielplan, welcher ein U-boot mit seinen zehn Räumen nebst Luken und Krake zeigt, ist hochwertig und reicht in der Größe an und für sich gerade noch für Spielfiguren und Pöppel aus. Die Figuren sind witzige, in Plastik gegossene Gnome mit sozialistischem Touch, Karten und Pöppel sind in Layout und Design über jeden Zweifel erhaben.

Nachdem die ersten Runden sehr wahrscheinlich schnell zu Ende sein werden, wird das Spiel trotz einiger Frustmomente lange für Spielspaß sorgen, obwohl man schon eine gewisse masochistische Ader haben muss. Es gibt einfach immer viel zu viel zu tun. Zudem gibt es eine gemeine Variante des Spiels, indem man gegen Ende der Zeit mit einem Taucheranzug das Boot verlassen und somit seine Genossen im Stich lassen kann. Eine weitere Variante ermöglicht es, mit einem Brecheisen dem Gauner den Taucheranzug zu stehlen und selbst zu verschwinden. Wenn nicht wieder ein anderer Gnom mit einem Brecheisen … ihr wisst schon. Gewonnen haben die Matrosen, wenn ihre Spielsteine das Ende der Zeitleiste passieren.

Fazit: Roter November ist ein klares Bier-und- Brezel-Spiel mit einem hohen Spaßfaktor zum kleinen Preis. Es reiht sich ein in den Trend kooperativer Spiele, bietet aber genug Möglichkeiten, sich seine Mitspieler trotzdem um Feind zu machen. Wer zuletzt lacht, lebt am längsten. Schiff ahoi!




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