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Atlan - Lotse im Sandmeed
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 23.07.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Hans Kneifel, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 315, Erschienen: 2009, Preis: 9,00 €


Mit Atlan-X – Lotse im Sandmeer erscheint nun der erste Band einer neuen Reihe historisch-phantastischer Romane, die sich, ähnlich den früheren PR-Taschenbüchern, mit Atlans Abenteuern in der Frühgeschichte der Menschheit beschäftigen. Der vorliegende erste Teil der Kreta-Trilogie basiert auf dem 2001 erschienen E-Book mit dem ähnlich klingenden Titel Lotsen im Sandmeer. Beide Texte stammen aus der Feder von Hans Kneifel, der den ursprünglichen Text überarbeitete und nun in moderner Gewandung publiziert hat.

Ausgangspunkt des Romans ist die ägyptische Pharaonenkultur, knapp 2000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung. Als einsamer Gestrandeter einer überlegenen arkonidischen Zivilisation betätigt sich Atlan als behutsamer Kulturhelfer und Beschützer der langsam aufblühenden Menschheit. Hans Kneifel, dessen historische Kenntnisse deutlich zu Tage treten, bemüht sich die antiken Orte authentisch und plastisch aufleben zu lassen. In seiner Rolle als verwegener Händler und weiser Ratgeber tritt Atlan in die Dienste des greisen Pharaos Amenemhet um die Spur dreister Schmuggler aufzunehmen, die Waffen und Metalle in die unruhigen Reiche im Süden bringen. Durch eine Warnung von ES, der geheimnisvollen und übermächtigen Schutzmacht der Menschheit, alarmiert, nimmt Atlan die Spur der Schmugglerkarawanen in die lebensfeindliche Wüste auf.

Doch der Autor verpatzt die Chance aus dieser interessanten Abenteueridee mehr zu machen. Nur allzu schnell gleitet der Roman in langweilige Beschreibungen und Dialoge ab. Ein echter Spannungsbogen baut sich zu keinem Zeitpunkt der insgesamt 300 Seiten auf. Das liegt sicherlich auch am überlegenen technischen Arsenal, das Atlan bemüht. Wer mit einem schwebenden Sandschiff die endlosen Weiten der Wüste in wenigen Tagen bewältigt, hat jede Ehrfurcht und jede Angst vor ihr verloren. Ein Schutzschirm macht faktisch unverwundbar und mit einem Deflektor kann Atlan unsichtbar überall ein- und ausgehen. Wer dann noch Freund und Feind mittels Psychostrahler zu gefügigen Marionetten werden lässt und Angreifer kurzer Hand mit dem Lähmstrahler ausschaltet, für den gibt es eben weder Gefahren noch Abenteuer. Da Atlan für jedes Problem ein passendes technisches Spielzeug mitführt, wundert es kaum, dass die wenigen "Action"-Szenen plump und bemüht wirken. Was bleibt ist ein dandyhafter Unsterblicher, der von einem Ort zum anderen hastet, dort "blutjunge, vollbusige Schönheiten" angafft und gönnerhaft en passant die ägyptische Schifffahrt auf hochseetauglich trimmt.
Ein weiteres Manko im Roman ist die Darstellung der Charaktere bzw. ihr Fehlen. Abgesehen von Atlan, der alle Fäden in der Hand hält, sind alle anderen Figuren auf ein Abnicken sowie Ausführen der Anweisungen des Unsterblichen beschränkt. Diese devote und passive Darstellung reduziert die Zahl der aktiven Akteure auf den Protagonisten und der hat leider nicht viel Tiefe zu bieten.
Besonders bedauerlich ist die geradezu naive Sicht des Autors auf die frühzeitlichen Kulturen. Das Leid und das Elend der Sklaven sowie das harte Leben der armen Bauern und Tagelöhnern wird von Kneifel komplett ausgeblendet. Vielmehr ist da allzu oft die Rede von willfährigen, hübschen und blutjungen Sklavinnen, die sich den hohen Herren anbieten.
Symptomatisch ist hier die Passage, in der dann auch endlich Kreta thematisiert wird. So besorgt sich Atlan die Sklavin Thot-K’aima, die auf der Insel als Quellnymphe und Orakel fungieren soll. Sie ist natürlich "jung, unverdorben von unnützem Wissen, gehorsam..." und mit "herrlichen Brüsten" ausgestattet. Hier werden Männerphantasien auf billige Art bedient und das hat ganz sicher nichts mit einer historischen oder gar authentischen Wiedergabe der Epoche zu tun.

Fazit:
Unter dem Strich ist Lotse im Sandmeer ein ganz schwaches Buch, da helfen auch die vielen altertümlichen Bezeichnungen nichts. Wenn in dieser Geschichte keine Spannung aufkommt, dann liegt es weniger am Szenario oder an der Figur von Atlan, sondern eher an der Ideenlosigkeit des Autors. Denn anstatt einer erfrischenden Neufassung der Originalgeschichte werden hier langatmig Seiten geschunden für eine Trilogie.
Schade, aber von einem Kauf ist dann doch eher abzuraten.




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