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Zwischen den Sternen
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 06.07.2010, Serie: Belletristik, Autor(en): John Scalzi, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 446, Erschienen: 2009, Preis: 8,95 €


In den letzten Jahren hat sich John Scalzi auf dem amerikanischen Markt für Science-Fiction-Literatur fest etabliert - für einen Hugo Award wird man schließlich nicht von ungefähr nominiert. Auch ins Deutsche werden seine Werke fleißig übersetzt, wenn auch teilweise unter sehr reißerischen und verfremdenden Titeln. Aber man soll ein Buch bekanntermaßen nicht nach seinem Einband beurteilen. So lohnt sich der Blick zwischen die Seiten von Zwischen der Sternen zu werfen, der Übersetzung von Zoe's Tale.

Bekannt geworden ist John Scalzi mit dem Buch Krieg der Klone (Old Man's War), an das sich die beiden Romane Geisterbrigaden und Die letzte Kolonie anschließen und es zu einer Trilogie ergänzen. Diese wird mit Zwischen der Sternen nicht etwa fortgesetzt, Scalzi wählt einen ganz anderen Kunstgriff, um dem Leser mehr von dem Krieg der Klone-Universum zu vermitteln. Er erzählt die Ereignisse des dritten Buchs Die letzte Kolonie aus einer anderen Perspektive noch einmal. Aus der Sicht der wichtigen Nebenfigur Zoe (daher der engliche Name Zoe's Tale) wird die Handlung des dritten Buchs näher erklärt und bisher ungelöste Rätsel aufgelöst.
Dieser Wechsel der Erzählperspektive hat zwei klare Vorteile: Er liefert Kennern der Serie einen anderen Einblick in die innere Handlung der Charaktere. Und Einsteiger können das Buch problemlos verstehen, auch wenn sie die Vorgängerromane nicht gelesen haben. Mittels Rückblicken und den sarkastischen Kommentaren Zoes wird der Kontext für uninformierte Leser geschaffen.

Das Buch beginnt damit, dass das Kolonieschiff Magellan nach seinem Raumzeitsprung zu einer neuen Kolonie an einem anderen Ort ist, als eigentlich gedacht war. Bevor dieses Mysterium geklärt wird, endet jedoch der Epilog und die Handlung setzt ein paar Monate zuvor ein.
Zoe wohnt auf einem Agrarplaneten, als ein General der Kolonialen Verteidigungsarmee ihren Adoptiveltern anbietet, eine neue Kolonie zu leiten. Diese sagen nach reiflicher Überlegung zu und Zoe macht sich auf die Reise, auf der sie einige andere Jugendliche kennenlernt, die ebenfalls in der neuen Kolonie leben werden. Ein Planet, auf dem sie sich bedeckt halten müssen, damit die Konklave sie nicht findet. Die Konklave ist schließlich eine Gruppierung feindlicher Außerirdischer. Doch Gut und Böse sind nicht annähernd so einfach verteilt, wie man denken mag...
Neben diesem Handlungsstrang gibt es noch jede Menge Nebenhandlungen, die sich darum drehen, wie Zoe mit ihrer Macht und ihrem Einfluss auf eine bestimmte nichtmenschliche Spezies umgeht; wie sie die Entbehrungen des Kolonistenlebens übersteht; welche Beziehung sie zu ihren Adoptiveltern hat; und eben auch, wie sie sich verliebt. Das Ganze wäre furchtbar kitschig, wenn die junge Zoe nicht zufälligerweise der vermutlich sarkastischste Mensch des beobachtbaren Universums wäre. Allein ihre Randkommentare und inner Handlung halten auch Leser bei der Stange, die wenig für Romantik übrig haben. Hinzukommt eine gewisse Weisheit, die untypisch für Leute in ihrem Alter ist. Aber Zoe hat ja in den zwei vorheringen Büchern auch einiges erlebt.

Der Text ist generell sehr packend und begeisternd geschrieben. Die Übersetzung ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gut gelungen. Nur der Titel, der wie der Versuch klingt, zweitklassige Science-Fiction dem Leser schmackhaft zu machen, ist nach Ansicht des Rezensenten ein absoluter Missgriff. Er verdeutlicht auch nicht, dass es um die Handlung der Letzten Kolonie aus Zoes Sicht geht. Das könnte Fans der Serie verägern, die denken, eine Fortsetzung der Handlung zu kaufen.

Fazit:
Ein absolut lesenswertes Buch, dessen Autor mir noch mehrere Stunden Schlaf schuldet.




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