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Bushido
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 12.08.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Michael Nietzer, Oliver Wolf, Verlag: GameHeads GmbH, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 34,95 €


Auch wenn die Spielbox äußerlich unverdächtig daherkommt, hat sie es in sich. Schon das Herauslösen aller Stanzteile aus den Formen ist eine zeitraubende Aufgabe und lässt erahnen, dass die Spielzeitangabe des Verlags von einer bis zwei Stunden zutreffend ist.
Die Spielausstattung ist ohne Fehl und Tadel, das Design ansprechend und themengemäß gelungen. Die Spielfläche für die Eroberungsfeldzüge wird - dem Siedlerprinzip ähnlich - aus Sechsecken, die jeweils eine Provinz zeigen, aufgebaut. Alle anderen Spielhandlungen werden auf einem zusätzlichen faltbaren Spielbrett dargestellt.

Bushido - Der Weg des Kriegers taucht ab in die Welt der Samurai und Shogun des 16. Jahrhunderts. Wer dem Weg des Kriegers am besten folgt und dessen Werte damit verkörpert, wird am Ende vom Kaiser zum neuen Shogun ernannt.
Der Weg dorthin ist für ein Eroberungsspiel aber in einem Punkt ungewöhnlich: Die für die Gunst beim Kaiser wichtige Ehre sammeln die Daimyos als Planer ihrer Feldzüge nicht direkt. In jeder neuen Runde wechselt der Status des Daimyo auf einen anderen Spieler, der dann die Rollen der anderen Spieler festlegt. Die Truppen des Daimyo befehligt z.B. der Samurai. Der Bushi ist sein Gegner und versucht die Angriffe abzuwehren. Der Sensei berät den Daimyo, während der Hatamoto Unruhe im Land stiftet. Damit sucht sich der Daimyo für seine Spielrunde also sowohl die Verbündeten als auch seine Feinde aus. Die Spieleranzahl bestimmt dabei auch ein wenig die Rollenverteilung mit. Einen Hatamoto gibt es beispielsweise nur bei fünf Spielern. Treten nur drei Spieler gegeneinander an, fällt dem Bushi oder dem Samurai auch die Rolle des Sensei zu.
Gekämpft wird jede Runde um eine Provinz, die unterschiedliche Truppenzahlen und Verstärkungen für ihren effektiven Einsatz gewährt. Dabei unterscheiden sich die Provinzen in der Zahl der Punkte, die sie für Truppen bringen oder in der Zahl an Reiseinheiten, mit denen Truppen verpflegt werden. Entscheidend für die Wertung am Ende ist aber allein die Anzahl der Ehrpunkte (2-10), die die Provinzen im Wettrennen um den Posten des Shoguns (50 Punkte sind dafür nötig) wert sind.
Ungewöhnlich im Kampfgeschehen ist die Tatsache, dass der Samurai alleine die Kampftaktik bestimmt und mit seinen Verstärkungsplättchen die Truppen verbessern muss. Verliert er den Kampf, kann der Daimyo auf Rat des Sensei den Verlust von zwei bis zehn Ehrpunkten des Samurais verlangen oder den rituellen Selbstmord (Seppuku), bei dem der Samurai alle Ehrpunkte verliert. In beiden Fällen gewinnt der Bushi die Ehrpunkte für den Kampf. Gewinnt der Samurai, bekommt er die Ehrpunkte aus dem Kampf, während der Daimyo die Ehrpunkte aus dem Wert der Provinz einstreicht.
Ehrpunkte fließen aber nur in die Wertung ein, wenn sie dem Daimyo gehören. Dazu kann jeder Spieler in seiner Daimyo-Phase Ehrpunkte aus seiner Tätigkeit als Samurai im Rahmen einer Teezeremonie umwandeln. Übrige Katanamarker (kennzeichnen Truppenstärken) können zudem zum Ehrpunktekauf genutzt werden.
Dieser Kernmechanismus wird mit einer Vielzahl taktischer Varianten und Modifikationen jede Runde durchgeführt. Zwölf Runden insgesamt (modifizierbar) werden gespielt, bevor die Endabrechnung gemacht wird.

Sehr gefallen hat mir neben der Stimmigkeit von Bushido vor allem die Vielfalt der Möglichkeiten, die das Spiel bietet. So kann man den Daimyo durch eine Geisha vom Eroberungsfeldzug ablenken, geheime Taktikscheiben und Marker hinter den Sichtschirmen der Mitspieler mit einem Shinobi ausspionieren oder einen Ronin zum Einsatz bringen und Aufstände anzetteln. Mit einem Kotau kann man die Kaiser beeinflussen und so die Spielzeit verkürzen oder verlängern, und, und, und... Natürlich ist das Studium der Spielanleitung dadurch eine langwierige Sache, aber die anschaulichen Beispiele und die eingefügte kurze Übersicht über den Ablauf einer Runde erleichtern die Lektüre merklich.

Fazit: Bushido - Der Weg des Kriegers ist ein durchweg gelungenes Eroberungsspiel. Es kann in Ausstattung, Grafik und Stimmigkeit des Spielmechanismus überzeugen. Außerdem hebt es sich von der Konkurrenz durch originelle Detaillösungen wie etwa der Rollenverteilung ab. Durch diese Eigentümlichkeit, die zahlreichen spielerischen Möglichkeiten und das stets neu zusammengestellte Spielfeld hat Bushido außerdem einen sehr hohen Wiederspielwert. Für Freunde des Taktikspiels ist dieses Spielehighlight deshalb sehr zu empfehlen.




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