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Im Wandel der Zeiten
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 14.04.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Vlaada Chvátil, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2009, Preis: 39,95 Euro


Eine Zivilisation durch den Wandel der Zeiten zu führen und einen bleibenden Eindruck in der Geschichte zu hinterlassen, diesen Traum können sich zwei bis vier Spieler nun erfüllen. Erfindungen, Religion, Politik, Attentate, große Anführer, Kriege und noch vieles mehr begleiten sie dabei auf ihrem langen Weg.

In der recht großen und sehr schön gestalteten Spielschachtel befinden sich neben dem Spielplan 341 Spielkarten und 315 Spielsteine aus Holz. Des Weiteren gibt es für jeden Spieler ein Zivilisationsbrett und eine zweiseitig bedruckte Übersichtstafel. Auf dem Spielplan befinden sich diverse Felder zur Ablage der Spielkarten, sowie Leisten zur Markierung von Punkten in verschiedenen Kategorien. Die Spielkarten unterteilen sich in vier Zeitalter und darunter wiederum in Zivilkarten und Militärkarten. Es können also insgesamt acht Stapel gebildet werden.
Die farbige Spielanleitung ist mit 32 Seiten zunächst sehr umfangreich und unterteilt sich in eine Einführung, das Einstiegsspiel (was den größten Teil der Anleitung einnimmt), das Fortgeschrittenenspiel und das Expertenspiel.

Der Spielplan kommt in die Mitte und jeder Spieler erhält eine Zivilisationstafel. Diese wird nach bestimmten Vorgaben grundbestückt und zeigt die jeweilige Bevölkerung, Rohstoffe, Regierungsform, Militär, Technologien und Gebäude an. Im Einstiegsspiel werden nur die Karten des ersten Zeitalters (Antike) und die Zivilkarten des zweiten Zeitalters (Mittelalter) verwendet. Die Kartenreihe auf dem Spielplan wird offen mit Zivilkarten aufgefüllt.
In der ersten Spielrunde können die Spieler nur aus den ausliegenden Zivilkarten auswählen und auf die Hand nehmen. Die offenen Zivilkarten werden von jedem Spieler zu Beginn seiner Runde wieder aufgefüllt. Ab der zweiten Runde können dann Aktionen ausgeführt werden. Jeder Spieler hat pro Runde eine bestimmte Anzahl an Zivil- und Militäraktionen. Damit können zum Beispiel die Bevölkerung erhöht oder Farmen, Minen, städtische Gebäude und Wunder gebaut werden. Außerdem kann man eine neue Technologie entdecken, Gebäude verbessern, einen Anführer ins Spiel bringen, eine Aktionskarte spielen oder Zivilkarten aus der Kartenreihe nehmen. Mittels der Militäraktionen werden militärische Einheiten aufgestellt oder verbessert. Die Aktionen machen das eigentliche Spiel aus. Diese einzelnen zu beschreiben würde hier zu weit führen.
Im Anschluss folgt die Phase "Produktion und Versorgung". Hier erhält der Spieler anhand der Gebäude und Errungenschaften seiner Zivilisation Wissenschafts- und Kulturpunkte. Letztere sind die Siegpunkte um das Spiel zu gewinnen. Außerdem erfolgen hier die Nahrungs- und Rohstoffproduktion, sowie die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrung.
Ab der dritten Spielrunde können auch Ereignisse eintreten. Hierzu deckt der Startspieler eine der Militärkarten aus dem ersten Zeitalter auf. Noch sind diese Ereignisse stets positiv und gelten für alle Spieler gleichermaßen.
Das Einstiegsspiel endet mit der Runde, in dem die letzte Zivilkarte in die offene Reihe gelegt wird. Zum Schluss gibt es noch einmal zusätzliche Kulturpunkte, zum Beispiel für Technologien und Militär.

Im Fortgeschrittenenspiel können die Spieler in jeder Runde eine politische Aktion ausführen, oder Taktiken spielen um ihre Einheiten zu formieren. Zudem müssen sie ihre Bevölkerung glücklich halten und auf Korruption achten. Bestimmte Dinge altern und verschwinden somit am Ende eines Zeitalters. Außerdem wird ein weiteres Zeitalter (der Entdeckungen) gespielt. Besonders interessant sind hierbei die "Politischen Aktionen", weil dadurch diesmal die Ereignisse von den Spielern beeinflusst werden können und die militärische Stärke hierbei eine wesentliche Rolle spielt.
Im Expertenspiel kommen neben dem letzen Zeitalter (die Moderne) noch die Luftwaffe und die Möglichkeit Kriege zu führen hinzu.
Die Spielanleitung bietet zum Schluss einige interessante Varianten an, um das Spiel auf die persönlichen Belange oder auf die Spielrunde optimal anzupassen.

Die Schachtel hat leider keine Einteilung, so dass die vielen Spielkarten lose darin herumfliegen. Das Beifügen von ein paar so genannten "Zipp-Tütchen", wie es heute oft üblich ist, hätte auf einfache Weise Abhilfe geleistet. Der Spielplan ist funktionell gestaltet, jedoch unnötig überdimensioniert. Zusammen mit den Zivilisationsbrettern und den darum platzierten Spielkarten, reicht ein normal großer Tisch zum Spielen nicht aus.
Die farbige und mit vielen Beispielen versehene Spielanleitung ist verständlich und sehr detailliert geschrieben. Wichtige Spielmechanismen werden zusammengefasst und in gelben Kästchen hervorgehoben. Zunächst werden im Einstiegsspiel die grundsätzlichen Abläufe und die Aktionsmöglichkeiten beschrieben. Drauf aufbauend folgen die zusätzlichen Regeln für das Fortgeschrittenen- und das Expertenspiel. Nach ein- bis zweimaligen Durchlesen und einem ersten Probespiel sind die Regeln schnell verstanden und die Abläufe verinnerlicht. Unterstütz werden die Spieler während des Spieles dabei durch die guten Übersichtstafeln. Sehr gut gemacht ist die Einteilung in Einstiegs-, Fortgeschrittenen- und Expertenspiel. Darauf aufbauend lässt sich das Spiel noch schneller lernen. Bereits das Einstiegsspiel bietet viel Spaß und ist zu zweit in ein bis zwei Stunden zu schaffen. Im Fortgeschrittenenspiel kommen noch mal wesentliche Elemente dazu, die das Spiel erst richtig interessant machen. Natürlich verlängert sich die Spielzeit entsprechend. Noch etwas mehr Sitzfleisch braucht man beim Expertenspiel, dafür kommt man aber auch in den vollen Spielgenuss.
Bereits zu zweit lässt sich Im Wandel der Zeiten hervorragend spielen. Mit zunehmender Spielerzahl erhöht sich auch die Spielzeit und bei vier Spielern können die Wartezeiten schon mal etwas zu lang werden.
Im Wandel der Zeiten lässt viele Strategien zu, die zum Sieg führen. Setzt man mehr auf Religion, Produktion oder Technologien? Baut man wichtige Wunder, erwirbt starke Anführer oder setzt auf eine große Militärmacht? Dabei muss immer für ausreichend und gut versorgte Bevölkerung gesorgt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig und nicht alle stehen immer zur Verfügung. So wird die eigene Strategie auch durch die Kartenauslage beeinflusst. Manchmal kann es passieren, dass ein Spieler anfängt seine Militärmacht auszubauen, was dazu führt, dass die anderen mitziehen oder sogar noch mehr ausbauen. Es entsteht eine Art "Kalter Krieg" und alle sind nur mit Wettrüsten beschäftigt, was zu Lasten der eigenen Zivilisation geht. Dies kann dann zwar für die Spieler etwas unbefriedigend sein, aber auch hier ist Realismus gegeben.
Im Wandel der Zeiten ist kein kriegerisches Spiel, sondern beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Aufbau und der Entwicklung der eigenen Zivilisation. Dabei wird genug Abwechslung geboten, da jedes Spiel anders verläuft.
Natürlich spielt jeder zunächst für sich selbst und versucht am Ende die erfolgreichste Zivilisation zu besitzen. Jedoch ist genug Interaktion durch die Auswahl der Zivilkarten (schnell wird mal eine interessante Karten von einem Mitspieler weggeschnappt) und durch Politik (Beeinflussung der Ereignisse) geboten. Außerdem muss man mit seiner Militärmacht möglichst immer mit den Spielern mithalten, um neue Territorien kolonisieren zu können und um Konflikte oder gar Kriege zu überstehen.

Fazit:
Im Wandel der Zeiten ist ein realistisches Zivilisationsspiel, welches ganz ohne Landkarte und Eroberungen auskommt. Die Spielzeit schwankt nach Art des Spieles und mit der Spielerzahl, hält sich aber für dieses Genre in Grenzen. Man bekommt insgesamt ein sehr gutes und rundum stimmiges Spiel zu einem fairen Preis.




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