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Verschlusssache (HC)
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 18.04.2009, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Christopher Lang (Redaktion), Oliver Adam, Marc Buscher, Stefan Frank, Andreas Mehlhorn, Jens-Christian Seele, Matthias Treder, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 140, Erschienen: 2009, Preis: 24,95 Euro


Verschlusssache stellt im Großen und Ganzen das investigative Spielerhandbuch für Cthulhu Now dar. Das Produkt zeigt innen wie außen das gewohnt düstere "Now"-Design und ist optisch wie immer über jeden Zweifel erhaben. Doch stimmt auch der Inhalt?

Insgesamt ist das Buch inklusive Soloabenteuer in neun Kapitel eingeteilt, die sich rund um das Ermitteln in der Jetztzeit drehen. Den Einstieg bildet der "Werdegang eines Ermittlers" mit der klassischen Charaktererschaffung. Was geschah vor der Geburt, wie entwickelt sich der Mensch zu dem, was er heute im Spiel darstellt und vor allem welche Macken hat er im Lauf des Lebens davongetragen? So findet der Leser zahlreiche Tabellen, die einem das Leben erleichtern, aber auch zur Hölle machen können. Dabei sollte beachtet werden, dass das Ergebnis am Spieltisch nicht eine Horde von sechsfingrigen Freaks ist, die durch unbefleckte Empfängnis auf die Welt gekommen sind und einen Flugzeugabsturz überlebt haben (denn das ist durchaus möglich). Ein noch so verwirrender Lebenslauf sollte zudem mit "Fleisch" versehen werden und die Konsequenzen gut durchdacht sein. Über den Sinn und Zweck mancher Tabellen darf man sich durchaus streiten, ein Muss sind sie ja sowieso nicht. Gut gewürzt werden die einzelnen Unterpunkte mit fiktiven Zitaten des Stefan Wender bei einer psychologischen Sitzung. Diese geben gleich Bespiele, wie die gewürfelten Ereignisse in den Hintergrund eingebunden werden können.

Kapitel zwei dreht sich dann um den Beruf des "professionellen Ermittlers", vom normalen Polizisten bis zum kirchlichen Agenten. Neben den sehr detailreichen Beschreibungen vor allem zu den deutschen Berufen, gibt es zahlreiche Archetypen, an denen sich der Spieler orientieren kann. Aber auch für den Spielleiter stellen diese Intermezzos eine große Hilfe dar, wenn es ans glaubwürdige Ausformulieren von Abenteuern geht beziehungsweise wenn beim Improvisieren ein NSC schnell zur Hand sein muss.

Es folgen "Ermittler ohne Dienstmarke". Das Kapitel ist ähnlich aufgebaut wie das vorherige, jedoch kommen ganz entscheidende andere Punkte zum Tragen: Was motiviert diese Privatpersonen und wie agieren sie an der Grenze der Legalität oder darüber hinaus? Dies und vieles mehr wird anschaulich beschrieben und auch wieder mit den nötigen NSC untermauert – Lone Gunman lässt grüßen.

Nachdem der Leser erfahren hat, wer denn da so alles ermittelt, geht es nun an die "Ermittlungsmethoden". Mit nur sechs Seiten ist dieses Kapitel zwar recht knapp, dennoch stellt es einen wichtigen Punkt nicht nur in diesem Buch, sondern vor allem im Spiel selbst dar. Es kommt nur allzu oft vor, dass Charaktere Nachforschungen anstellen, aber weder sie noch der Spielleiter genau wissen wie bestimmte Vorgänge zum Beispiel rechtlich abgesichert sind oder praktisch vonstatten gehen. Hier hilft ein Blick ins Buch und die notwendigen Details sind geklärt.

Im folgenden Kapitel geht es um "das große Spiel", die globale Welt von Cthulhu Now. Ist der Ermittler nur Spielball der Geschehnisse oder weiß er seine Chancen zu nutzen? Hier wird unter anderem geklärt, welche Möglichkeiten das Internet bietet, wie Medien manipulieren oder wie man sich in militärischen Konflikten die richtigen Instanzen zu Nutzen macht bzw. von welchen man besser die Finger lässt.

In "Ermittlungen im Mythos und Okkulten" kann sich der Leser dann wieder auf die Basics besinnen. Wo verstecken sich die alten Folianten, die man so sehr begehrt? Wer weiß das darin vorhandene Wissen richtig zu deuten und welche Chancen bietet auch hier die digitale Welt?
Die nötige Hardware finden Ermittler dann in "Ermittlungsausrüstung". Man erfährt gut gegliedert, welche Technik vorhanden ist, welche entwickelt wird und wo man diese für welchen Preis bekommen kann. Leidige Themen, die zu langen Diskussionen am Spieltisch führen können werden hier geklärt. Dabei darf ein wenig Science-Fiction nicht fehlen und Freunde von Douglas Adams dürfen sich auf den Universalübersetzer der Firma Babel&Fish freuen. Regeltechnisch findet sich zudem eine optionale Anleitung zum Hacken von Computern und Netzwerken.

Ein kleines Schmankerl stellt das Soloabenteuer "Die Kirche der Wiedererweckung" dar. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Kriminalkommissars Hubert Handt, der seine Tochter an eine religiöse Sekte zu verlieren droht. Doch er hat auch mit einem Todesfall in einer zwielichtigen Disco zu kämpfen. Oder hängt beides etwa zusammen? Dem Leser wird die Situation des Polizisten sehr gut nahe gebracht. Immer wieder fühlt sich der Spieler alleine in einer bedrückenden, glaubwürdigen Atmosphäre und schwankt zwischen Handlungsalternativen. Auch nach mehrmaligem Spielen wird das Abenteuer nicht langweilig, denn es trifft den Nerv Cthulhu Nows präzise.
Das Buch endet mit "Hinweise für den Spielleiter" und interessanten Methoden, wie das Gelesene im Spiel gekonnt umgesetzt wird, so dass Ermittlungen nicht zum 08/15-Vorgehen in der Gruppe werden, sondern durch ein paar kleine, einfach Tricks abwechslungsreich und spannend bleiben.

Fazit: Wie bei allen ergänzenden Büchern für Spieler lässt sich über deren Sinn und Zweck diskutieren. Ich bin für gewöhnlich jemand, der sich gegen solchen Bücher ausspricht, muss mich an dieser Stelle aber im Bezug auf das Produkt korrigieren. Denn allzu oft ist es mir als Cthulhu-Spielleiter schon vorgekommen, dass bestimmtes Spezialwissen im grauen Bereich verschwindet und man die Spieler mit Mutmaßungen abspeisen muss. Aber auch darüber hinaus gibt Verschlusssache Spielern wie Spielleitern reichlich Material an die Hand, ist also nicht ausschließlich ein Spielerhandbuch. Da gerade das Ermitteln in H.P.Lovecraft’s Cthulhu einen wichtigen Part ausmacht, sei jedem zu diesem Buch geraten, der das Investigative glaubwürdig darstellen will.




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