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Myranische Magie
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 03.05.2009, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Olaf Michael, Christian Saßenscheidt, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 252, Erschienen: 2009, Preis: 40,00 Euro


Magie und ihre Beherrschung macht schon seit Tolkien einen festen Bestandteil dessen aus, was man sich für gewöhnlich unter Fantasy vorstellt. So gibt es auch in Dere, der Welt des Schwarzen Auges, jede Menge Magier und magischer Wesen.
Dennoch war die Idee bei der Hintergrundwelt Myranor von Anfang an, eine etwas andere Umgebung für das Fantasy-Rollenspiel zu bieten. Deshalb sollte auch die Magie Myranors deutlich anderes sein als die Aventuriens. Diese wurde nun von Ulisses mit einem eigenständigen Quellenbuch versehen.

Das Quellenbuch Myranische Magie stellt ein Magiesystem vor, dass sich durch Beschwörungen auszeichnet. Magische Macht wird aus verschiedenen Quellen (z.B. der Sphäre der Elemente) gezogen. Dabei werden entweder magische Essenzen beschworen und eingesetzt oder gleich magische Wesenheiten herbei gerufen und versklavt.
Auf diesem Grundprinzip ist eine ganze Vielzahl verschiedener Beschwörungen und auch Magieschulen aufgebaut. So unterteilt sich die Magiergemeinschaft Myranors in optimatische Magier, die ihre Macht aus den Sphären beziehen, in animistische Zauberwirker, die sich auf die Macht der Naturgeister verlassen, und in weniger verbreitete Traditionen, wie die Magie der maritimen Rassen.
Das vorgestellte System der Beschwörungsmagie ist vor allem im Vergleich zur starren Spruchmagie Aventuriens sehr frei und flexibel gehalten. Neben gut bekannten, so genannten formalen Instruktionen, die mit den Zaubersprüchen Aventuriens vergleichbar sind, sind Spieler und Spielleiter auch Regeln an die Hand gegeben, wie man den beschworenen Mächten beliebige magische Dienste abverlangen kann. Diese sind anschaulich beschrieben und in typischen DSA-Geflogenheiten sehr detailliert gehalten, was einerseits einen klaren Regelrahmen liefert, andererseits aber auch deutlich mehr der Entscheidung des Spielleiter unterstellt werden könnte.

Neben Beschreibungen der formalen Instruktionen (festgelegten Zaubersprüche) und spontanen Instruktionen (freiere Magie) findet sich in dem Quellenband auch noch eine längere Abhandlung zu den magischen Wesen, die zum Dienste für den Beschwörer verpflichtet werden können. Diese sind vielfältig gehalten und gut beschrieben und mit Regeln und Werten versehen.
Des Weiteren wird Ritualmagie beschrieben, zu der beispielsweise Objektverzauberung oder das Erwerben von Vertrauten gehört. Dieser Abschnitt ist recht knapp gehalten, enthält aber dennoch alles Wichtige. Da Ritualmagie eher selten eingesetzt wird, scheint dies durchaus angemessen.

Zusätzlich zu diesen, vor allem regeltechnischen Themen, findet sich in dem Buch auch Hintergrundmaterial. So werden die verschiedenen Magiewirkertraditionen ausführlich beschrieben. Außerdem finden sich kurze, aber nützliche Abhandlungen zum Einsatz von Büchern über Magie, zu magischen Wesen, Legenden und Phänomenen in Myranor, sowie zu der alt bekannten Frage, ob und wenn ja, wie man einen gefallenen Helden wieder unter die Lebenden holt. Somit liefert das Werk nicht bloß eine reine Regelabhandlung, sondern gewährt auch Einblicke in die Hintergrundwelt und gibt Anregungen zu möglichen Abenteuern.

Der Inhalt des Quellenbands wird durch die Aufmachung, die von stilvollem Minimalismus geprägt ist, gut unterstützt. Die Grafiken in Graustufen sind allesamt sehr schön gezeichnet, es könnte jedoch mehr von ihnen geben. Ein kleines Manko ist das Inhaltsverzeichnis, das keinerlei Unterkapitel aufführt, was jedoch durch einen recht brauchbaren Index ausgeglichen wird.

Eines sollte zu dem gelungenen Quellenbuch jedoch noch ganz klar erwähnt werden: Alles neu macht Ulisses. Ob es ein Zufall ist, dass dies gerade unter neuer Schirmherrschaft geschieht, oder nicht: Myranische Magie wirft alles über den Haufen, was im Grundbuch Myranor über Magie zu lesen ist. Die Regeln werden einfach gestrichen und durch die neuen ersetzt.
Das hat den klaren Vorteil, dass der Anspruch Myranors, eine besondere Hintergrundwelt zu sein, deutlich klarer herausgearbeitet wird, bringt aber Inkonsistenzen mit sich. Wer bisher schon einen Magier in Myranor spielt, der muss diesen anpassen. Die Veränderungen sind so groß, dass das Quellenbuch trotz einer Abhandlung, wie eine solche Anpassung vonstatten gehen kann, vorschlägt, den Magier von Grund auf neu zu erstellen und dann mit den entsprechenden AP zu steigern, so dass sich zwar die Figur innerhalb der Welt nicht stark zu ändern braucht, ihr gesamter Regelrahmen jedoch umgestaltet wird.

Fazit:
Das Quellenbuch Myranische Magie liefert viele gute Ideen und Ansätze. Mit seiner passenden und stimmungsvollen Umsetzung stellt es für jede Gruppe, die in Myranor spielt, ein Muss dar. Für alle Anderen hingegen nutzt es wenig. Wegen des radikal unterschiedlichen Umgangs mit Magie kann nur wenig aus dem Werk für Aventurien übernommen werden, was den Preis von 40 € nicht wirklich rechtfertigt.




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