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Mahlstrom
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 26.02.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Peter Watts, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 511, Erschienen: 2009, Preis: 9,95 Euro


Mahlstrom ist der zweite Band der Rifter-Trilogie aus der Feder Peter Watts’. Wie bereits im ersten Band, verbindet der Autor seinen ehemaligen Beruf, Meeresbiologe, mit seinem neuen Beruf, Schriftsteller. Dass er diesmal die Tiefen des Meeres verlässt, erkennt man bereits am Cover. Gerade für dieses neue Element, die Oberfläche, hat sich Peter Watts bei verschiedenen Experten Rat geholt, wie man in den Danksagungen am Ende des Buches nachlesen kann.

Das Buch selbst ist in fünf Teile aufgeteilt, ein knapper Prolog, drei Hauptkapitel, die selbst noch mal in verschiedene Unterkapitel aufgeteilt sind, und ein Epilog. Dazu gibt es noch die schon erwähnten Danksagungen und ein Kapitel für Quellenangaben und Erläuterungen.

Nachdem der Leser am Ende des letzten Bandes mit vielen Fragen zurückgelassen wurde, gerade eine Bombe dazu genutzt wurde die Quelle einer gefährlichen Seuche auszulöschen und dabei ganz nebenbei auch noch eine Flutwelle auslöste, beginnt Mahlstrom mit den direkten Konsequenzen der Explosion und der Rechtfertigung. Lenies Vorgesetzte Patricia Rowan ist das Monster, dass für die vielen Tote verantwortlich ist und gerade das macht sie zu einem Hauptcharakter dieses Buches, wenn auch eher als Antagonist.

Die drei Hauptkapitel bringen schließlich einige Hauptcharaktere aus Abgrund zurück. Lenie, die der Bombe entkommen und nun an Land gegangen ist, ist eine davon. Lubin, ein professioneller Killer, der andere. An getrennten Orten und mit komplett unterschiedlichen Zielen beginnen die beiden ihre Reise auf festem Boden. Dazu kommen dann noch vier weitere Protagonisten. Sou-Hon Perreaults, eine Mitarbeiterin der Regierung, die sich einen Überblick über Zerstörung, Opfer und Flüchtlinge machen soll und dabei dem Phänomen Lenie Clark verfällt. Achilles Desjardins, ein offizieller Gesetzesbrecher, dessen Entscheidungen ohne Schuldgefühle, über Menschenleben entscheiden und der sich den Dingen zuwenden muss, die Lenie Clarke von Unterwasser mitgebracht hat. Gerade die Kombination seines Berufes und Lenie Clarke führen auch ihn dem Phänomen zu und verändern sein Leben drastisch. Direkt dazu gibt es dann noch Alice Jovellanos, eine Mitarbeiterin Achilles’, hinter der mehr steckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Sie ist auch ein Grund für Achilles’ Entwicklung. Zu guter letzt gibt es dann noch 96, dessen Name sich des Öfteren im Verlauf des Buches ändert. Die Namensänderung kommt daher, dass die Zahl seine Größe repräsentiert und da er stetig wächst, muss sich der Name eben anpassen. 96 ist ein Virus, der das Phänomen Lenie Clark erst richtig zum Phänomen macht.

Das Phänomen Lenie Clark, Meerjungfrau, Bringerin der Apokalypse, Prophetin und Heldin der Welt, oft alles zur selben Zeit, ist natürlich der Hauptakteur der Buches und ihre Kindheitserinnerungen vom Missbrauch durch ihren Vater treiben sie nicht nur an Land sondern auch dorthin, wo alles begann. Dabei ist dies nicht nur eine Reise mit Hindernissen sondern auch eine Reise zu sich selbst, die mehr offenbart, als man erwartet. Natürlich darf man nicht vergessen, dass sie ein Menschen vernichtendes Etwas in sich trägt und deshalb gejagt wird. Gerade ihre kreierte Berühmtheit führt dann aber dazu, dass eine wachsende Fangemeinde sie beschützt.

Während das Buch und die Welt dem Ende zusteuern, kreuzen sich immer mehr die Pfade der verschiedenen Hauptcharaktere und ganz im Gegensatz zum ersten Buch, wo sich alle, mehr oder weniger trennen, enden die drei Kapitel in einem großen Finale, dass nur noch durch den Epilog übertroffen wird. Beides macht Lust auf mehr und zum Glück gibt es noch einen Band zum Abschluss.

Betrachtet man die Gesellschaft und die Regierungen des Buches nun genauer, und das ist auch erst in diesem Band möglich, sieht man Parallelen zu dystopischen Romanen wie 1984 und Schöne Neue Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Versuchen einmal wieder etwas in dieser Art zu machen, ist dies hier sogar gelungen, denn Peter Watts lässt sich mit diesen Anleihen bis zum zweiten Band Zeit.

Die Charaktere haben, wie im ersten Band auch schon, sehr viel Tiefe und man weiß gar nicht, mit wem man sich eher identifizieren und mit wem man mitfiebern soll und ist dann am Ende froh, dass einem die Entscheidung abgenommen wird. Die Entwicklung der Charaktere ist interessant, gut beschrieben und man freut sich schon auf weitere Entwicklungen.

Fazit: Mahlstrom ist der absolut gelungene Fortsetzungsband der Rifter-Trilogie. Die Charaktere sind keineswegs flach sondern rund und äußerst interessant. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss und der Einbezug des dystopischen Hintergrunds einfach eine super Abrundung des Gesamtprodukts. Bleibt nur noch eine Frage, wann kommt der dritte Band?




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