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Sin City 4: Dieser feige Bastard
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 10.02.2009, Serie: Belletristik, Autor(en): Frank Miller, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 256, Erschienen: 2005, Preis: 24,90 €


"Ich nehme ihm seine Waffen weg – alle beide"

Der vierte Teil des Kultserie aus der Feder Frank Millers ist der bisher umfangreichste. Auch er ist einer von drei Teilen, welche im Kinofilm behandelt werden und er geizt wie immer nicht mit Stil.

Wo die ersten Bände den übertakteten Daredevil Marv, die organisierten Mädels aus der Altstadt, sowie den in Liebe blinden Dwight behandelten, dreht sich der vorliegende Band um einen der wenigen ehrlichen Cops in Basin City, die Stadt, die alle nur "Sin City" nennen.

Hartigan ist krank und dieser Tag sollte sein letzter im Dienste der Polizei werden. Er freut sich schon auf seine Frau und das fette Steak, welche zuhause auf ihn warten, doch diese eine Sache muss er noch zu Ende bringen. Die kleine Nancy Callahan befindet sich in den Klauen eines perfideren Gesellen mit Kontakten in höchste Ebenen. Dieser ist der Sohn des Senators und Hartigan ist gewillt, dem an seinem letzten Tag ein Ende zu setzen. Als ihn dann die Schüsse seines eigenen Kollegen in den Rücken treffen, weiß er genau, dass er allein auf weiter Flur kämpft und verlieren wird. Man verurteilt ihn wegen Mord und Vergewaltigung und er nimmt es hin, denn er weiß, dass er das kleine Mädchen vor dem Tot bewahrt hat - die kleine Nancy Callahan.
Doch sie kriegen ihn klein und in seiner Angst um Nancy liefert er seinen Verfolgern genau die Spur, auf welche sie seit Jahren warten. Eine Spur in eine verrauchte Kaschemme und als sich Hartigans und Nancys Augen treffen, weiß der ehemalige Cop, dass die Schlacht eben erst begonnen hat. Denn Junior folgt ihm auf Schritt und Tritt. Der Sohn des Senators mag sich ein wenig verändert haben, aber er hat nicht vergessen, wie Hartigan ihn zugerichtet hat. Und er will Vergeltung.
Sollen sie doch kommen die Rourkes, die Creeps, die Senatoren und korrupten Bullen, Sin City frisst sie alle mit einem großen Biss und schluckt sie runter ohne zu kauen.

Band Nummer vier der Serie ist in vielerlei Hinsicht ein wenig anders als seine Vorgänger. Zum einen finden sich weit mehr großformatige Zeichnungen im Buch, was die Zeichentechnik Millers hervorragend zur Geltung kommen lässt. Zum anderen kommt endlich Farbe ins Spiel, wie wir es von der Kinoadaption kennen. Natürlich wird im Noir-Genre nicht wild koloriert, es kommt nur eine einzige Farbe zum Hervorheben spezieller Dinge zum Einsatz. Es ist die Farbe gelb - gelb wie Gift und Galle, gelb wie Schwefel und pure Abscheu, gelb wie der Freak, der aus dem Sohn des Senators geworden ist. Man sollte meinen, dass sich der Leser über die frische Farbe freut, hat ihn der Künstler doch bisher nur mit Schatten umgeben. Pustekuchen, instinktiv verspürt man Abscheu und Ekel, wenn Miller seine dicken schwarzen und weißen Flächen feinfühlig mit Farbe versieht.

Fazit: Die Story ist wie immer gut durchdacht, mit reichlich Spannung und Action versehen und mit schwarzem Humor ganz ordentlich gewürzt, eben ganz so wie man Frank Miller kennt und schätzt.
Nach dem vierten Band ist nun wirklich klar, dass Sin City zu dem Besten gehört, was es an Graphic Novels gibt. Wer das Überdrehte liebt, darf hier ruhig großzügig zugreifen. Nur allzu schnell ist der Band verschlungen, doch das Ende wirkt noch lange nach.




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