Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Midgard » Abenteuer » Der Stab der drei Jahreszeiten mit Spielleiterschirm

Der Stab der drei Jahreszeiten mit Spielleiterschirm
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 17.03.2009, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jürgen E. Franke, Verlag: Verlag für F&SF Spiele, Seiten: 56 (inkl. Spielleiterschirm,), Erschienen: 2009, Preis: 19,95 Euro


Die Motivation, die zu diesem Set geführt hat und seine Ziele lohnen eine Schwerpunktbetrachtung. Und dazu muss ich etwas ausholen:

Als 1984 mit dem Schwarzen Auge (DSA) der deutsche Rollenspielboom richtig in Gang kam, waren Abenteuer noch sehr simpel aufgebaut. Es gab einen klaren Auftrag, eine weitgehend lineare Handlung und Dungeons, Dungeons, Dungeons. Egal, ob der Spielort ein Wald, ein Schiff, eine Burg oder eine Landschaft war - alles war aufgebaut wie die aus den alten Cosims hervorgegangene Urform aller Abenteuer.
Waren die Module zu Beginn noch stimmungsvoll und naiv spielerisch verfasst, führte die monotone Struktur und die oft kämpferische Ausrichtung bald zur totalen Abkehr der Szene von dieser Modulgattung. Fortan rückten ausladende Geschichten in den Vordergrund. Detektivische Elemente wurden wichtiger. Die Kampagnen wurden geboren und ersetzten die überschaubaren Einzelabenteuer bald fast überall. Man hatte gemerkt, dass die Rollenspielszene auch Mengen an älteren Spielern umfasste und zollte dem Tribut.
Als dann die großen Rollenspielsysteme ins Wanken gerieten oder schlicht verschwanden, verbanden sich zwei neue Trends: Zum einen gab es plötzlich wieder deutlich mehr kleine Rollenspielsysteme mit eigener Fangemeinde, zum anderen kamen immer mehr - vor allem erfahrene - Rollenspieler von den alten Feindbildern ab. Wer in den 80ger-Jahren DSA spielte, verachtete z.B. AD&D - und umgekehrt.
Der neue Spielertypus spielt eine ganze Menge Rollenspielsysteme, frei nach Lust und Laune. Wenn er nicht selbst Abenteuer erdenken will, bleibt ihm auch wenig anderes übrig. Kleine Rollenspielsysteme schaffen keinen jahresfüllenden Materialpool. Die Sprunghaftigkeit und das schrumpfende Zeitbudget (Familie, Job, ...) verbieten Kampagnen und so ist Der Stab der drei Jahreszeiten eine angemessene und logisch konsequente Reaktion.
Er richtet sich an erfahrene Spieler und Spielleiter, die gerne überschaubare Geschichten ohne viel Schnickschnack aber großen Gestaltungsspielraum haben möchten. Er richtet sich auch an ältere Spieler, die sich vielleicht nur einmal alle ein, zwei, drei Monate treffen können. Auf solchen Spielabenden gibt es oft auch noch Rollenspielfernes zu bereden. Eine gut erzählte und moderierte Geschichte mit einfachem Hintergrund reicht da völlig aus. Wenn man sie dazu noch mit Cliffhangern in Abschnitte für die einzelnen Spielabende zerlegen kann, ist sie perfekt.
Der Stab der drei Jahreszeiten bietet all das. Er verzichtet z.B. auf einen komplizierten Einstieg. Es gibt einen klaren Auftrag und einen klar festgelegten Abenteuerort. Keine elend lange Anreise oder die Suche nach dem Abenteuer stehen im Weg.
Der Text selber bietet gute Beschreibungen aller wichtigen Orte, Personen und Handlungen aber keine enge Führung. Der Autor beschreibt das in einem dem Abenteuer beiliegenden Schreiben so: "Spielleiter und Spieler werden nicht an die Hand genommen und Schritt für Schritt durch eine vorgegebene Geschichte geführt".
Inhaltlich geht es um die Bergung einer alten Reliquie, dem Stab der drei Jahreszeiten, der sich im Dorf Arkendale befinden soll. Das örtliche Kloster, dessen letzter Abt Hüter des Stabes war, ist leider vor Jahrhunderten von einem Erdrutsch verschüttet worden. Und die Menschen im Ort sind auch nicht besonders gut auf Fremde zu sprechen. Das liegt zum Teil an dem Leid, das sie in der Folge der gescheiterten Expedition anderer Abenteurer vor einer Generation haben erleiden müssen. Daneben sind nicht alle Dörfler auch wirklich einfache Dörfler. Ungefährlich wäre der Job aber selbst ohne die Dörfler bei weitem nicht, wie sich schnell zeigt.
Die Gestaltung des Moduls ist midgardtypisch einfach aber zweckdienlich. Die Illustrationen sind durchweg sehr gut und vor allem aus einem Guss. Das war in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich. Das Titelbild des Abenteuers weckt mit dem Motiv eines Helden, der in einem Tempel gegen Untote kämpft, Erinnerungen an die Anfangstage des Rollenspiels.
Der zum Set gehörige Spielleiterschirm vereint auf der Innenseite oft genutzte Tabellen und Listen, z.B. kritischer Schaden, kritische Fehler bei Zaubern und Abwehr, Schaden und Verletzungen. Die äußere Gestaltung hat mir nur teils zugesagt. Einige Bilder wirken wie Kombinationen aus Foto und Zeichnung, wirken aber verzerrt oder lassen die gestalterische Einheit vermissen.

Fazit: Der Stab der drei Jahreszeiten ist ein gelungenes Modul für alle erfahrenen Spielrunden. Für die ältere Rollenspielergeneration bietet er auch eine kleine Reise zurück zu den Wurzeln, ohne dabei als Plagiat zu wirken. Der Spielleiterschirm ist okay aber kein Highlight, was das Modul aber deutlich wieder wettmachen kann. Deshalb kann ich nur eine klare Empfehlung aussprechen.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.