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Dementria
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 26.02.2009, Serie: Rollenspiele, Autor(en): Alexander A. Huiskes, Rainer Nagel, Verlag: Verlag für F&SF Spiele, Seiten: 106, Erschienen: 2009, Preis: 16,95


Auf den ersten Blick sieht "Dementria" wie ein ganz gewöhnliches Quellenbuch des Perry-Rhodan-Rollenspiels der Edition Dorfier aus. Doch bereits das Vorwort lässt aufhorchen. Da ist die Rede von "Neuland", das hier beschritten wird, und von einer "wunderbaren Zusammenarbeit mit dem dramaturgischen Kopf der Serie" (gemeint ist die PR-Heftreihe). Oha - was steckt nun hinter diesen bedeutungsvollen Worten?
In der Tat ein Experiment, wie es scheint. Nicht nur dass der Quellenband, im Gegensatz zu den übrigen Publikationen, mit dem Jahr 2166 n. Chr. eine sehr frühe Phase des Solaren Imperiums beleuchtet, auch soll er die zeitgleich erscheinenden Heftromane der Perry-Rhodan-Actionserie begleiten. Damit will die Publikation zweigleisig fahren. Zum einen soll sie als Nachschlagewerk dienen und so dem Heftromanleser "Aha-Effekte" vermitteln und zum anderen als ein Quellenbuch für das Rollenspiel fungieren.
Soweit die Theorie. Angelockt durch das bunte, martialisch wirkende Cover mit angreifenden Raumsoldaten blicken wir auf die 106 Seiten von "Dementria". Beim Durchblättern fällt zunächst auf, dass die Autoren mit Illustrationen sehr sparsam und monochrom umgegangen sind. Zudem sind die Zeichnungen unterschiedlicher Herkunft sowie Qualität und in der Mehrzahl eher schmückendes Beiwerk als Augenschmaus.
Dafür ist aber der Quellenband bis an die Unterkante vollgestopft mit Informationen, Zeittafeln, Personen- und Planetenbeschreibungen und vielem mehr. Die Autoren gaben sich dabei viel Mühe durch unterschiedliche Schrifttypen, Tabellen, Markierungen und Absätze das Ganze übersichtlich zu strukturieren, was jedoch nicht immer gelungen ist. Schon auf Seite 9 wird ein Bericht über Schutzschirme unvermittelt durch eine seitenlange Übersicht der gängigen Kampfrobotertypen unterbrochen. Augenscheinlich ein Fehler im Layout. Nicht tragisch, aber leider auch nicht professionell.
Insgesamt wird man das Gefühl nicht los, dass hier ein ganzer Sack von Informationen, sei es nun wichtiges Basiswissen oder eher exotisches Randwissen, über den Leser ausgeschüttet wird und er sich das Brauchbare herausfischen soll. Zum Beispiel bleibt sicher nicht nur einzelnen Lesern schleierhaft, was er mit Erläuterungen zum aktiven Wahlrecht oder den Mechanismen der Gesetzgebung im Solaren Imperium anfangen soll.
Doch kommen wir zum eigentlichen Kern, nämlich der Beschreibung des Sternenhaufens Dementria, der mit kapp 35 Seiten gerade einmal ein Drittel des Umfangs ausmacht. Dabei wird klar, dass der Quellenband begleitend zu den Actionheften publiziert wird, also die Ereignisse, die durch Perry Rhodans Ankunft ins Rollen kommen, hier nur schlaglichtartig beschrieben werden. Für ein Rollenspiel mit und neben dem SF-Helden wird man am Lesen der Hefte nicht vorbei kommen; leider.
Doch insgesamt ist dieser Teil gut gelungen. Nach einer Einführung und dem historischen Kontext werden die wichtigsten Welten beschrieben und die darauf lebenden Spezies. Begleitet von ein paar Karten und Illustrationen, sind nützliche und interessante Informationen vorhanden, die vor allem die Rollenspieler ansprechen werden.
Das letzte Drittel des Bandes nehmen Personenbeschreibung und –hintergründe ein, wobei sowohl auf Persönlichkeiten aus Dementria wie auch auf Schlüsselfiguren des PR-Serie eingegangen wird. Alle Charaktere sind zudem mit Werten und Fähigkeiten versehen, so dass sie als NPC oder PC genutzt werden können.


Fazit:
"Dementria" kann nicht ganz überzeugen. Das liegt einerseits an der schlichten, nicht mehr zeitgemäßen Aufmachung, da wenig illustriert und ohne Farbe, und anderseits daran, dass der Quellenband nicht ganz den Anforderungen gerecht werden kann. Für Rollenspieler ist er sicher gut geeignet und kann als Einstieg in die Anfangsphase des Solaren Imperium dienen. Doch für den Altleser werden zu wenig "Aha-Erlebnisse" geboten, als dass sich der Preis von 16,95 Euro lohnen würden. Kurzum: Dementria taugt als Nachschlagewerk bedingt, aber als Rollenspielvorlage durchaus.




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