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Sin City 3: Das große Sterben
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 30.12.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Frank Miller, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 216, Erschienen: 2005, Preis: 19,80 €


Dwight ist zurück, mit brandneuem Gesicht und brandneuer Freundin. Und die hat gerade mächtig Ärger. Ihr Exfreund steht vor der Tür, eine Meute Gorillas im Schlepptau, und versucht sie mit überheblichem Gesäusel dazu zu bewegen ihm Einlass zu gewähren. Rafferty, so heißt der Kerl, und er ist der Abschaum eines Mannes: Ein Säufer und Schläger, von sich selbst so überzeugt wie es nur geht und ein "Nein" duldet er nicht. Als wenig später sein Kopf in der Toilettenschüssel hängt und Dwight im unmissverständlich klar macht, dass er sich hier nie wieder blicken lassen soll, wird eine Jagd vom Zaun gebrochen, die das Gleichgewicht in Basin City, besser bekannt als Sin City, schwer aus dem Fugen heben könnte. Eines ist klar: Diesmal wird es Tote geben – viele Tote. Ihr Blut wird die Straßen der Altstadt rot färben und nichts wird sein wie es einmal war.
Die Altstadt ist ein Bezirk leichter Mädchen, leichter Mädchen mit schweren Waffen. Sie haben völlige Kontrolle über den Bezirk und kein Cop darf hier Recht geltend machen. Denn hier regiert das Recht der Huren. Die Polizei darf sich dafür nach Lust und Laune vergnügen. Aber wehe einer von ihnen macht Stress, dann sind die Mädchen eine Macht und sie scheuen nicht, dies auch zu zeigen. Dwight hat einen großen Fehler gemacht, denn aus einer kleinen Dummheit in einem abgerantzten WC wird Mord und er muss die Sache wieder gerade biegen oder die Altstadt wird zu Grunde gehen. Und da er sein neues hübsches Gesicht den Mädchen zu verdanken hat, muss er sich mächtig ins Zeug legen…

Das große Sterben ist der dritte Band der legendären Sin City Reihe von Starkünstler Frank Miller. Das Buch stellt einen Teil des Filmes dar, der sich sehr nah am Comic hält. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen tauchen die Story in ein düsteres Umfeld, was genau die Atmosphäre ausmacht, die Fans so sehr an der Reihe lieben. Derbe Dialoge und die trockenen Gedanken der Protagonisten tun ihr Übriges. Und wie immer wird es dreckig und blutig, aufreizend aber auch brutal – kein Comic für Kinder, soviel steht fest. Aber das beansprucht die Reihe auch gar nicht für sich.

Mit viel Liebe zum Detail schafft Miller eine Welt, in der die Sonne niemals scheint. Eine Welt durchzogen von Korruption, Sex und Gewalt und soviel Action, dass dem Leser kaum Zeit zum Atmen bleibt. Dabei wird stets der Stil gewahrt: Wenn die kleine Miho nach allen Regeln der Kunst ihre asiatische Kampftechnik zelebriert, genießt der Leser das, denn irgendwie weiß er schon, dass ihr Opfer nicht die geringste Chance hat, und sei es noch so schwer mit Automatikwaffen bestückt. Wenn Dwight seinen Plan durchzieht, sieht man in seinen Augen, was ihn antreibt, und erkennt, dass er nicht eher Ruhe gibt, bis er sein Ziel erreicht hat. Helden sucht der Leser vergeblich. Diese Stadt hat keine Helden, sondern lediglich Getriebene mit eigener Rechtsauffassung. Take it or leave it, friss oder stirb, den Letzten beißen die Hunde. Und ehe man es sich versieht, steckt einem ein Wurfstern im Kopf und ein leises Glucksen ist alles, was man der Nachwelt hinterlässt. Sin City ist keine Stadt zum Leben – nur zum Sterben.

Frank Miller hat eine Serie mit Kultcharakter erschaffen, die begeistert. Mit über 70.000 verkauten Exemplaren zählt sie zu den Topsellern des deutschen Comicmarktes. Dabei inszeniert die Reihe alle Schattenseiten der Gesellschaft so überzogen, dass man sie nur schwer mit Verherrlichung verwechseln kann. Der Weg ist klar beschrieben, jede Geschichte ist konsequent zu Ende gedacht und endet stets mit einem lauten Knall. Cross Cult legt dabei immer noch kleine Extras im Anhang des schmucken Hardcoverbandes mit drauf – Qualität allererster Klasse.

Fazit: Der dritte Band der Serie reiht sich nahtlos ein. Der düstere Stil wird konsequent weiterverfolgt und wiederkehrende Charaktere schaffen eine vertraute Welt, in die man gerne durch einen Türspalt hineinsieht und sich an dem ergötzt, was Sin City einem bietet. Doch bleibt bloß nicht zu lange stehen, sonst findet ihr womöglich nicht mehr den Weg nach hause.




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