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DSA-Hörspiel 01 – Das Tor in die Vergangenheit
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 05.01.2009, Serie: Auditorium, Autor(en): Linda Budinger (Buch), Günther Merlau /Regie & Produktion), Verlag: Keine Angabe, Seiten: /, Erschienen: 2008, Preis: 9,99


"Kampfnamen helfen den Krieger, seine Feinde in Angst und Schrecken zu versetzen."

Was für eine Nachricht: Nach den durchaus interessanten Hörbüchern zu DAS erschienen nun bei Europa – bekannt durch kultige Hörspielserien wie ???, TKKG oder Funkfüchse - im September drei Hörspiele zum Schwarzen Auge. Das Ganze wurde dabei als Auftragsarbeit vom Lauschlabel unter Günther Merlau produziert, selber verantwortlich für congeniale Serien wie Drizzt, Die Schwarze Sonne, Caine, Hellboy oder Punktown. Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, auch Drehbuchautorin Linda Budinger ist keine Unbekannte, sondern eine alte Fandomlerin aus der Fanzineszene (u.a, Chefredakteurin des Menhir, unvergessen auch ihr Gastbeitrag in Greifenklaue #3). Beste Bedingungen eigentlich für ein ganz phantastisches Hörspiel.

Die Zukunft: In Tobrien herrschen die Dämonen. Der junge Devin flieht zusammen mit seiner Mutter von den Häschern des Barons, welcher mit Dämonen im Bunde steht. Diese wird jedoch von einer Harpyie zerrissen und zerfetzt, während Devin noch in die Ruinen eines alten Herrenhauses fliehen kann, welches einst einem Dämonenpaktierer gehört haben soll. Als er jedoch einer schwarzen Eiche mit seltsamen Schnitzereien zu nahe kommt, wird er in der Zeit zurückversetzt.

Die Vergangenheit: Der Verwalter des Chronarius hat gerade eine kleine Truppe angeworben, die sich auf dem Landsitz seines Herrn um ein kleines Problem kümmern sollen: Banjatki, Messerwerferin, Harsim, Schwertschlucker, eigentlich Kunstreiter, und Jannos, ein Baum von einem Mann. Das Trio trifft am Rande des Anwesens auf den verwirrten Devin, den sie für einen weiteren Mitstreiter halten. Und so kommt es, dass das Quartett von Chronarius in ihren Auftrag eingeweiht wird: Ganz in der Nähe lebt tatsächlich ein Schwarzmagier, welchen sie den Garaus machen sollen.

Parallel dazu machen sich die beiden Söldner Travian und Casta zum Herrenhaus auf, die schon dachten, sie hätten das Glück angeheuert zu werden. Eigentlich wollten sie nämlich auf Diebestour gehen und das hätte sicherlich gut zusammengepasst. So machen sie sich ebenfalls mit Frust im Bauch auf zum Herrenhaus, schließlich kann man die Bürschchen noch abfangen und wegmessern…

Insgesamt wendet sich das Hörspiel eher an ein jüngeres Publikum, wie bei einer Veröffentlichung bei Europa ja durchaus zu erwarten war. Daher gibt es für den reiferen Hörer – sicherlich auch für manch jüngeren – einige seltsam anmutende Stellen, z.B. als sich die Helden gegenseitig Kampfnamen verpassen. Das klang mehr nach Pokémon oder Power Rangers und nicht unbedingt nach DAS. Vermutlich soll es auch die Unerfahrenheit der vier Protagonisten betonen, die ja gerade erst ihr Abenteurerleben beginnen.

Da liegt die zweite Krux. Der Anwerber zieht drei Kinder zwei erfahrenen Haudegen vor – vielleicht wollte er ja gegen seinen Herrn opponieren, allerdings wird das nicht weiter aufgeklärt und wirkt so merkwürdig.

Die erste Folge zeigt eigentlich den Aspekt den ich an DAS liebe und zugleich hasse: Ein wunderbares Lowfantasy durchbrochen von megalomanen Highfantasyelementen. Einerseits sind die Helden keine Helden im Sinne von erfahrenen Kämpen wie bei D&D, die wissen wie man ein Schwert führt und einer Horde Goblins den Garaus macht, sondern echte, unerfahrene Jungspunde, die erst zu Helden reifen müssen. Andererseits stehen aber eine Zeitreise, ein Borbaradianer und ein mächtiges Ritual auf der Liste. Eine Mischung, die nur wenig bei mir ankommt, obwohl ich beides einzeln gut ertragen kann.

Des Weiteren zeigt der Plot einen weiteren DAS-Aspekt im Vergleich der Editionen: Wo früher bodenständig gegen Orks gekämpft wurde, sind es nun Dämonen, Dämonen, Dämonen, die selbst einen D&D-Spieler verzweifelt nach den Dämonenschläger +3 greifen lassen. Kurzum, dieser ganze Metaplot um Borbarad unterscheidet sich stark vom alten Aventurien – man kann beides mögen, muss es aber nicht. Ich war jedenfalls von der Storyline in der Zukunft erst etwas abgeschreckt und dann über die Handlung in der Vergangenheit recht zufrieden.

Eine letzte Kritik zu Hintergrund und Plot: Beide Plots, einmal um die vier Junghelden, einmal um die Söldner, sind so locker verbunden, dass es fast gar keinen Zusammenhang gibt, außer einem losen Faden zu Anfang und zum Ende hin. Unbefriedigend ist allerdings auch, dass der Nebenplot um die Söldner kein richtiges Ende hat und so frei in der Luft schwebt.

Vermutlich wird er noch mal aufgegriffen, denn die ersten sechs Folgen sollen die Reihe Die sieben magischen Bücher bilden. Das aber frühestens in Folge vier.

Produktionstechnisch macht man Lausch im Allgemeinen nur wenig vor. Die Stimmen des Recken-Quartetts sind sehr jung, sollen es aber wohl auch sein. Jonas Zumdohme, der schon in Die Schwarze Sonne den Aleister Crowley als Kind spricht, ist der zeitreisende Devin, Banjatki wird gesprochen von Annabelle Krieg, welche schon im Sacred 2-Hörspiel Erfahrungen als die diebische Halbelfin Leandra sammelte. Beide geben eine gute Leistung zum Besten, auch wenn sie nicht so herausragend sind, wie die beiden genannten Rollen.

Die Ausstattung der CD ist leider dürftig, ein vierseitiges Booklet, davon zwei Seiten Werbung. Andere Serien zeigen hier, wie es geht – und gerade DSA bietet Möglichkeiten zu Zusatzmaterial wie einer Karte, Illustrationen, oder ein Lexikon.

Fazit: Ein Auftakt, der sich eher an ein jüngeres Publikum wendet, und nicht jeden DSA-Fan der ersten Stunde überzeugen können wird.




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