Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Belletristik » Comics » The Umbrella Academy 1: Apocalypse Suite

The Umbrella Academy 1: Apocalypse Suite
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 14.12.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Gerard Way, Gabriel Ba, Verlag: Keine Angabe, Seiten: 192, Erschienen: 2008, Preis: 12,70 €


Es ist ein weltweites Event: An einem Tag werden 47 Kinder von 47 unterschiedlichen Frauen rund um den Globus geboren, ohne dass diese vorher Anzeichen einer Schwangerschaft bemerkten. Millionär und Wissenschaftler Reginald Hargreeves adoptiert sieben von ihnen mit der einfachen Begründung die Welt zu retten. Vor was? fragt sich die Presse.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten, als ein europäisches Nationalsymbol plötzlich mit Menschen um sich wirft, die es eigentlich besichtigen wollten. Und so müssen die kleinen Racker schon auf Kindesbeinen zeigen, was in ihnen steckt.
Und das ist gar nicht mal wenig: Levitieren, Tentakel, Psychokinese, übermenschliche Kräfte - The Monocle, wie ihr Vater nur genannt werden möchte, hat ganze Arbeit geleistet. Aber von den sieben Geschwistern sind nur sechs am rotieren, was 00.07 dazu veranlasst etwas traurig auf einen Bildschirm zu blicken, ihre Geige zu umarmen und ihren Ziehvater zu fragen, warum sie nicht mit den anderen spielen darf. Dem Leser zerreist die Antwort das Herz: "Du bist einfach nichts Besonderes."

Jahre später ist die Familie in bester Royal Tennebaum Manier heillos zerstritten. Der Tod ihres Vaters bringt sie wieder zusammen, zumindest geographisch. Denn geistig sind sie sich immer noch spinnefeind und auch nicht mehr ganz vollständig. "Horror" der Tentakelmann ist tot und der Leser wird darüber auch weiterhin im Unklaren gelassen. Es gibt Wichtigeres zu tun – ein Mann will beerdigt werden.
Aber anstatt dem Moment den nötigen Respekt zu erweisen, wird alles nur noch schlimmer, als das schwarze Schaf "Vanya" und ihre Violine wieder auftaucht und auch gleich mit Vorwürfen konfrontiert wird. Dies ruft das Orchester Verdammten (man übersehe höflich die grausige Wortkonstruktion) auf den Plan. Deren Leiter scharrt die übelsten Schergen mit musikalischer Begabung um sich, um die "Apocalypse Suite" zu inszenieren und das Ende der Welt einzuleiten. Da war es wieder, das böse Wort. Doch das entscheidende Puzzleteil fehlt. Und wer hätte gedacht, dass in dem armen kleinen Ding doch etwas Besonderes steckt…?

Wenn Musiker und Comics zusammenkommen wird viel spekuliert. Warum eigentlich? Beides ist Kunst, beides ist Jugendkultur und dieser Comic ist der beste Beweis, dass die Kombination überzeugen kann. Zugegeben, den Emo-Rock Sänger Gerard Way kannte der Verfasser dieser Zeilen vorher gar nicht und die von ihm entworfenen Figuren haben irgendwo schon einen Hang zum Selbstmitleid, auch was ihr Outfit anbelangt. Aber der Leser wird schnell eines Besseren belehrt.
Der unterschwellige Humor und die äußerst skurrilen Szenen- und Kapitelwechsel sind einmalig und können einfach nur mit den Werken Wes Andersons verglichen werden. Der vollfarbige Sammelband im üblichen amerikanischen Comicformat macht Laune und Lust auf mehr und ist auch im Zeichnerischen allen Zweifeln erhaben. Als Extras gibt es eine Kunstgalerie mit Entwürfen der Charaktere sowie eine kleine, vor der Serie als Appetizer gezeichnete Reihe von Teasern, welche das bereits verstorbene Mitglied noch einmal in Aktion zeigen.

Fazit: Noch nie hat mich ein vorher persönlich negativ besetzter Comic (eben durch den Sänger) so positiv überrascht. Skurriler Humor, Super-Anti-Helden, eine ausgeklügelte Story die begeistert und überrascht, was will man mehr? Freunde der deutschen Comickultur, die Dark Horse nicht wollen, können sich auf das in Kürze erscheinende Hardcoverkunstwerk von Cross Cult freuen. Na dann frohes Fest!




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.