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Malleus Monstrorum 2. Edition
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 27.12.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Scott David Aniolowski, Sandy Petersen, Lynn Willis, Frank Heller u.a., Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 503, Erschienen: 2008, Preis: 39,95 Euro


Mittlerweile ist es zum Standard geworden, dass es für jede Welt, teilweise sogar für einzelne Kontinente umfassende Werke gibt, die genau schildern, was sich dort für Kreaturen und Wesenheiten finden lassen. Durchaus zu Recht, möchte man sagen, denn viele Spielleiter können durch solche Werke zu neuen Ideen inspiriert werden.
Die meisten dieser Bücher ähneln sich doch stilistisch und inhaltlich deutlich, weil sie vor allem Fanatsywelten beschreiben. Handelt es sich bei der betreffenden Welt aber um das Lovecraft'sche Cthulhu-Universum, so stellt das schon eine Besonderheit dar und es ist mit viel kreativem Gruselfaktor zu rechnen.

Mit dem Malleus Monstrorum (Eigenbaulatein für Monsterhammer) ist eine enorme Erfolgsgeschichte verbunden. Als dessen erste Edition 2003 erschien, überzeugte es sofort mit seiner innovativen Darstellungsweise, die das unvorstellbare Grauen nicht einfach durch dazu per Definition unpassende Zeichnungen zeigten, sondern durch stimmungsvolle Texte und geschickte Andeutungen beschrieben.
Diese Herangehensweise war nicht nur so überzeugend, dass sie auch im danach erschienenen Spielleiterhandbuch verfolgt wurde, sondern das Buch wurde auch ins Englische zurück übertragen und somit prägt der von Pegasus entwickelte Stil nun auch die englische Cthulhuversion mit.

Nun ist die zweite Edition des Malleus Monstrorum erschienen. Dabei handelt es sich um mehr als eine bloße Überarbeitung der ersten Version. Das neue Werk wartet mit fast zweihundert neuen Mosntern auf, während alt bekannte Schrecken überarbeitet und an die aktuellen Regeln angepasst wurden.
Dadurch wird eine schon fast unüberschaubare Anzahl an verschiedenen Wesen und Gottheiten geboten (Nyarlathotep allein wartet mit ganzen dreiundvierzig Avataren auf). Dabei geht es von alten Bekannten aus den Zeiten Lovecrafts bis hin zu neuen Erfindungen, wie Orthulhu, den Gott der Schreibfehler, auf den die Autoren durch ein fehlerhaftes Reservierschild bei einer Cthulhu-Convention 2007 gebracht wurde und der, wie sich das gehört, in die sonst alphabetische Reihenfolge falsch eingeordnet wurde.

Alle Kreaturen im Malleus Monstrorum werden zunächst in einer Art literarischen Einleitung angekündigt, einer sehr kurzen Geschichte, geschildert aus der Sicht eines Opfers oder Verehrers des Wesens. Dann folgen eine etwas objektivere Beschreibung (soweit das dem menschlichen Verstand bei cthuloiden Wesen überhaupt möglich ist) und die regeltechnischen Aspekte. Den Schluss bildet wieder etwas Prosa, wobei dabei an das offene Ende der Einführung in irgendeiner Weise angeknüpft wird.
Diese prosaischen Darstellungen sind sehr stimmungsvoll und gut geschriebene Texte, auch wenn ihre stilistische Ähnlichkeit teilweise etwas schade ist. Weitere Autoren wären hier sehr wünschenswert aber vermutlich auch unbezahlbar gewesen, denn für einen deutlichen Effekt müssten es schon mehr als zehn weitere Schreiberlinge sein. Dafür hat man das angenehme Gefühl eines Werks aus einem Guss. Was man bevorzugt, muss man selbst wissen.
Noch stilvoller als die Texte sind aber definitiv die Abbildungen zu den Kreaturen. Diese stellen praktisch nie das Wesen selbst dar, sondern zeigen angebliche Abbildungen und Darstellungen, die von Menschen gemacht wurden, welche mit diesen Wesen Kontakt hatten. Diese reichen von alten Höhlenzeichnungen über antike Statuen bis zu einer Futurama-Zeichnung. Dabei sind echte Bilder so geschickt mit Fälschungen verbunden, dass der Leser oft gar nicht unterscheiden kann, was reine Fiktion und was uminterpretierte Wirklichkeit ist. Dieses gruselige Unwissen sowohl im Bezug auf die Herkunft der Bilder in der realen Welt als auch in der Spielwelt im Bezug auf die Zuverlässigkeit der Darstellungen sorgt für einen enormen Gruselfaktor, der wundervoll zum Mythosuniversum passt.
Zu manchen der Wesen gibt es auch inspirierende Abenteuerideen, die meistens sehr gut verwendet werden können, aber leider teilweise ziemlich offensichtlich aus der Schilderung der Wesenheit entstehen, so dass man auch so drauf gekommen wäre.

Gewürzt wird das Quellenbuch weiterhin durch einen kurzen Text über die atmosphärische Darstellung von Monstern im Spiel und durch die Tagebucheinträge des Sir Hansen Poplan. Diese beschäftigen sich aus sicht eines Mythosforschers mit Wesen und Phänomenen der cthuloiden Welt. Anders als in der ersten Edition sind diese als handschriftliche Texte abgedruckt, so dass sie kopiert und direkt im Spiel eingesetzt werden können. Ob die enthaltenen Rechschreibfehler Absicht sind und die Glaubwürdigkeit unterstreichen sollen, darüber soll an dieser Stelle nicht spekuliert werden.

Die Aufmachung und Illustration des gebundenen Werks ist in hochwertiger Schwarzweißgrafik gehalten, die nichts zu wünschen übrig lässt. Besonders positiv fällt dabei auf, dass zu wirklich jedem der 331 Götter und Kreaturen eine Abbildung erstellt wurde.

Einzig negativ fällt ein gewisser Mangel an Übersichtlichkeit auf, was den Index des Malleus Monstrorum angeht. Hier finden sich Seitenhinweise zu jeder Nennung eines Wesens, was bei viel verwendeten Göttern wie Nyarlathotep sehr viele sind. Hier wäre es sehr hilfreich, wenn die Seitenzahl der eigentlichen Beschreibung fett gedruckt wäre.
Weiterhin wäre ein eigenes Inhaltsverzeichnis für die Abenteuervorschläge sehr nützlich, damit der Spielleiter genau weiß, wo er sich Inspirationen holen kann.

Fazit:
Ein wirklich gelungenes Werk, dass sich nicht nur jedem Cthulhu-Meister empfiehlt. Auch für andere Systeme kann man sich hier gut inspirieren lassen, wenn einem der Sinn nach Horror steht. Die Fülle an neuem Material macht die Anschaffung auch für Leute sinnvoll, die bereits über die erste Edition des Werks verfügen.

Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn.




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