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Mystery Rummy - Fall 1: Jack the Ripper
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 23.12.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Mike Fitzgerald, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 9,95 Euro


London Ende des 19. Jahrhunderts, der schlimmste Massenmörder, den das Empire je gesehen hat greift um sich und entledigt sich Damen des horizontalen Gewerbes. Pegasus Spiele lässt uns an dem Geschehen in Form eines Kartenspiels teilhaben, welches auf dem Rommé-System basiert. Kann das funktionieren?

Das Spiel ist für zwei bis vier Spieler geeignet und dauert 20 bis 40 Minuten. Laut Aufdruck eignet sich Mystery Rummy besonders für zwei Spieler, somit wurde es auch in dieser Version vom Rezensenten getestet.
Die 66 enthaltenen Karten teilen sich auf in Ereignisse (Verdacht, Alibi, Opfer, Tatort) und Hinweise (inklusive Briefe und Joker). Jeder Spieler zieht zu Anfang zehn Karten vom verdeckten Stapel (Fallakte), eine Karte wird offen auf den Ablagestapel (Scotland-Yard) gelegt. Wann welche Karten gelegt werden dürfen ist prinzipiell streng geregelt. Die meisten Karten benötigen andere bereits ausgespielte Karten um gespielt werden zu dürfen.
Da wir uns in einem Kriminalfall befinden ist klar: Ohne Opfer geht erst einmal gar nichts. Erst wenn ein Spieler eine dieser Karten draußen hat, dürfen Hinweise gesammelt werden. Jene werden in so genannten "Meldungen", also Dreiergruppen ausgespielt und richten sich an einen Verdächtigen. Sind die Meldungen draußen darf der zugehörige Verdächtige gespielt werden und ist der draußen, darf man ihn mit einem Alibi entlasten. Pro Runde darf jeder Spieler so viele Hinweise spielen wie er will, stets aber nur ein Ereignis. Nachgezogen wird von der Fallakte oder vom Scotland Yard. Wird ein Tatort gespielt, wandert das passende Opfer (sollte es denn schon draußen liegen) zu dieser Karte, gleiches gilt auch anders herum. Jede Karte hat einen Punktwert. Hat ein Spieler seine letzte Karte gespielt, bzw. ist man mit der Fallakte zweimal durch, oder wurde die Karte "Der Ripper entkommt" gespielt, ist der Durchgang vorbei. Jener Verdächtige, der die meisten Punkte unter sich versammelt (Hinweise, Joker, Verdacht) und nicht mit einem Alibi entlastet wurde, ist der Ripper (es sei denn er ist mit der Karte entkommen). Die Punkte des Rippers verdoppeln sich, ansonsten wird regulär abgerechnet. Joker können als beliebiger Hinweis gelten, Briefe sind Hinweise ohne Bezug, sie bringen einfach nur mehr Punkte. Wer am Ende 100 Punkte hat, gewinnt. Einmal im Spiel kann man eine Tipprunde ausrufen, in der jeder Spieler verdeckt auf einem Blatt Papier schätzt, wer am Ende der Ripper ist. Hierfür gibt es auch noch mal Extrapunkte, wenn der Tipp stimmt.

Bis man das recht komplexe Regelwerk durch und alle Feinheiten verstanden hat, vergeht eine Weile. Das liegt hauptsächlich daran, dass die grundlegenden Erklärungen erst am Ende kommen. Das Vergeben von Namen für den Nachzieh- und den Ablagestapel trägt weiter zur Verwirrung bei. Im Spiel wird allerdings schnell klar, dass das generelle System gar nicht so schwer ist, wie es sich vielleicht im ersten Moment anhören mag. Auf jeder Karte ist erklärt, wann sie kommen darf und was man mit ihr machen kann. Das ist vorbildlich, erspart es doch das dauernde Blättern in den Regeln und trägt zum Spielfluss bei.
Nach ein paar Runden kommt man schnell ins Taktieren und geht wesentlich vorsichtiger zu Werke als in den ersten Partien. Sinnvoll ist es mit Hilfe der auf den Karten abgedruckten Zitate eine kleine Geschichte auszubauen, um das Ripperflair richtig zu genießen und ein wenig vom Rommé wegzukommen.

Seine große Stärke hat das Spiel zweifelsohne in seiner Gestaltung. Die beiden Kartensätze liegen in einem stilisierten Buch in dessen "Buchrücken" die Bilder der Verdächtigen abgedruckt sind. Die Karten kann man mit Hilfe von edlen Bändern aus ihren Vertiefungen holen. Die Karten selbst sind von ausgezeichnetem Material und greifen sich gut. Lediglich die Farbfülle an den Rändern verwirrt. Jedes Opfer hat eine eigene Farbleiste am Rand, ebenso jeder Verdächtige, dazu kommen noch die Briefe und die Sonderkarten. Das führt dazu, dass es zum Beispiel vier verschiedene Rot-Töne gibt, was leicht zu Verwechslungen führen kann, wenn man nicht auf den Titel der Karten schaut.

Da dies nur der erste Teil der Mystery Rummy Serie ist, fragt man sich wie es weiter gehen soll. Teil zwei ist, zumindest im Englischen, "Mord in der Rue Morque" (Edgar Alan Poe), aber wenn sich die Spielmechanismen nicht groß ändern, fehlt sicherlich die Motivation zum Kauf. Wir von der LORP sind auf jeden Fall gespannt.

Fazit: Wer Rommé nie wirklich gemocht hat, sollte mit gutem Gewissen zu Mystery Rummy greifen. Hat man sich durch das umständliche Regelwerk gewühlt kommt man schnell in die Handlung hinein und findet schnell Freude daran. Mit ein wenig Taktik wird das Spiel komplexer, aber auch interessanter. Alles in allem liegt uns hier ein kurzweiliges Kartenspiel in wundervoller Optik vor, was vor allem in der Zweispielerversion schnell begeistert.




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