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Der Hexer von Salem - Das schleichende Grauen
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 12.12.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Bernd Perlies, Christian Humberg, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 288, Erschienen: 2008, Preis: 8,95 Euro


Die Blüte der deutschen Filmindustrie ist mit den Goldenen 20ern aufs Engste verbunden. Da ist es nur ein logischer Schritt, dass sich Das schleichende Grauen, das zweiten Abenteuer-Spielbuch aus der Reihe Der Hexer von Salem von Pegasus Press, mit der Faszination der Lichtspielhäuser und der Filmproduktion befasst – und natürlich mit deren Grauen.

Inhalt

Die namenlose Hauptfigur, in die der Spieler während des Handlungsverlaufs schlüpft, schlägt sich mehr schlecht als recht in Berlin der 1920er durch. Es wird Zeit für den großen Durchbruch, und so macht sich der Held auf den Weg zum UFA-Studiengelände. Dort trifft er auf den Produzenten Erich Pommer, dem er ein Drehbuch für einen neuen Kinofilm anbietet. Die Verhandlungen sind zäh, am Ende jedoch von Erfolg gekrönt. Ein großes Meisterwerk in Form von Nosferatu oder Der Golem schwebt der Hauptfigur vor, doch sie merkt schnell, dass sie erst einmal kleinere Brötchen backen muss. Bevor nämlich der Dreh beginnen kann, werden noch Monate ins Land ziehen – Zeit, in der bereits Geld verdient werden will. Glücklicherweise sind gerade ein paar Stellen in einer bereits begonnenen Filmproduktion frei. Zwar nur als Komparse, Bühnenbilder und Laufbursche, aber immerhin etwas, um schon ein wenig Filmluft zu schnuppern. Schon am nächsten Tag kann es auf dem Gelände in Babelsberg losgehen. Die Schauspieler sind größtenteils zugänglich, der Kameramann etwas verstimmt und der verantwortliche Regisseur Harry Paul Liebmann von sich als Ausnahmetalent überzeugt. Dabei mutet die Handlung, die zunächst wie eine tragische Liebesgeschichte beginnt, ziemlich makaber und eher wie ein B-Movie an, spätestens, wenn Frauen geopfert und Rituale durchgeführt werden sollen.
Während die Drehvorbereitungen im Gang sind, mehren sich plötzlich ungewöhnliche Zwischenfälle. Irgendetwas scheint mit dem Set, ja mit der ganzen Crew nicht zu stimmen. Um hinter das Geheimnis zu gelangen, muss der Spieler selbst am Filmset Nachforschungen anstellen und herumschnüffeln. Was er dort entdeckt und wie er reagiert, hängt allerdings davon ab, welche Entscheidungen er im Verlaufe des Geschehens trifft. Dass schon bald der Name Shub-Niggurath fällt, dürfte jedenfalls nichts Gutes bedeuten.

Spielmechanismen

Das Abenteuer Spielbuch erfreut sich wieder einer größeren Beliebtheit. In Form eines handlichen Taschenbuchs und dank stimmiger Hintergrundwelten wie Uldart, Die Zwerge oder eben Der Hexer von Salem hat Pegasus Press einen Nerv getroffen. Der Leser liest die Romanhandlung nicht von vorne bis hinten, sondern ist nach kurzen Abschnitten immer wieder vor Entscheidungen gestellt, welchen Weg er einschlagen will. Zwar können nicht alle Möglichkeiten beschrieben werden, doch ein gutes Spielbuch ermöglicht viele unterschiedliche Pfade, die zum Ziel führen und lässt den Spieler aktiv an der Geschichte teilhaben.
Dies gelingt auch Bernd Perplies und Christian Humberg mit Das schleichende Grauen. Sie haben sich ein stimmiges Setting ausgedacht und wissen es mit viel Liebe zum Detail umzusetzen. Zunächst befindet sich das Grauen nur auf der Leinwand, dann jedoch ergreift es das ganze Filmset und damit den Spieler, der die Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammensetzen muss, um hinter das Geheimnis der Filmcrew zu kommen. Die Autoren bemühen sich um klare Handlungsstränge und bieten meist genügend Optionen an, so dass nicht der Eindruck entsteht, in eine Richtung gedrängt zu werden. Wer logische Schlüsse zieht und nicht völlig vom Würfelglück verlassen ist, kann das Abenteuer problemlos lösen.

Fazit

Für das kleine Hexer-Abenteuer zwischendurch ist Das schleichende Grauen jedem ans Herz zu legen. Wer von der Handlung keine Innovationen erwartet, bekommt eine in sich stimmige, atmosphärische Geschichte geboten, die auch beim zweiten und dritten Durchspielen noch Spaß macht.




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