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Sylla
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 28.01.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Dominique Ehrhard, Verlag: Ystari Games, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 34,95 Euro


Man schreibt das Jahr 79 v. Chr. und Lucius Cornelius Sulla Felix, genannt "Sylla", der Herrscher Roms, bereitet sich auf seine Abdankung vor. Unter seiner Herrschaft gelangte der Senat zu altem Glanz zurück und so gibt es viele Bewerber, die in seine Fußstapfen treten möchten. "Aber Rom ist eine launige Herrin, deren Bewohner hungrig sind und nach Brot und Spielen lechzen."

Die drei bis vier Spieler schlüpfen jeweils in die Rolle eines römischen Senators und versuchen über fünf Runden, die alle aus sieben Phasen bestehen, möglichst viele Prestigepunkte zu sammeln. Die bekommt man während des Spiels, z.B. durch die Beteiligung an Bauvorhaben, aber auch durch den Erwerb von Res-Publica-Markern, die am Ende des Spiels einmalig gewertet werden. Marker gibt es in vier Farben (Bürgersinn = violett, Gesundheit = blau, Muße = grün, Hungersnot = gelb), deren aktueller Wert auf der Res-Publica-Leiter angezeigt wird. Diese Werte symbolisieren den aktuellen Stand der Volkszufriedenheit und werden durch das Verhalten der Spieler während des Spiels gesteuert.
Unterstützung erhalten die Senatoren von fünf verschiedenen Charakteren (Karten): Senatoren, Händler, Legionäre, Vestalinnen und Sklaven. Alle besitzen jeweils eine Fähigkeit, die aber nur in einer bestimmten Spielphase genutzt werden kann. Neben einer Eigenschaft verfügen die Charaktere auch über unterschiedliche Kaufkraft, angezeigt durch Edelsteine in verschiedenen Farben auf den Karten. Damit kann man Bauwerke ersteigern. Jeder Charakter kann aber nur in einer Funktion pro Runde eingesetzt werden.

Alle sieben Phasen einer Runde laufen immer in derselben Reihenfolge ab:
1. Erster Konsul: Das Amt wird versteigert. Es bringt Vorteile, z.B. einen Res-Publica-Marker oder die Entscheidungsgewalt bei Gleichstand.
2. Rekrutierung: Jeder Spieler erweitert sein Gefolge aus einer offen liegenden Auswahl um einen Charakter.
3. Bauwerke: Mit den Charakterkarten werden Bauwerke ersteigert, die Vorteile (Prestige, Geld, Spielsteine etc.) einbringen.
4. Einkommen: Die Spieler bekommen ihr Einkommen. Seine Höhe richtet sich nach ausliegenden Bauwerken und Händler-Charakteren.
5. Ereignisse: Mit Vestalinnen und Legionären kämpfen die Spieler gegen mögliche Negativfolgen von Ereignissen (Seuchen, Vulkanausbruch, Kaiserkult, Hungersnot, Christenverfolgung, Senatssäuberung, Hochwasser, Sklavenaufstand, Plünderung und Dekadenz). Jeder Charakter hat einen Stärkepunkt für die Entscheidung, welches Ereignis nicht ausgeführt wird. Für jedes Ereignis erhält der jeweils einflussreichste Senator eine Belohnung in Form von Res-Publica-Markern oder Prestigepunkten. Die beiden Ereignisse mit den wenigsten Stärkepunkten treten ein und führen meist zu einer negativen Beeinflussung der Res-Publica-Leiter.
6. Bauvorhaben: Ein Bauvorhaben wird zum Wohle Roms durchgeführt. Die Spieler können sich nach Wahl daran beteiligen und beeinflussen damit die Res-Publica-Leiter. Außerdem werden eingesetzte Senatoren mit Prestigepunkten belohnt.
7. Hungersnot und Krise: Sinkt einer der Marker auf der Res-Publica-Leiter auf den tiefstmöglichen Wert, gibt es eine Krise. Spieler, die sich hier am wenigsten engagieren können (z.B. über Res Publica-Marker), verlieren Prestigepunkte - die besten gewinnen welche hinzu.

In der fünften Runde wird die Kirche als zusätzliches Bauwerk errichtet. Damit bricht das Christentum an. Alle Sklaven und Christen, gekennzeichnet durch ein Fisch-Symbol auf den Charakterkarten, gelten als befreit und bringen ihren Besitzern weiteres Prestige.
Zuletzt werden noch die gesammelten Res-Publica-Marker ausgewertet. Diese werden multipliziert mit dem aktuellen Stand der Res-Publica-Leiter. Heraus kommt eine Anzahl von letzten Prestigepunkten.
Sieger ist der Spieler/Senator, der am meisten Prestige gesammelt hat und deshalb zum neuen Herrscher Roms bestimmt wird.

Wie sich leicht erahnen lässt, fällt die Bedienungsanleitung bei einem so komplexen Spiel nicht eben kurz aus (zehn Seiten). Sie beschreibt das Spiel dafür anschaulich und gut verständlich. Das Durchbeißen wird außerdem durch das gut und stimmungsvoll designte Spielmaterial erleichtert. Einzig störend fand ich, dass es auf dem Spielbrett manchmal etwas eng zugeht. Dabei hätte bei besser Ausnutzung der Fläche ausreichend Raum zu Verfügung gestanden. So muss man leider genau aufpassen, dass man nicht versehentlich mal Marker verschiebt, die dann sofort in einem anderen Feld landen.

Fazit: Sylla ist alles andere als einfach, bietet aber dafür viele taktische Möglichkeit, die für einen hohen Wiederspielwert sorgen, ist kommunikativ und vor allem originell. Allerdings sollte man dafür auch viel Zeit mitbringen. 60 bis 90 Minuten gibt der Verlag an. Wir haben beim Test mehr als anderthalb Stunden gebraucht.




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