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Ghost Stories
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 29.12.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Antoine Bauza, Verlag: Repos Production, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 29,95 Euro


Im Reich der Mitte lebte einst Wu-Feng, der mächtige Herr der neun Höllen. Besiegt von den Streitern des Guten, verbrannt und die Asche in einem kleinen Dorf aufbewahrt, schien die Welt Generationen lang sicher.
Jetzt hat der Geist Wu-Fengs lange genug gewartet und ist bereit seine Asche an sich zu bringen, um zurückkehren zu können. Verbündet mit Geistern versucht er in das Dorf einzudringen und die Urne zu erobern.

Die Spieler übernehmen in Ghost Stories die Rolle von ein bis vier taoistischen Mönchen, die nicht nur das Dorf sondern auch die Urne bewachen. Gemeinsam versuchen die vier Mönche nicht nur die Geister, die Wu-Feng dienen zurück in die Hölle zu schicken, sondern auch dessen Inkarnation selbst.

Öffnet man die quadratische Box findet man vier Spieltafeln, eine für jeden Mönch (rot, gelb, grün, blau) mit unterschiedlichen Kräften für die Mönche auf Vorder- und Rückseite, neun Dorffelder, einmal mit den normalen Bewohnern des Dorfes und einmal mit Spukseite. Dazu gibt es Figuren der Mönche, Buddhafiguren und Figuren für spukende Geister, ein Stapel Geisterkarten und verschiedene Inkarnationskarten, verschiedene Würfel, drei Tao-Würfel, die man zum Austreiben der Geister benutzt, einen extra Tao-Würfel für den grünen Mönch und einen Fluchwürfel, sowie viele verschiedene Marker, einmal Qi-Marker, die Lebenspunkte der Mönche und einmal Tao-Marker, die zum Austreiben der Geister hinzugenommen werden können. Es kommen noch einige andere Materialien wie Yin-Yang Marker für spezielle Kräfte der Mönche hinzu und Marker für besondere Situationen. Das ganze Spielmaterial ist von guter Qualität und sorgt für Stimmung. Ergänzt wird das ganze natürlich durch Regeln, die sind nicht nur in Deutsch sondern auch in Englisch und Französisch vorhanden. Spielhilfen für Dorffelder und Symbolerklärungen sind ebenfalls in diesen drei Sprachen vorhanden und auch nötig.

Genug zur Ausstattung, kommen wir direkt zum Spiel.

Bevor gespielt werden kann, werden die Dorffelder auf der spukfreien Seite per Zufall in Quadratform mit jeweils 3x3 Feldern gesetzt und die Spieltafeln der Mönche werden zufällig verteilt und eine Seite spontan gewählt, beides gibt dem Spiel viele verschiedene Möglichkeiten. Nicht nur die Position der Dorffelder entspringt dem Zufall, auch die Zusammensetzung der Mönch und deren Kräften sind sehr oft neu. Als Beispiel sei hier der gelbe Taoist genannt, der kann entweder zu Beginn seiner Runde eine Taomarke wählen oder Geister schwächen.
Nachdem das Spielfeld aufgebaut ist, die Geisterkarten mit der oder den Inkarnationskarten bespickt wurden, beginnt die erste Phase des Spiels. Der Spieler, der zuletzt einen Kung-Fu-Film gesehen hat beginnt mit der Yin-Phase, der Geisterphase. Hier zieht er eine Geisterkarte vom Stapel, legt sie der Farbe gemäß zu dem jeweiligen Mönch und beginnt, je nach Mächten des Geistes, sein Treiben. Dies kann sofort sein, in der nächsten Runde oder auch erst bei der Austreibung. Da kann er aber auch die Mönche belohnen und nicht nur verfluchen. Kräfte der Geister sind zum Beispiel Würfelzwang. Da muss der Fluchwürfel geworfen werden und man kann dabei Qi-Punkte verlieren oder sogar ein neuer Geist kann erscheinen, und Spuk, wobei der Geist dann im vor ihm befindlichen Dorffeld spukt und das Dorffeld dann umgedreht wird.
Ist der Geist gelegt und war die Spieltafel nicht bereits mit drei Geistern gefüllt, geht es zu Phase zwei, der Yang-Phase über. Jetzt darf der Mönch handeln. Drei Dinge kann er tun: Bewegung, Hilfe durch ein Dorffeld erbitten oder einen Geist austreiben und eine Buddhastatue platzieren. Bewegen kann man sich immer nur in angrenzende Felder, außer man hat spezielle Kräfte. Die Dorffelder bringen verschiedene Vorteile, z.B. Buddhastatuen, die wie Minen gegen Geister wirken, Versetzung von Geistern und Figuren oder man erhält Tao-Marker zur Geistervertreibung. Die Geister vertreiben ist nicht immer einfach, man benötigt Würfelglück und Tao-Marker, denn man muss mit Würfeln und Tao-Marker den Machtwert der Geister erreichen. Da die Würfel jeweils nur einmal die Farbe des Geistes und eine Jokerfläche abbilden, sind Geister mit Macht vier schon nicht ganz so einfach. Wieder andere Geister können nur mit Tao-Markern besiegt werden, es gilt also clever zu sammeln und gut zu würfeln. In der dritten Phase der Yang-Phase kann man den Buddha, den man in der Runde vorher genommen hat dann als Mine platzieren.
Der zweite Spieler muss dann schon darauf achten, ob er einen Geist auf seiner Spieltafel hat, der würde dann aktiv sein und in der Yin-Phase seine Macht einsetzen. Sind drei Geister auf der Spieltafel verliert der entsprechende Mönch sogar einen Qi-Punkt und der Geist wird auf eine andere Tafel gelegt, sind bereits alle vier Tafeln gefüllt, verliert er einen Qi-Punkt. Ansonsten verlaufen die Runden analog zur beschriebenen Runde mit Yin- und Yang-Phase.
Neben den Kräften, die die Mönche auf ihren Tafeln besitzen, haben sie auch die Yin-Yang-Marker als Bonus mit der sie einmal im Spiel (oder auch öfter, wenn sie den Marker durch eine Belohung zurückerhalten), während ihrer Yang-Phase, ein Dorffeld entspuken oder sich die Hilfe eines Dorffeldes zunutze machen können, ohne dort zu sein und ohne auf ihre Austreibungsphase verzichten zu müssen.
Es gibt leider viel mehr Möglichkeiten zu verlieren als zu gewinnen, aber deswegen spielt man ja gemeinsam und ärgert sich dann vielleicht weniger. Verloren ist das Spiel, wenn alle Mönche vernichtet sind, wenn vier Dorffelder umgedreht sind und wenn der Kartenstapel der Geister aufgebraucht ist und die Inkarnation noch existiert. Die Spieler gewinnen, wenn sie die Inkarnation vernichten und die Auswirkungen der Vernichtung (den Fluch), überstehen ohne die oben genannten Kriterien zur Niederlage zu erfüllen.

Obwohl das Spiel schon für viel Abwechslung sorgt und auch schon so recht schwer ist, kann man die Schwierigkeit noch von Anfänger über Normal und Alptraum bis Hölle variieren.

Wie schon zu Beginn geschrieben kann das Spiel von ein bis vier Spielern gespielt werden obwohl es für vier Spieler ausgelegt ist. Dazu wird der Spielaufbau nicht geändert, nur sind nicht alle Tafeln gleichzeitig auch Spielertafeln sondern eben neutral nur mit Platz für Geister. Die Kräfte der Tafeln kann einer der Spieler dann für sich nutzen.

Das sieht alles sehr kompliziert aus und beim ersten Spiel ist man ohne Anleitung tatsächlich verloren. Leider beantwortet die Anleitung nicht alle Fragen und der gesunde Menschenverstand oder eine demokratische Abstimmung müssen noch solange dafür bemüht werden bis das Errate herausgegeben wird.

Fazit: Auch wenn die Regeln von Ghost Stories noch einige Fragen offen lassen ist das Spiel wirklich gut. Figuren und sonstige Ausstattung sind qualitativ hochwertig und die Stimmung wird durch die stimmige Art gesteigert. Ohne Taktik und Absprache ist ein Sieg nicht so leicht möglich und auch die unterschiedliche Verteilung von Dorffeldern und Kräften der Mönche machen das Spiel jedes Mal wieder zu einem neuen Erlebnis.




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