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Heads of State
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 24.02.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Peter Hawes, Verlag: Eggertspiele GbR, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 39,95 Euro


In diesem Spiel für zwei bis fünf Spieler vom Verlag Eggertspiele übernehmen die Spieler einflussreiche Adelsfamilien Europas und versuchen ihre Mitglieder strategisch in den Ländern Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland zu platzieren. Dabei gilt es drei Revolutionen zu überstehen und durch möglichst breiten Einfluss zu punkten.

Der erste Eindruck beim Öffnen der recht großen Box ist schon mal nicht schlecht: Eine Fülle von unterschiedlichen Countern, wundervoll gestaltete Karten, großformatige Übersichtskarten, zahlreiche verschiedenfarbige Holzmarker sowie ein Stoffsäckchen fallen dem Besitzer sofort ins Auge. Das Spielbrett bildet die zu bespielenden Länder farblich voneinander abgehoben ab, eine Zahlenleiste, welche den Punktestand wiedergibt umrandet den Ausschnitt Europas. Die wichtigen Metropolen der Länder wurden mit Kästen versehen, in denen sich die Bilder von einem oder zwei Adligen finden. Diese Positionen gilt es im Laufe des Spiels zu besetzen.

Und das geht so: Jede Runde hat ein Spieler zwei Optionen. Entweder er zieht drei Aktionskarten (sechs davon liegen immer offen aus) und setzt einen oder mehrere Adlige oder er zieht eine Aktionskarte und eine weitere Karte vom Verratsstapel (hier liegen immer zwei offen aus). Wählt er Variante zwei, kann er nun versuchen, einen gegnerischen Adligen vom Thron zu meucheln und ihn gegebenenfalls nachbesetzen. Aber dazu später mehr.
Um einen Adligen einzuführen, muss man Kartenkombinationen sammeln, die unterschiedliche Themen darstellen (Titel, Schloss, Gold, Truppen, etc.). Dabei kann meist die Sonderkarte "Courtisane" als Joker für eine Karte verwendet werden. Die Karten werden abgelegt, ein Counter für die Familie auf das Bild im Land oder auf die Stadt gelegt und eine Karte mit dem Symbol des Adligen eingezogen. So einfach ist das. Mit den Verratskarten kann man aber auch schon besetzte Stellen wieder frei machen. Dies geschieht entweder mit den länderspezifischen Karten (zum Beispiel Galgen für Deutschland oder die Inquisition für Spanien) oder mit den Attentäter-Karten. Wählt man letztere Variante, werden drei Holzsteine des Angreifers und einer des Verteidigers in den beiliegenden Sack gelegt und einer gezogen. Ist es der des Verteidigers, schlug der Angriff fehl, gewinnt der Angreifer, ist der Adlige tot. Der Angreifer muss, egal welche Variante er wählt, immer sofort einen Adligen weniger setzen, als er gemeuchelt hat.
Das ist auch schon das ganze Spielprinzip. Wenn aus dem Aktionskartenstapel die Revolutionskarte gezogen wird, ist das erste Jahrhundert zu Ende und der Spaß geht nach dem Mischen der abgelegten Karten und einer kleinen Zwischenkalkulation einfach weiter wie bisher. Nach der dritten Revolution ist das Spiel aus.
Zu erwähnen bleibt noch, dass es für alle möglichen Eventualitäten Punkte gibt, die die Holzmarker anzeigen: Erste Adliger in der Stadt, ein Adliger in jeder Stadt eines Landes, die meisten Adligen in einem Land oder als erster von jedem Adligen eine Karte. Am Ende wird abgerechnet, so auch in dieser Rezension.

Prinzipiell macht das Spiel optisch einen einwandfreien Eindruck, es gibt aber einige Dinge, die einem recht sauer aufstoßen. Dass die Holzmarker vor dem ersten Spiel mit Plastikfolie beklebt werden müssen, ist dabei noch das geringste Problem; es fragt sich nur, wie lange die Folie auf den Markern hält. Ein wenig mehr irritiert, dass zwar die Anleitung einwandfrei übersetzt wurde, das Spielmaterial aber nicht, was zu ein paar unmöglichen Sätzen führt, beispielsweise: "Gallows: wird nur in den German States benutzt". Hier erwarte ich von einem deutschen Spiel einfach mehr. Auch der Versuch, ein historisches Spiel zu sein, scheitert. So heißt Deutschland zwar "German States", abgebildet ist aber die Bundesrepublik. Zudem wurden die Daten für die Revolutionen willkürlich gewählt.
Auch das Spielprinzip erscheint ein wenig zu simpel. Alles, was man zu tun hat, ist Karten zu sammeln, Counter zu platzieren und Punkte anzuhäufen. Das einzige Zufallselement, das zum Tragen kommt, ist der Attentäter. Für ein reines Strategiespiel wird leider einfach zu wenig geboten.

Fazit: Heads of State kommt optisch gut rüber, erweist sich aber als zu wenig durchdacht. Um als historisches Spiel glänzen können, fehlt es an weiteren Details, für ein reines Strategiespiel ist es zu vorhersehbar. Ein wenig Abwechslung täte dem Konzept gut. Sicherlich nett für zwischendurch, aber nichts für Vielspieler und große Strategen.




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