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ego
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 16.11.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): k.A., Verlag: HUCH & Friends Hutter Trade GmbH & Co. KG, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 29,95 Euro


Ego – lateinisch für Ich, oder wie es der Duden für Egoismus umschreibt: Selbstsucht. Diesen Titel hat sich der HUCH & friends Verlag für sein neues Spiel ausgedacht. Der Name ist Programm, denn es geht vorrangig um das eigene Selbst und das, was die Mitspieler über einen denken.

Die Regeln von Ego sind einfach und finden auf nur einer Seite Platz. Solch eine knappe Anleitung ist man in Zeiten der immer dickeren Regelwerke, die jede noch so kleine Frage beantworten und Dutzende von optionalen Spielmechanismen vorstellen, kaum noch gewöhnt. Das erleichtert die Beschreibung des Spielprinzips an dieser Stelle. Wer jetzt nicht gleich zum Fazit springt, weiß nach diesem Absatz bereits, wie Ego funktioniert.

Zunächst bekommt jeder Spieler zehn Ego-Chips, zehn weitere werden als Vorrat in die Mitte gelegt. Im Zentrum stehen allerdings die 432 Fragekärtchen. Der erste Spieler zieht eine davon aus der Kartenbox und liest sie laut vor. Da heißt es etwa "Welches Buch möchtest du demnächst lesen?" oder "In welcher Landschaft fühlst du dich am wohlsten?". Aber nicht alle Fragen sind so belang- bzw. harmlos. Einige, wenn auch wenige Fragen können durchaus die ein oder andere Information offen legen, die man bisher selbst seinen besten Freunden nicht anvertraut hat, etwa "Denkst du viel an Sex" oder "Glaubst du, dass einige Mitspieler dich für egoistisch halten?". Abgefedert wird die unter Umständen etwas peinliche Antwort durch drei Antwortvorgaben, von denen man sich für eine entscheiden muss. Die Sex-Frage lässt sich mit "Ja, klar doch!", "Nicht besonders viel." und "Nein, eher weniger." beantworten, weshalb niemand zu sehr ins Detail gehen muss.
Der Spieler, der die Frage vorgelesen hat, richtet diese an sich selbst und legt verdeckt ein Plättchen mit ein, zwei oder drei Punkten vor sich ab – entsprechend der Antwort 1, 2 oder 3 auf der Karte. Alle anderen Spieler tun es ihm nach und versuchen ihren Mitspieler dadurch einzuschätzen. Zu dem ebenfalls verdeckt gelegten Antwortplättchen müssen sie noch ein oder zwei Ego-Chips legen, je nachdem, wie sicher sie sich in ihrer Antwort sind. Stimmt die Antwort überein, erhält man die doppelte Anzahl an Ego-Chips aus dem Vorrat. Bei einer falschen Antwort legt man die Ego-Chips hingegen ab. Der Spieler, der die Frage vorgelesen und daher keine Ego-Chips gelegt hat, bekommt trotzdem für jede Übereinstimmung einen Chip. Ist der Vorrat an Chips aufgebraucht, gewinnt der Spieler mit den meisten Ego-Plättchen.

Spielausstattung

Ego kommt in einer im Verhältnis zu seinem Spielmaterial überdimensionalen Box daher. Die 432 Karten, die Chips sowie ein Tableau, das den Vorrat markiert, hätten auch in eine drei Mal kleinere Schachtel gepasst. So bleibt viel Luft für nichts – getreu dem Motto eines großen Egos, wenn man so will. Allein das Wortspiel rechtfertigt die Größe der Spielbox aber nicht.
Immerhin ist das Spielmaterial an sich sehr stabil, die Chips sind aus dicker Pappe bzw. Plastik, eine Kartenbox hält die Fragen zusammen. Der Preis ist für ein Partyspiel im üblichen Rahmen, wenn auch insgesamt etwas hoch. Da bieten andere mehr fürs Geld. Mit dem enthaltenen Kartensatz lassen sich aber zumindest zahlreiche Runden durchspielen, bis sich eine Frage wiederholt. Und solange das nicht beim selben Mitspieler passiert, kann man sie auch problemlos ein weiteres Mal nutzen (im Gegensatz zu allgemeinen Wissensfragen).

Spielmechanismen

Das Spiel ist einfach, schnell zu verstehen und für einen geselligen Partyabend ausgelegt. Die Begrenzung auf sechs Spieler wird durch die enthaltenen Chips vorgegeben, lässt sich jedoch mühelos auf größere Runden erweitern, wenn man die Spielplättchen durch andere Marker wie Glassteine ersetzt. Die Fragen decken eine Vielzahl an Themengebieten ab, sind mal politisch, mal gesellschaftlich und mal persönlich. Die Mischung weiß größtenteils zu gefallen, so dass für jeden etwas dabei ist und man selbst nach einer weniger passenden Frage auf eine bessere in der nächsten Runde hoffen darf. Der Spaßfaktor steht und fällt mit den Spielern, an ihnen liegt es, was sie daraus machen. Wer sich nicht bierernst nimmt, bekommt mit Ego gute Unterhaltung geboten.
Ein großes Manko liegt aber in den Antwortvorgaben. Mit nur drei Kategorien hat es sich HUCH & friends zu einfach gemacht, denn so funktioniert fast jede Antworten nach dem Schema ja-vielleicht-nein. Wer seine Mitspieler einigermaßen gut kennt, kann die Antwort in der Regel problemlos zuordnen. Auf die Frage etwa, wie oft man schon verliebt gewesen sei, lässt sich nur "ziemlich oft", "ein paar Mal" und "noch nie" antworten. Ein differenziertes Antwortenmodell wäre hier wünschenswert gewesen, eine vierte Antwort hätte in jedem Fall das immer gleiche Prinzip durchstoßen. Auch andere Karten lassen darauf schließen, dass Ego schnell konzipiert worden ist, um es auf den Markt zu bringen. Für "Hast du das Gefühl, alles kontrollieren zu müssen?" hätte man wirklich einfallsreichere Antworten finden können als nur "ja", nein" und "gelegentlich".

Fazit

Ego macht als Partyspiel durchaus Spaß. Die Regeln sind einfach, das Prinzip schnell verinnerlicht. Seine Freunde einzuschätzen ist zwar nicht neu, aber originell umgesetzt. Allerdings verhindert das platte Antwortenmodell eine bessere Wertung. Wer seine Mitspieler einigermaßen gut kennt, kann sie leicht einschätzen, sofern sie ehrlich antworten. Eine vierte Kategorie oder eine insgesamt intelligentere Kategorienauswahl hätten Ego zu einem echten Partykracher gemacht. So sollte, wer viel Zeit und Lust hat, man vielleicht darüber nachdenken, selbst auf jede der Karten eine vierte Antwort zu schreiben.




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