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...aber bitte mit Sahne
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 10.02.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Jeffrey D. Allers, Verlag: Winning Moves Deutschland GmbH, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 11,95 €


Ich mag einfache, aber pfiffige Spiele. Sie wissen schon, die Sorte Spiele, die im ersten Moment nach Nichts aussehen und dann plötzlich doch eine Raffinesse zeigen, die man nicht von ihnen erwartet hatte.
So wie auch ...aber bitte mit Sahne. Zunächst einmal sieht man nur 57 kleine Tortenstücke in acht verschiedenen Sorten, dekoriert mit einem oder mehreren Sahnehäubchen, sowie eine kurze, gerade mal vier Seiten umfassende Regel.
Nach Lektüre dieses kurzen "Büchleins" ist man nur wenig schlauer, da es zwar die Mechanismen erklärt, sich die Besonderheiten des Spiels aber nicht wirklich erschließen.

Die Tortenstücke werden in Stapeln zu jeweils elf Stück sortiert (überzählige Stücke werden beiseite gelegt). Reihum nehmen die zwei bis fünf Spieler dann einen der Stapel an sich und legen die Karten in Form einer Torte aus. Dabei müssen sie den Stapel einfach nur der Reihe nach auslegen; sie haben keine Chance, etwas an der Reihenfolge zu verändern oder die Stücke gar zu sortieren.
Danach wird der Kuchen geteilt, und zwar in maximal so viele Teile, wie Spieler teilnehmen (normalerweise wird man diese Zahl auch vollständig ausnutzen). Anschließend wird reihum jeder Spieler - beginnend mit dem Nachbarn des Auslegenden - eines der Teile an sich nehmen (teilt man die Torte also in weniger Teile als möglich, wird man normalerweise leer ausgehen).
Jeder Spieler muss sich anschließend entscheiden: Er kann die gesammelten Tortenstücke einfach aufessen und bekommt dann für jedes Sahnehäubchen einen Punkt, oder er kann auf Risiko spielen und Tortenstücke einer Sorte sammeln. Wer am Ende des Spiels (also nach Ausspielen aller fünf Torten) die Mehrheit der im Spiel befindlichen Stücke einer Sorte gesammelt hat, bekommt die aufgedruckte Punktezahl dafür (von drei bis elf, entsprechend der Anzahl der vorhandenen Tortenstücke dieser Art). Merkt man zwischenzeitlich, dass man sich verzockt hat, kann man jedoch auch die gesammelten Stücke einer Sorte aufessen, statt einen Teil der ausliegenden Torte zu nehmen. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

So weit, so gut... was das Spiel jedoch interessant macht, merkt man erst, wenn man sich bemüht, möglichst viele Punkte zu machen.
Oh Gott! Was hat denn der für einen Mist ausgelegt? Nehme ich jetzt das eine Stück mit den vielen Sahnehäubchen, oder versuche ich doch noch die Mehrheit bei den Schokoladenstücken zu bekommen? Oder sollte ich eher die Erdbeerstücke aufessen, weil ich da eh keine Mehrheit mehr schaffe und die Punkte sonst verfallen?
Natürlich hat man keine besonderen strategischen Möglichkeiten, doch ein bisschen Taktieren ist schon von Nöten. Welchen Teil der Torte will man selbst haben? Was muss man den anderen anbieten, um diesen Teil auch wirklich zu bekommen? Und wie viele Punkte kann man gefahrlos an die anderen abgeben?
Es geht immer darum, die richtige Balance beim Teilen der Torte bzw. beim Aufnehmen der Stücke zu finden. Man muss aber auch die Mitspieler richtig einschätzen und sich möglichst auch noch merken, was der eine oder andere Gegenspieler schon gefuttert hat. Nicht einfach, wenn man alles zusammen nimmt, und so ist dann häufig doch ein ganz anderer Spieler der Sieger, als man zunächst erwartet hätte.

...aber bitte mit Sahne ist eigentlich ein klassischer Absacker oder Anheizer, eins der einfachen, schnell erfassbaren Spiele, die man gerne mal heraus nimmt, wenn die Lust auf komplexe Spiele am Ende des Abends nachlässt oder wenn man schnell ohne viel Erklären losspielen will. Im Gegensatz zu den in diesem Genre üblichen Kartenkloppereien findet man hier jedoch eine gewisse spielerische Tiefe und vor allem einen interessanten Mechanismus.
Die gelungenen Grafiken (in manche Stücke möchte man regelrecht hinein beißen) und die gute Qualität des Spielmaterials stellen weitere Pluspunkte des Spiels dar.
Wer also auf der Suche nach einem gelungenen und doch einfachen Spiel ist, der sollte sich dieses Produkt aus dem Hause Winning Moves ruhig etwas genauer ansehen.




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