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Flussfieber
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 16.11.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Friedemann Friese, Verlag: 2F-Spiele, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 24


In dem aktuellen Spiele-Jahrgang zeichnen sich zwei Trends ab. Einer davon sind die Rennspiele. Auf dieser Welle schwimmt auch das Spiel Flussfieber von Friedemann Friese. Auf den ersten Blick scheint das Spiel nichts Besonderes zu sein: Die Spieler spielen Karten aus, um zwei oder drei Holzfäller entlang eines Flussverlaufs zu bewegen. Wenn da nur nicht die Strömungen und die Baumstämme oder die anderen Rennteilnehmer im Wege wären. Die immer wieder veränderbaren und perfekt ausgeklügelten Flussverläufe sorgen für einen enormen Spielspaß - und das ist es schließlich worauf es bei einem Spiel ankommt!

Auf dem schön gestalteten Cover der Schachtel sind zwei Holzfäller auf Baustämmen zu sehen, die mehr oder weniger elegant durch einen wilden Fluss manövrieren. In der Schachtel finden sich sechs unterschiedlich große, beidseitig bedruckte Spielpläne. Diese zeigen verschiedene Flussläufe mit Strömungen, Felsen und Baumstämmen. Der befahrbare Flussverlauf ist in sechseckige Felder unterteilt. Die Spielpläne sind untereinander beliebig kombinierbar. Dadurch sind Dutzende unterschiedliche Flussverläufe möglich, die für lange anhaltenden und abwechslungsreichen Spielspaß sorgen.
Für jeden der zwei bis fünf Spieler gibt es zwei Holzfällerfiguren, eine weibliche und eine männliche. Diese sind sehr schön aus Holz geformt und zeigen in unterschiedlichen Positionen eine Person auf einem Baumstamm. Jeder Spieler erhält einen eigenen Kartensatz und eine Jokerkarte. Auf den Karten ist eine der beiden Figuren abgebildet sowie eine Zahl von eins bis fünf. Des Weiteren sind in der Spielschachtel noch 45 Holzstämme enthalten, die vor dem Spiel auf die markierten Stellen der Spielplänen gelegt werden und Hindernisse darstellen.

Haben sich die Spieler auf zwei Spielpläne geeinigt, werden diese so aneinender gelegt, dass an den Stoßkanten ein Wasserfall entsteht. Anschließend werden Holzstämme auf die markierten Felder gelegt. Die Spieler stellen ihre Holzfäller vor die drei Startfelder des Flusses, nehmen sich ihren entsprechenden Kartensatz, mischen diesen zusammen mit einer Jokerkarte gründlich durch und nehmen davon drei Karten auf die Hand. Beginnend beim Startspieler muss jeder reihum genau eine Karte ausspielen und die entsprechende Figur maximal so viele Felder bewegen, wie angegeben. Figuren und Baumstämme dürfen dabei nicht übersprungen werden. Man kann allerdings bis zu zwei davon vor sich her schieben.
Am Ende jeder Bewegung wird geprüft ob eine oder mehrere Figuren auf Strömungen liegen. Diese sind entsprechen in Pfeilrichtung zu verschieben bis sie die Strömung verlassen oder blockiert werden. Abschließend zieht der Spieler eine Karte nach.
Es gewinnt der Spieler, der zuerst alle seine Holzfäller ins Ziel gebracht hat.

Das besondere an Flussfieber sind die unterschiedlichen Flussverläufe, die es zu überwinden gilt. Da sich im Schnitt immer neun bis zehn Holzfäller im Rennen befinden und diese im Rennverlauf teilweise sehr enge Stellen passieren müssen, kommt es vor diesen oft zu einem regelrechten Gerangel. Hier ist neben dem Kartenglück auch einiges an Taktik und Planung gefragt. Blockiere ich die Stelle und lasse erst die anderen aufrücken oder versuche ich lieber schnell einen meiner Holzfäller ins Ziel zu bringen? Schupse ich einen oder gar mehrere Gegner vorwärts, um selber weiter zu kommen? Nehme ich auch mal in Kauf rückwärts zu ziehen, um eine bessere Ausgangsbasis zu haben? Halte ich meine Holzfäller zusammen, damit diese sich gegenseitig vorwärts schupsen können? Rücke ich lieber vor, oder schupse ich eine andere Figur (oder Holzstamm) in eine Strömung, die diese dann nach hinten treibt? Wie kann ich die Strömungen am Besten zu meinem Vorteil ausnutzen? All das und mehr muss wohl überlegt sein. Schnell werden die eigenen Planungen aber durch die Gegner wieder zunichte gemacht, da man selber abtreibt oder blockiert wird. Zum Glück gibt es aber so gut wie nie eine auswegslose Situation und man kommt immer irgendwie vorwärts. Durch all diese Gegebenheiten bleiben die meisten Rennen bis zum Ende spannend, da sich selten vorzeitig ein Führender herauskristallisiert.
Der Spaß- und Ärgerfaktor ist durch das Schupsen und durch die Strömungen enorm groß. Fast jeder Zug hat Auswirkungen auf die anderen Spielfiguren, wodurch alle Spieler immer am Spielgeschehen beteiligt sind.

Das Thema mit dem Holzfäller-Rennen wurde stimmig umgesetzt und sorgt für eine ansprechende Atmosphäre im Spiel. Das qualitativ gute, sowie optisch und funktionell gestaltete Material trägt ebenfalls dazu bei. Für Spieler, die gerne ihre Lieblingstrecke irgendwann noch mal spielen wollen oder Wettkämpfe austragen möchten, wäre eine Durchnummerierung der Spielpläne hilfreich gewesen.

Die Spielanleitung ist mit vier DinA4-Seiten, welche zum Großteil aus bebilderten Beispielen besteht, ausreichend knapp. Allerdings sind nicht alle Punkte auf Anhieb verständlich, was sich aber spätestens nach der ersten Partie klärt. Das Spiel lässt sich dann flüssig ohne weiteres Regelstudium spielen.

Flussfieber spielt sich in jeder Besetzung gut, wobei der Spielspaß jedoch mit drei und vier Spielern am größten ist.

Fazit:
Flussfieber ist ein überraschend gutes und kurzweiliges Rennspiel mit einem tollen Mix aus Taktik und Glück zu einem angemessenen Preis. Die Spielpläne mit den Flussverläufen sind hervorragend ausgearbeitet und bieten viel Abwechslung. Eine gute Aufmachung, ein einfacher Einstieg und eine angenehme Spieldauer runden das gelungene Spiel ab.




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