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Unheimlich Asiatisch #1
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 09.11.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Alex Fechner, Verlag: Keine Angabe, Seiten: 40, Erschienen: 2008, Preis: 4,- €


Der Verlag EDITION 52 und seine Unheimlich-Bücher sind bisher ein Wechselbad der Gefühle. Nun wagt man eine weitere Auskopplung, die sich an den asiatischen Manhwas orientieren soll. Kriegt der Verlag endlich wieder die Kurve?

Das Titelbild ist schlicht weiß mit grauem asiatischen Schriftzeichen samt integriertem Logo, hinten ziert eine cthuloide Zeichnung das Softcover: Asiatische Essstäbchen ziehen einen Tentakel aus einem stilechten Schälchen. Die Aufmachung stimmt schon mal. Hinter dieser Fassade warten drei Geschichten und eine Galerie auf den Leser:
"Itsy Bitsy Spider" ist eine Kurzgeschichte um eine Spinne auf Beutefang, schnell und mit trockenem Humor. Der Zeichenstil ist sehr gegenständlich und erinnert an "Kulikunst".
"Rückkehr der Hirnwürmer" behandelt eben jene kriechenden Kreaturen, die nicht zu unterschätzen sind. Eine Frau öffnet in ihrer Eifersucht auf ihren Freund eine Konserve und muss die Konsequenzen tragen. Vom Stil her erinnert die Geschichte schon eher an die asiatischen Comics als die erste. Abgehackte Körperformen, kubische Umgebung und latente Erotik schaffen Stimmung, die Geschichte weiß auch zu überzeugen – sicherlich das Highlight des Bandes.
Dafür verwirrt "Man kann sich das Leben nicht aussuchen!" erst einmal. Die Geschichte fängt mit dem Schluss an und so recht mag man keinen Sinn in der Bildfolge erkennen. Man muss die Erzählung von hinten nach vorne lesen, erst dann begreift der Leser die Geschichte. Zeichnerisch gleicht das Werk den bekannten Bildern aus Anime-Filmen. Die Künstlerin hat ihren Comic dem verstorbenen Schauspieler Heath Ledger gewidmet und so gleicht die Story auch eher der Liebenshuldigung einer 14jährigen, ob mit Absicht oder nicht.
Die Bildergalerie in der Mitte des Bandes ist zu vernachlässigen. Auf zwei Seiten drängen sich drei Bilder, die man nicht richtig einordnen kann. Das Heft ist bis auf eine Werbung, Dreckflecken, die Rand und Hintergrund zieren und wenigen weiteren Seiten ausschließlich in schwarz-weiß gehalten.

Alles in allem liegt dem Leser ein durchwachsenes Heft vor. Die Geschichten sind sicherlich nett und künstlerisch klar an die asiatische Comickunst angelehnt, was vor allem bei der zweiten Geschichte vollends gelingt. Dennoch trägt der Band den Untertitel Lovecraftian Horror und wenn der Comic eines nicht ist, dann in irgendeiner Weise mit jenem Autor verbunden. Eine Hand voll Tentakel und das Wort Cthulhu machen noch längst nicht Lovecraft aus, schon gar nicht jene Art von Horror, die Lovecraft geschaffen hat und zu zelebrieren wusste.

Fazit: Kaum hat die Unheimlich-Serie begonnen, wird sie schon zerpflückt. Zwei Hefte der regulären Serie sind bisher erschienen, dazu ein Sonderband und ein Band aus der Asiatisch-Reihe. Ein wenig kommt der Verdacht auf, dass keiner der Autoren jemals in größerem Umfang Lovecraft gelesen hat. Band eins der regulären Serie sticht dabei in hohem Maße positiv hervor, leider konnten die restlichen Hefte nicht in dem Maß überzeugen. Der Lovecraft-Fan sieht sich sicherlich maßlos enttäuscht, wer aber davon losgelöst eine etwas schräge Unterhaltung sucht, kann sicherlich einmal testen und selbst entscheiden.




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