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Sin City 2: Eine Braut, für die man mordet
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 10.11.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Frank Miller, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 216, Erschienen: 2005, Preis: 19,80 €


Ava, ein Frau so schön und grazil, dass man alles für sie tun würde. Und nun befindet sie sich in den Fängen dieses schleimigen Damien Lord, eines reicher Schnösels aus dem besten Viertel der Stadt. Ava sitzt im goldenen Käfig, bewacht von einer kleinen Armee und vor allem von Manute, einem großen, breiten Schläger, den man bereits im ersten Sin-City-Kinofilm als Gorilla mit dem Goldauge bewundern durfte. Doch hier hat er sein Auge noch.
Dwight hat sie lange nicht gesehen, Ava, deren Namen er vergötterte. Ja, für sie würde er wirklich alles tun, auch wenn er sie dafür hasst, was sie ihm angetan hat. Dwight ist ein Gejagter auf der Jagd. Für Agamemnon, einem Griechen, der unentwegt Fast Food in sich hineinstopft. Dieser besorgt ihm Aufträge, mit denen sich Dwight über Wasser halten kann. Dafür verfolgt er Ehebrecher bei ihren Streifzügen und fotografiert sie bei ihrer Betrügerei. Und alles könnte gut sein.
Doch dann kommt sie, Ava, in diese zwielichtige, verrauchte Spelunke und fleht ihn an ihr zu helfen und Dwights Feuer erwacht erneut für sie. Einst waren sie ein Paar, doch das Tier in ihm war einfach zu stark. Jetzt hat er es im Griff, glaubt er. Als die Schöne von Damiens Gorillas abgeholt wird und sie Dwight mit ihren unschuldig flehenden Augen anblickt, ist ihm klar, dass er etwas tun muss. Und diesmal wird erneut das Tier in ihm erwachen. Doch ein wenig Gesellschaft wäre nicht schlecht. So kommt eine weitere, vom Leser bereits lieb gewonnene Figur ins Spiel: Marv. Hier kreuzen sich ihre Wege, nicht zum ersten und sicherlich auch nicht zum letzten Mal.

Die gilt auch für die ersten beiden Teile dieser einzigartigen Comicserie aus der Feder Frank Millers. Das Herz des Lesers schlägt höher, wenn er Szenen aus dem ersten Teil in anderer Perspektive wieder erkennt. Und schnell wird klar: Dieser Band folgt eigentlich gar nicht nach dem ersten, er spielt davor und später parallel zu ihm. Auch Fans des Films werden Dwight wiedererkennen, allerdings noch leicht verändert. Auch ein Wiedersehen mit den Mädels aus der Altstadt ist garantiert. Genau das ist es auch, was dem Leser eine Vertrautheit schafft, die ihm sofort schmeichelt und anregt das Comic gleich auf einmal in einem einzigen gierigen Happen zu verschlingen ohne aufzustoßen. Kleinere witzige Details für Insider würzen das Ganze noch – großartig!
Im Anschluss an die Story gibt es ein Interview mit dem Ausnahmetalent, Autor und Zeichner Frank Miller. Er äußert sich allerdings mehr zu seinem Werdegang als über Sin City, was aber ein gesundes Hintergrundwissen für den Comicfan schafft.

Künstlerisch arbeitet Frank Miller sehr spartanisch. Schwarz und weiß, mehr nicht, nicht mal grau. Es herrscht eine immerwährende Düsternis und genau das schafft die einzigartige Atmosphäre einer Basin City, die alle nur Sin City nennen. Teilweise wirken die Seiten wie aus einem Holzschnitt oder in den Kneipen fast zerrissen, wenn Miller den alles überdeckenden Zigarettenqualm zeichnet. Der Stil verhüllt mehr, als dass er preisgibt und das ist gut so, denn das, was der Leser sieht ist brutal. Doch diese Brutalität ist so überzeichnet, dass der nötige Abstand gewahrt bleibt.

Fazit: Schon nach den ersten Zeilen war ich von dieser Serie überzeugt. Sowohl die Bilder als auch der dreckige Jargon fesseln ungemein und man kann sich regerecht die heißere, düstere Stimme aus dem Off vorstellen, wie sie die Szenen beschreibt. Die Überschneidungen mit dem ersten Roman sind kunstvoll inszeniert und schaffen Vertrautes. Mit Marv aus dem ersten Teil kehrt ein Held zurück, der hier zwar nur eine Nebenrolle spielt, aber perfekt zu dem Protagonisten passt. Der Band verknüpft lose Stränge und weiß zu begeistern. Eine neue, bisher nicht im Film behandelte Geschichte, die einfach reinrockt. Action und Intrigen, Gewalt und Ironie, einfach Frank Miller – wow!




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