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Myranor: Codex Monstrorum
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 09.10.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jörg Raddatz & Heike Kamaris, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 160, Erschienen: 2008, Preis: 28,00 Euro


Ein Rollenspielsystem ohne Kreaturenband? Zumindest für Fantasywelten kaum vorstellbar. Sie bieten dem Spielleiter eine umfassende Auflistung aller möglichen Monster, die es, sortiert nach Regionen, zu finden und zu bekämpfen gilt. Mit dem Codex Monstrorum ist, zumindest vom Titel her, nun ein solcher Band für Myranor erschienen. Der Titel des Quellenbandes trügt jedoch. Zum einen listet der Band "nur" rund 60 Wesen des Güldenlandes auf, eine angesichts der Größe des Kontinents nahezu unbedeutende Anzahl. Zum anderen versteht sich der Band nicht als erschöpfendes, allumfassendes Monsterhandbuch, sondern vielmehr als Inspirationsquelle für ungewöhnliche Kreaturen, die die Welt bewohnen.

Wer also eine Komplettliste sucht, wird mit dem Codex Monstrorum nicht glücklich. Alle anderen bekommen hingegen ein vielseitiges Quellenbuch geboten, das sich zu lesen lohnt. Eingerahmt wird das Buch von den Reiseberichten eines Großwildjägers, der seine Erlebnisse in Tagebuchform aufgeschrieben hat. Sie führen, als literarische Texte konzipiert, in die einzelnen Kapitel ein und beschreiben die Begegnungen mit den Kreaturen aus Sicht des umherreisenden Optimaten samt Heldengruppe. Die Texte dienen vorrangig dazu, dem Leser ein exemplarisches Aufeinandertreffen zu schildern und liefern damit bereits die ein oder andere Abenteueridee. Daran schließt sich jeweils eine deutlich sachlichere Abhandlung über die Lebensweise der Kreaturen an, die allerdings keineswegs trocken daherkommt, sondern viele Informationen bereithält. Wo und wie leben die Wesen, welche Besonderheiten zeichnen sie aus und welche Geschichten ranken sich um sie? In der Verbindung beider Texte zeichnet sich ein plastisches Bild ab, das der Spielleiter für eigene Abenteuer nutzen kann. Die Beschreibungen sind stimmungsvoll und soweit aussagekräftig, so dass der Leser mehr als eine vage Vorstellung der Lebewesen bekommt. Sie gehen aber nicht bis ins Detail, um den Mythos der Kreaturen zu zerstören und ermüdende und belanglose Durchschnittswerte zur Größe oder zum Gewicht aufzureihen.

Abgerundet werden die Kapitel durch Abbildungen, die die Kreaturen darzustellen versuchen. Versuchen deshalb, weil dieses Vorhaben nicht immer gelingt. Auch wenn man sich als Leser gerne Bilder zur Auflockerung des Textes und zur besseren Vorstellung wünscht, bewirken sie in diesem Band stellenweise das genaue Gegenteil dessen, was die Texte übermitteln möchte. Die Zeichnungen zeigen Kreaturen, die leider zum Teil weder Furcht einflößend, anormal oder überwältigend, sondern einfach nur albern aussehen. Die Qualität schwankt hier insgesamt von hervorragend getroffenen Bildern bis hin zu einigen, die total daneben liegen. Über den Albschmeichler kann man nur schmunzeln, ebenso wie über den Monommat. Fantastisch wirken dagegen die Sphungiaden oder der Tutelwurm. Andere wie die Cerebropoden oder der Maulbaum verhehlen ihre Vorbilder nicht und lehnen sich sehr direkt an cthuloide Wesen aus Lovecrafts Geschichten an. Überhaupt ähnelt der Codex Monstrorum von seiner Aufmachung her sehr stark an das Malleus Monstrorum, das Monsterbuch des Cthulhu-Rollenspiels. Das ist gut so, denn es ist ein starkes Vorbild, das als Standardwerk auf diesem Gebiet gewertet werden kann.

Wer sich darüber wundert, dass bisher nur von Beschreibungen und Abbildung die Rede war: Keine Angst, die Spielwerte wurden nicht vergessen. Sie befinden sich jedoch nicht im Hauptteil des Buches, sondern im Anhang. Eine gute Lösung, denn so können auch Spieler den Hauptteil lesen, ohne gleich alle Werten zu kennen. Weitere Abenteuerideen und eine Reiseroute der Expedition sind ebenfalls am Ende zu finden.

Fazit:
Das Codex Monstrorum überzeugt durch atmosphärische Texte, die dem Leser viele nützliche Abenteuerideen an die Hand geben, ohne nur belanglose Spielwerte aufzureihen. Die Abbildungen treffen nicht immer ins Schwarze, sind jedoch Geschmacksache und schmälern nicht den ansonsten hervorragenden Eindruck. Ein Band, der in keiner Myranor-Sammlung fehlen sollte.




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