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Terra Cthulhiana
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 07.10.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Julia Erdmann (Redaktion) und diverse, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 200, Erschienen: 2008, Preis: 39,95 Euro


Mit diesem Koloss in Buchform liegt uns endlich ein Atlas cthuloider Stätten und Städte vor, der sogar den guten alten Dierke in den Schatten stellt – zumindest vom Umfang her. Aber kann der Wälzer auch inhaltlich überzeugen?

Der Vergleich mit dem großen Schulatlas kommt nicht von ungefähr. In der Tat kann Terra Cthulhiana auch oberflächlich erst einmal als Reiseführer, oder Nachschlagewerk für Landeskundler gelten. Sage und schreibe 29 Orte, meist fern jeglicher moderner Zivilisation werden mal mehr, mal weniger ausführlich beschrieben. Von dem allseits beliebten Innsmouth, über El Dorado bis zu asiatischen Pyramiden auf dem Meeresgrund ist alles dabei, was das Forscherherz begehrt. Dabei wird jeder Kontinent der Erde behandelt, inklusive der Antarktis, bzw. natürlich besonders der Antarktis, ist doch dieses Eismassiv der Mythospunkt schlechthin. Aber nicht nur existente, nein auch versunkene Kontinente, bzw. Orte, deren Existenz nicht ganz klar ist, oder welche sich in andere Dimensionen erstrecken finden ihren Platz. Dabei wird stets eine bestimmte Struktur eingehalten: Jeder Ort beginnt mit einer ausführlichen geographischen Beschreibung und einen Abriss über seine Geschichte. Danach folgen die Verbindung zum Mythos und Möglichkeiten, wie die Charaktere den Ort erreichen können.

Die Darstellung der Orte wird dabei meist sehr geschickt vollzogen, und ein unaufmerksamer Leser mag oft nicht zu unterscheiden, wo Realität in den Mythos übergeht. Auf der anderen Seite wirken aber auch vereinzelt Verknüpfungen recht gewollt. Mehr klare Abenteuervorschläge z.B. in übersichtlichen Kästen würden dem Leser ein wenig mehr hilfreiches Material an die Hand geben und den Einstieg in die spielerische Umsetzung erleichtern. Auch lesen sich die Einleitungen zu den Örtlichkeiten ab und an wie in einem Reiseführer, bzw. einer Darstellung der National Geographic, auch wenn sie ohne Zweifel notwendig sind, um das Grundgerüst zu bilden und den Mythos zu integrieren. Immerhin handelt es sich ja auch um ein geographisches Werk.

Positiv hervorheben möchte ich vor allem jene Orte, die im Cthulhu-Universum einen hohen Stellenwert haben. Es sind eben jene Stätten, die den Leser fesseln und wo die Phantasie der Autoren ein wenig mehr schweifen darf, was zu einer großartigen Atmosphäre führt: Das Plateau von Leng dient hervorragend als Brücke zwischen den Welten. Große Purpurspinnen bahnen sich ihren Weg in unsere Welt und das Erbe der Tcho-Tcho ist allgegenwärtig. Das fremde Kadath als Sitz der Götter, welches sich immer wieder unseren Blicken entzieht und durchs Universum wandert, bis es in seinem Zentrum das völlige Chaos auslösen wird, oder der sagenumwobene, versunkene Kontinent Mu mit seinen noch bestehenden Reliquien längst vergangener Zeiten. Aber auch die ganz gegenständlichen Orte, wie die Pinnacles Desert in Australien wissen zu überzeugen. Unterbrochen werden die Beschreibungen immer wieder mit Zitaten aus bekannten Werken Lovecrafts, aber auch aus anderen Quellen. So hat auch die Zahlenkombination aus "Lost" seinen Platz gefunden.

Die letzten, gut 100 Seiten des Buchs widmen sich jedoch nicht mehr den bloßen Örtlichkeiten, sondern beschreiben wie man weltumfassende Kampagnen schneidert. Das Kapitel "Auf uralten Spuren" behandelt Gralssucher, antike Astronauten, die Templer, Geheimnisse im heiligen Land, den Mythos der Hohlwelt und die Pyramiden. Hier wird das Buch endlich konkreter und liefert reichlich Material, um Schritt für Schritt Abenteuer zu entwickeln und sie zu einem großen Ganzen zu verbinden. So kann man z.B. auf der Gralssuche von heiliger Stätte zu heiliger Stätte wandern, welche wundervoll mit Detailplänen illustriert und beschrieben sind, oder auf der Suche nach antiken Sternenfahrern Artefakte über den Globus aufspüren und reichlich Theorien spinnen.

Optisch lässt Pegasus wie immer keine Zweifel an seiner Professionalität aufkommen. Das Buch ist ganz hervorragend sowohl mit Bildern, als auch mit Karten und eigenen Zeichnungen illustriert. Vor allem die Grafiken von Burgen, Kirchen und Tempel samt Grundrissen im letzten Kapitel sind eine echte Augenweide. Aber auch die mit Liebe zum Detail angefertigten "Handouts" sind von hoher Qualität. Hier macht dem Verlag keiner etwas vor.

Fazit: Die Preis-Leistung ist bei diesem Quellenbuch ohne Frage hervorragend. Terra Cthulhiana bietet reichlich Material für die unterschiedlichsten Interessen. Der Großteil der Verknüpfungen mythischer Stätten zum Cthulhu-Universum gelingt wunderbar. Mich haben vor allem die klassischen Orte wie Leng und Kadath fasziniert, aber auch die "weltlichen" Pendants, z.B. die Antarktis können auf ganzer Linie überzeugen. Ein "Must-Have" ist dieser Band sicherlich nicht, jedoch harmoniert er hervorragend mit dem Expeditionen Quellenbuch und bietet eine hervorragende Basis eine mythische, weltumspannende Kampagne aufzuziehen. Für mich ein echter Leckerbissen, wenn auch nicht das täglich Brot.




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