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The Nightmare Factory
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 06.10.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Thomas Ligotti, Verlag: Keine Angabe, Seiten: 112, Erschienen: 2007, Preis: 13,99 €


Thomas Ligottis Geschichten kennt man bereits in Verbindung mit H.P.Lovecrafts Cthulhu Mythos. Nun wurden vier seiner bekanntesten Erzählungen von unterschiedlichen Künstlern graphisch in einem Band kunstvoll in Szene gesetzt. Jeder Geschichte geht ein Vorwort von Ligotti selbst voraus. Gedruckt wurde der Band im Fox Atomic Comics Verlag.

The Last Feast of Harlequin ist wohl eine der erschreckendsten und auch besten Geschichten des Horrorautors. Ein Wissenschaftler will die Umstände eines obskuren Festes einer amerikanischen Kleinstadt näher untersuchen. Dort werden zur Vorweihnachtszeit Clowns auf die Straßen geschickt, um die Leute zu erheitern. Doch warum sieht man auf den Straßen nur Leute mit einer Grabesmiene herum irren?
Es ist sicherlich nicht ganz einfach, die düstere Atmosphäre der Vorlage im Comic umzusetzen, doch Colleen Doran gelingt es, den Leser auch graphisch zu fesseln. Die Geschichte ist zweifelsohne eine von Lignottis besten Stücken.

Dream of a Mannekin dreht sich um einen Psychologen und seiner Patientin. Diese hat obskure Träume, welche mit ihrem Job zu tun haben. Sie kleidet Schaufensterpuppen an, doch irgendetwas ist falsch mit ihnen. Oder stimmt etwas mit der Patientin nicht? Die Geschichte ist nicht minder obskur als die erste, doch so recht verstehen wird sie der Leser sicherlich nicht. Das Ende bleibt mysteriös und offen.
Graphisch bewegt sich Ben Templesmith zwischen Photokunst und Strichmännchen-Zeichenstil, was dem Thema Wahnsinn eine ganz besondere Note verleiht.

Dr. Locrian’s Asylum ist verlassen und soll abgerissen werden. Doch warum versetzt dies die Stadt in Aufruhr? Ein alter Mann scheint mehr zu wissen und auch der junge Buchhändler scheint in dem zersplitterten Fensterglas der Anstalt etwas zu erkennen. Doch da ist es schon zu spät.
Ted McKeever bleibt erst recht gegenständlich im Stil, wird dann aber immer abstrakter. Gesichter verziehen sich zu Fratzen, die Bilder gleichen fast einem Holzschnitt. Der Wahnsinn kommt auch in den Bildern voll zum Tragen. Darunter leidet jedoch ein wenig die Geschichte, welche wieder ein recht unverständliches Ende aufweist.

Teatro Grottesco ist eine ganz besondere Geschichte und gleicht am ehesten einem David Lynch Film. Künstler verschwinden nach einer mysteriösen Begegnung auf seltsame Art und Weise. Zumindest erzählt man sich das in der hiesigen Szene. Irgendetwas, das sich Teatro Grottesco nennt, hat damit zu tun, aber allgemein tut man dies als Mythos ab. Ein Autor begibt sich auf die Spuren und wird fündig.
Der Leser wird hier förmlich in die Erzählung hineingezogen. Man liest Seite für Seite und weiß selbst nicht mehr, was denn dieses Tetro Grottesco wirklich ist. Zwar weiß man, dass es da ist, aber beschreiben kann man es nicht. Es existiert einfach und richtet Schaden an, das sieht man ja auf den Bildern. Trotzdem ist es einfach unnahbar. Die Bilder unterstützen diese unwirkliche Atmosphäre, denn sie bleiben stets real. Somit kann man die Ereignisse auch nicht auf Traumsequenzen oder Wahnsinn schieben. Ein absolutes Highlight am Ende dieses Bandes.

Das Comic ist vom Einband her, über den Druck und der Qualität der Seiten wirklich einwandfrei und wunderschön gestaltet. Der Titel hebt sich vom Cover leicht ab, der Umschlag fasst sich gut an und auch die Zwischenpassagen wissen in Bild und Text zu überzeugen.

Fazit: The Nightmare Factory vereint vier sowohl in Bild, als auch in Text unterschiedliche Geschichten, welches eines gemeinsam haben: Eine bedrückende Atmosphäre. Dabei sind manche Geschichten mehr, andere weniger verständlich, sollen dies aber wohl auch sein. Teatre Grottesco hingegen ist verstörend, aber auch faszinierend inszeniert und für mich das Highlight des Bandes. Wer Lovecraft mag, wird Ligotti ebenso mögen. Für den Preis ist das Comic ein echtes Kleinod.




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