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The Red Star 1: Die Schlacht vor Kar Dathras Tor
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 03.10.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Christian Gossett, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 168, Erschienen: 2007, Preis: 26,- €


Es gibt Comics, die sind größer als Ihr Einband. Ein solches rares Exemplar der Gattung monumental liegt hier vor.

Wir befinden uns in der Zukunft. Maya, eine blutjunge, wunderhübsche, magiebegabte Soldatin fährt zu einem Friedhof, um ihres gefallenen Mannes zu gedenken. Sie trifft einen Veteran und erzählt ihre Geschichte, die sich vor neun Jahren zutrug: Die "Vereinigten Republiken des Roten Sterns" stehen vor einer entscheidenden Schlacht gegen Al’Istaan. Eine Science-Fiction-Version der UdSSR, militärisch ausgestattet nach allen Regeln der Kunst, trifft auf die Nistaani, ihrem nahöstlichen Gegenstück. Die Armee der Republik fährt Brüter auf, gigantische Schlachtschiffe unter dem Banner des roten Sterns, die ein Inferno auf Luft- und Bodentruppen freisetzen und alles vernichten, das sich ihnen in den Weg stellt. Unter ihnen wütet die Schlacht, doch dann schlägt irgendetwas fehl und eine Legende bewahrheitet sich als Realität.

Der Comic erzählt eine Geschichte Russlands, wie sie hätte sein können. Sie glorifiziert und desillusioniert, fasziniert und dramatisiert, und das alles mit Bildern, die dem Leser den Atem rauben. Dabei glaubt man immer, dass das breite Din-A4-Albumformat noch viel zu klein ist. Dies dachten sich anscheinend auch die Macher, denn plötzlich muss man das Comic drehen und liest in A3, was Schlüsselszenen noch gigantischer wirken lässt. Klassischer Zeichenstil paart sich dabei mit Computergrafiken und beide verschmelzen zu einem gelungenen Wechsel aus kühlen Farben, zum Beispiel wenn Maya auf dem Friedhof Blumen niederlegt, oder zu kräftigen Tönen, wenn ein Flammenmeer das Wrack eines abgestürzten Brüters verschlingt.

Wo die Bilder keine Zweifel zulassen, ist die Geschichte sicherlich Geschmackssache. Mystizismus trifft militaristisch russifizierten Science-Fiction, der aber gerade die Basis für die pompösen Bilder liefert. Nichts ist beeindruckender, als wenn sich ein gigantisches Schlachtschiff, dem man die Standhaftigkeit auch abnimmt, über eine Doppelseite hinzieht und sich förmlich vor dem Leser emporhebt.

Die Verarbeitung hätte man jedoch ein wenig sauberer besorgen können. Die Qualität der Seiten und des Drucks, sowie der gewohnt hochwertige Cross Cult Hardcoverumschlag stehen wie immer außer Frage. Allerdings wurde vereinzelt unsauber geklebt, was bei Doppelseiten große Zeichnungen an den Schnittstellen unharmonisch wirken lässt, da Bilder nicht sauber übergehen. Besonders ärgerlich ist dies bei dem Abdruck einer Tageszeitung, da so bei einem Artikel in der Mitte Buchstaben fehlen. Hier muss ganz klar nachgebessert werden.

Abgeschlossen wird das Buch mit diversen Extras, wie Interviews der Macher und gezeichnete Vorlagen sowie mit einem Lexikon, das noch ein paar Zusatzinformationen zu den Charakteren preisgibt.

Fazit: The Red Star ist vor allem gewaltig und grafisch auf ganzer Linie überzeugend. Die Geschichte muss man mögen und sich auch mit dem russischen Hintergrund anfreunden können. Lässt man sich aber darauf ein, wartet hinter dem Cover dieses Comics eine ebenso faszinierende wie schockierende Welt der Zukunft mit brachialen Bildern und packenden Geschichten.




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