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Helden einer Saga
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 21.06.2008, Serie: Rollenspiele, Autor(en): Ragnar Schwefel, Reiner Kreigler, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 60, Erschienen: 2008, Preis: 11,00 Euro


Das Arbeiten mit alten Mythen und Sagen ist eine Herausforderung für jeden Autoren. Unter anderem ist so "Der Herr der Ringe" entstanden, auf den, mehr oder weniger, alles zurückgeht, was mit "klassischer" Fantasy zu tun hat. Allerdings handelt es sich bei der Mythologie im ein sprödes Thema, das nicht unbedingt geschmeidiger wird, wenn man sich ihm mit der sehr speziellen Literaturform eines Rollenspiel-Abenteuers nähert.
Mit diesem Problem kämpfte auch das DSA-Abenteuer Helden einer Saga. Stimmung, Grundidee und abwechslungsreiche Spielszenen: alles sehr gelungen. Aber es handelt sich eben um die Umsetzung einer Wikingersaga, und in diesen Erzählungen sind die Helden den unabwendbaren Schlägen des Schicksals weitgehend wehrlos ausgesetzt. Ein Happy End ist nicht vorgesehen. Das widerspricht dem Reiz des Rollenspiels. Schließlich geht es für die Spieler darum, etwas zu bewegen und Unheil abzuwehren. Genau das bleibt den "Helden der Saga" aber verwehrt. Das Unheil ereilt sie und mehr noch ihre Umgebung, ohne dass sie viel dagegen tun könnten. "Railroading" heißt so etwas im Fachjargon. Den Autoren ist dieses Problem bewusst. Im Vorwort befassen sie sich damit. Doch eine Lösung fällt ihnen auch nicht ein.

Die Helden finden sich in diplomatischer Mission am Hof von Hetfrau Marada Gerasdottir ein, einer der beiden Konkurrentinnen um die Macht über das Wikingervolk der Thorwaler. Dort gilt es einen Kampf gegen ein grausames Untier aus der eisigen Einöde zu bestehen. Bei der Jagd nach ihm stoßen die Helden auf eine Überlieferung, die die Spur zu Tyrfing, einem legendären, verschollenen Schwert weist. Hetfrau Marada erkennt sofort die politische Dimension dieser Entdeckung und schwört, das sagenumwobene Artefakt für sich zu erringen. Doch beim Schwur kommt ihr eines der Wesen aus der thorwalschen Mythenwelt in die Quere und plötzlich haben die Spielercharaktere die große Ehre und große Bürde, zu "Klingensuchern" zu werden.
Ähnlich wird es den Abenteurern noch mehrfach ergehen: Immer wieder kommen sie mit Wesen in Berührung, die zumindest in Kontakt mit der thorwalschen Geisterwelt stehen und nie verläuft dieser Kontakt ganz nach den Wünschen der Helden. So ist es auch mit den beiden eigenwilligen Hexen, die zwar weitere Hinweise auf Tyrfing geben können, aber einen weniger netten Fluch aussprechen. Nach einer Seereise gilt es den Kampf gegen ein weiteres Untier zu bestehen und schließlich eines der im Norden so beliebten Rätselspiele zu bestehen, wobei der Fragesteller wiederum eine ganz besondere Gestalt ist. Nach all diesen Mühen ist Tyrfing schließlich zum Greifen nahe, wobei die letzte Hürde eher mit List als mit Gewalt zu nehmen ist.
Doch die wahre Tragödie entfaltet sich erst, nachdem die Klingensucher erfolgreich waren. Denn das Schwert hat seine Tücken, und gerade sie erfüllen das Schicksal mehrerer Personen der Geschichte, ohne dass die Helden daran etwas ändern könnten. Nachdem sie auch noch Bekanntschaft mit dem thorwalschen Rechtssystem gemacht haben, sollten die Charaktere die sagenumwobene Klinge zu Marada zurückgebracht haben und wenn nicht unsterblichen, so doch langwährenden Ruhm unter dem Seefahrervolk des Nordens errungen haben.

Ob die Handlung tatsächlich so abläuft, dürfte bei den meisten Spielergruppen eher fraglich sein. Spätestens wenn der Fluch des Schwertes zu Tage tritt, dürften sie sich mit Händen und Füßen, mit Magie und Gewalt dagegen wehren, dass sich das Schicksal erfüllt. Was dabei herauskommt, hängt von der jeweiligen Spielrunde ab. Der Spielleiter dürfte jedoch gut beraten sein, wenn er sich schon mal ein paar Möglichkeiten überlegt, wie das "Drehbuch" und querschießende Spieler unter einen Hut gebracht werden können. Von der Railroading-Gefahr abgesehen, ist Helden einer Saga ein wirklich hervorragendes Abenteuer. Seine große Stärke ist die dichte Atmosphäre, die Thorwal lebendig werden lässt; mit der Hofhaltung seiner Anführer, dem weit verbreiteten Aberglauben und den Gestalten aus der Mythologie, die den Lebenden tatsächlich begegnen können. Überzeugend sind auch die Nichtspielercharaktere entworfen, etwa der jähzornige, alte Patriarch oder der Kapitän, den ein Götterfluch zur Heimatlosigkeit verdammt. Etwas arg konstruiert wirkt höchstens der missglückte Fluch der Hetfrau.

Ein besonders schöner Einfall sind die Strophen eines Skaldenlieds, die jeweils den Kapiteln des Abenteuers vorangehen und zusammen eine Nacherzählung der Heldentaten ergeben. Durchweg hervorragend sind die düsteren Zeichnungen gelungen, die die Geschichte illustrieren.

Fazit: Helden einer Saga ist ein spannendes und atmosphärisch dichtes Abenteuer, das die Welt der Thorwaler zum Leben erweckt. Der Spielleiter sollte sich aber zunächst gründlich mit dem Saga-Konzept und der damit verbundenen "Gängelung" der Spieler auseinandersetzen.




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