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Myranor: Codex Monstrorum
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 03.07.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jörg Raddatz, Heike Kamaris, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 160, Erschienen: 2008, Preis: 28,00 Euro


Seit Ulisses die Produktion des Schwarzen Auges von FanPro übernommen hat, hat der Verlag einiges dafür getan, die Welt Dere mit ausreichend Material zu beschreiben. Vor allem der Kontinent Myranor wurde mit dem Myranischen Arsenal und nun dem Codex Monstrorum deutlich besser gepflegt als zuvor. Ob dies purer Zufall ist oder der Myranorfreund sich auf eine ganze Reihe ergänzender Quellenbände freuen darf, bleibt abzuwarten.

Zunächst gilt es jedoch sich dem Codex Monstrorum zu widmen. In diesem Quellenbuch werden alle möglichen Kreaturen geschildert, die das Güldenland Myranor bewohnen. Und dies sind bei weitem nicht bloß Monster. Dabei werden diese immer zuerst in Form eines Reisetagesbuchs aus der Sicht eines Optimaten geschildert, der mit einer sympathischen aber auch leicht absurden Gruppe den Kontinent durchkreuzt. Daran schließt sich eine beschreibende Abhandlung über Aussehen und Verhalten der betreffenden Spezies an. Beide sind sehr schön stimmungsvoll und teilweise auch recht witzig geschrieben. Vor allem die beschriebene Heldengruppe erinnert nicht nur in ihrer Zusammensetzung aus den unterschiedlichsten Völkern und den sich ergänzenden Berufen, sondern auch in ihrem Verhalten an so manche Spielergruppe, so dass der erfahrene Rollenspieler vielfach wissend lächelt und sich seinen Teil denkt.
Besonders interessant ist an dem Quellenband auch, dass sich die Spielwerte im Anhang finden und nicht bei dem beschreibenden Text. Das unterstützt noch weiter den Eindruck, den man von den Textstellen sowieso schon bekommt: hier werden wirklich "lebendige" oder zumindest lebensfähige Wesen beschrieben. Anders als in anderen Kreaturenbüchern existieren die hier geschilderten Geschöpfe nicht nur als Nebendarsteller zum Wohle der Spieler oder als ihr Schwertfutter. Die Beschreibungen lesen sich so, als lebten diese Tiere und Kreaturen wirklich aus reinem Selbstzweck und dienten nicht als bloße Kulisse für die Heldentaten der Besucher. Das gibt dem gesamten Quellenband eine sehr gelungene Lebensechtheit, wenn man das von reinen Fantasiewesen sagen kann. Auf jeden Fall ist es wirklich packender Lesestoff.
Das Einzige, was das zügige Durchlesen etwas schmälert, ist die sehr episodenhafte Handlung. Eine wirklich fest zusammenhängende Geschichte wird nicht geliefert. Aber dies ist aber auch gar nicht das Ziel der Autoren. Die beschriebenen Geschöpfe leben weit über das Güldenland verteilt und so muss jede Beschreibung für sich selbst lesbar sein, damit der Spielleiter sich die zur Region und zum Abenteuer passenden separat durchlesen kann.

Den runden Abschluss zu den Kreaturenbeschreibungen machen nicht bloß die Werte im Anhang, sondern auch Abenteuervorschläge für jedes Einzelne der geschilderten Wesen. Darin finden sich einige gute Ideen. Die meisten sind jedoch recht offensichtlich, wenn man den Text zur Kreatur gelesen hat.

Die Aufmachung des Quellenbands besteht aus professioneller Illustration in Graustufen. Bilder sind zwar eher wenige in dem Band, dennoch ist jeder Kreatur ein Bild gewidmet, welches immer schön und glaubwürdig aussieht. In einigen der gedruckten Exemplare ist der Text falsch herum in den Einband eingeklebt. Diese Fehldrucke bilden jedoch die Ausnahme. So kann sich der findige Rollenspieler aussuchen, ob er ein Buch haben möchte, bei dem es witzigerweise so aussieht, als lese er auf dem Kopf, oder ob er das mitgelieferte Lesebändchen nutzen will. Denn dieses fällt bei der falsch geklebten Varianten leicht zwischen den Seiten heraus.

Fazit: Ein wirklich sehr gut gelungenes Kreaturenbuch. Für jede Myranorgruppe ist das Werk ein absolutes Muss. Die einzige Kreaturensammlung vergleichbarer Qualität, die mir bekannt ist, ist das Bestiarium der Alten Welt, das bei deutlich weniger Seiten noch etwas mehr kostet. So sollte wohl auch das Preis-Leistungs-Verhältnis des Codex Monstrorum lobend hervorgehoben werden.




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